Inhaltsverzeichnis
Unterwegs mit Annette Krus-Bonazza
Präambel
Impressum
Was haben Sie entdeckt?
Vielen Dank!
Orientiert in Wien
Stadt und Stadtviertel
Sightseeing-Klassiker
Sightseeing-Alternativen
Essen gehen
Ausgehen
Shopping
Wege durch Wien
Tour 1
Stephansdom, Hofburg und Ringstraßenarchitektur
Tour 2
Musikalischer Rundgang durchs südöstliche Zentrum
Tour 3
Nordwestliches Stadtzentrum
Tour 4
Nordöstliches Zentrum und Weißgerberviertel
Tour 5
Museumsquartier, Spittelberg und Mariahilferstraße
Tour 6
Rund ums Belvedere
Tour 7
Rund um den Naschmarkt
Tour 8
Alsergrund und Josefstadt
Tour 9
Leopoldstadt und Prater
Ziele auf und jenseits der Gürtellinie
Der Gürtel
Schönbrunn und Hietzing
Döbling und die Weinberge
Penzing und Ottakring
Zentralfriedhof
Gasometer City (Music City)
Wiener Waterfront
Ausflüge ins Wiener Umland
Klosterneuburg
Tulln
Weinhochburgen der Thermenregion
Carnuntum
Bratislava
Stift Melk
Nachlesen & Nachschlagen
Stadtgeschichte
Kunst- und Kulturgeschichte
Wiener Küche(n)
Wiener Kulturleben
Das Fest- und Festivaljahr
Nachtleben
Wien mit Kindern
Wien (fast) umsonst
Ankommen in Wien
Unterwegs in Wien
Übernachten
Wien von A bis Z
Wien kompakt
Museen
Restaurants
Übersichtskarten und Pläne
Index
Alles im Kasten
Die Schätze der Habsburger im Paket (Kombitickets)
Kaffeehausliteraten
„Alles Walzer!“
Friedensreich Hundertwasser (1928-2000)
Vienna Style - Die junge Wiener Modeszene
Oh, du lieber Augustin ...
Die Hippies des Fin de Siècle - Wiener Jugendstil
Antiquitäten mit Nähten
Nervöse Maschinen und delikate Apparate - das Kontor Staretz
Kaiserinnengeburtstag
Mythos Sisi
Muslime in Wien: Islamisches Zentrum am (Neuen) Donauufer
Österreichische Filmszene
Powidl, Paradeiser und Pompfinebrer
Weinbergschnecken im Kommen
Die Legende von der Entstehung der Kaffeehäuser
Kartenverzeichnis
Tour 1
Tour 2
Tour 3
Tour 4
Tour 5
Tour 6
Tour 7
Tour 8
Tour 9
Auf der Gürtellinie
Schönbrunn und Hietzing
Döbling
Zwischen Penzing und Ottakring
Zentralfriedhof
Transdanubien/Wiener Waterfront
Übernachten in Wien
Zeichenerklärung
Öffentliche Verkehrsmittel
Wien Umgebung
Unterwegs mit Annette Krus-Bonazza
Jahrgang 1957, geboren in Höxter (Ostwestfalen). Lebt und arbeitet seit ihrem Studium der Geschichte und Germanistik in Bochum und ist inzwischen hauptberuflich als Reisejournalistin unterwegs. Im Laufe ihrer beruflichen Tätigkeit als Geschichtswissenschaftlerin hat sie diverse Veröffentlichungen zur Sozial- und Kulturgeschichte des Ruhrgebiets verfasst. Daneben widmete sie sich - vorzugsweise direkt vor Ort - dem Studium der italienischen Sprache.
Auf jeder Recherchereise gönne ich mir einen arbeitsfreien Tag, an dem ich die imperiale Pracht von Hofburg und Schloss Schönbrunn, die „Palazzi Prozzi“ am Ring, Stephansdom, Graben und Kohlmarkt und die dort pulsierenden Touristenströme lieber meide. Ich verbringe ihn bei einem ziellosen Bummel durch die Josef- oder die Leopoldstadt, das Freihausviertel oder die Neubaugasse, wo ich in originellen Galerien und Läden stöbere und in meinen Lieblingskaffeehäusern einkehre. Ich schlendere in aller Ruhe und ohne Notizblock und Kamera über Nasch- und Brunnenmarkt oder halte mich stundenlang im Museumsquartier auf, wo Alt und Neu eine besonders gefällige städtebauliche Symbiose eingehen. Dort schaue ich mir in Leopold Museum, Kunsthalle und MUMOK die gerade aktuellen Ausstellungen zeitgenössischer Kunst an, obwohl oder vielleicht sogar gerade weil sie für den Reiseführer keine Relevanz haben. Wenn das Wetter schön ist, mache ich Spaziergänge an der alten Donau, auf den Wiener Hausbergen oder durch den Augarten, die ich mir durch einen Marillenknödel oder ein Achtel Wein in einer lauschigen Gartenwirtschaft versüße. Bei hochsommerlichen Temperaturen erfrische ich mich gern im Krapfenwaldbad und genieße von dort oben die Aussicht auf Wien, das aber auch im tiefsten Winter mehr als eine Reise wert ist.
Präambel
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Grünes Blatt: Mit diesem Hinweis haben unsere Autoren Betriebe hervorgehoben, die sich bemühen, regionalen und nachhaltig erzeugten Produkten den Vorzug zu geben.
Impressum
Text und Recherche: Annette Krus-Bonazza | Lektorat: Peter Ritter, Christine Beil | Redaktion: Ute Fuchs | Layout: Jana Dillner, Claudia Hutter, Annette Melber | Karten: Janina Baumbauer, Carlos Borell, Franziska Maaser, Judit Ladik, Gábor Sztrecska, Theresa Flenger | Covergestaltung: Karl Serwotka | Covermotive: vorne: Stephansdom mit Haas-Haus © JFL Photography/Fotolia.com, hinten: Prater © Carsten Kykal/Fotolia.com
7. komplett überarbeitete und aktualisierte Auflage 2017
ISBN Print: 978-3-95654-442-2
ISBN ePub: 978-3-95654-536-8
© Copyright Michael Müller Verlag GmbH, Erlangen 2004-2017. Alle Rechte vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr.
Druck: Westermann Druck Zwickau GmbH.
Die in diesem Reisebuch enthaltenen Informationen wurden vom Autor nach bestem Wissen erstellt und von ihm und dem Verlag mit größtmöglicher Sorgfalt überprüft. Dennoch sind, wie wir im Sinne des Produkthaftungsrechts betonen müssen, inhaltliche Fehler nicht mit letzter Gewissheit auszuschließen. Daher erfolgen die Angaben ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie des Autors bzw. des Verlags. Autor und Verlag übernehmen keinerlei Verantwortung bzw. Haftung für mögliche Unstimmigkeiten. Wir bitten um Verständnis und sind jederzeit für Anregungen und Verbesserungsvorschläge dankbar.
Fotonachweis
alle Fotos von Annette Krus-Bonazza, außer:
Christiane Bauer S. 267 | Maxum S. 62 | Wolfgang Simlinger S. 257 | David Staretz S. 149, 236 | Lars Thomsen S. 216, 217 | Carola Quickels S. 35, 44/45, 64, 88, 90, 91, 102, 122, 126, 127, 148, 150/151, 157, 164, 168, 171, 176, 198/199, 238, 240, 250, 273, 278, 289, 291
(Hinweis: Die Seitenzahlen beziehen sich auf das gedruckte Buch).
Was haben Sie entdeckt?
Haben Sie ein gutes Restaurant entdeckt? Ein Hotel, das zentral und preiswert ist? Oder standen Sie mal vor verschlossener Tür? Wir freuen uns über jeden Hinweis!
Schreiben Sie an: Annette Krus-Bonazza, Stichwort „Wien“ |
c/o Michael Müller Verlag GmbH | Gerberei 19, D - 91054 Erlangen |
annette.krus-bonazza@michael-mueller-verlag.de
Vielen Dank!
Vielen Dank an meine Freundin Carola Quickels, die mich mit begeistertem Interesse auf meiner Recherchereise begleitet und viele schöne Fotos für dieses Buch beigesteuert hat, an meine Wiener Freunde Viktoriya Sitochina und David Staretz für die netten Abende nach getaner Recherchearbeit. Für Lektorat, Layout und Kartographie bedanke ich mich bei Christine Beil, Peter Ritter, Ute Fuchs, Jana Dillner, Claudia Hutter, Annette Melber, Janina Baumbauer und Theresa Flenger, für Tipps, Anregungen und konstruktive Kritik bei den Absendern der Leserbriefe.
Orientiert in Wien
Stadt und Stadtviertel
Wien liegt im Nordosten von Österreich und ist jeweils gut 50 km von der slowakischen, tschechischen und ungarischen Grenze entfernt. Es misst 415 km2, auf denen sich (Wein-)Berge erheben, Wien und Donau(-Kanal) fließen und 1,8 Millionen Menschen zu Hause sind.
Auf Nummer sicher
Wer nicht weiß, in welchem Wiener Bezirk er sich gerade befindet, braucht nur auf das nächste Straßenschild zu schauen. Dort sind die Nummern der Bezirke vor dem jeweiligen Straßennamen verzeichnet (z. B. 1., Jasomirgottstraße oder 20., Bäuerlegasse). Auch in die vierstelligen Postleitzahlen sind die Bezirksnummern eingegangen. Sie besetzen dort jeweils die zweite und dritte Stelle der Gesamtzahl: von 1010 für den 1. Bezirk bis 1230 für den 23. Bezirk.
Stadtgeschichte kompakt
Die von den bayerischen Babenbergern eingeleitete Stadtentwicklung begann in der Mitte des 12. Jh. auf dem historischen Boden des römischen Legionärslagers Vindobona, das zuvor von Kelten besiedelt gewesen war. Wien avancierte zur Residenzstadt der Habsburger und Kapitale des österreichisch-ungarischen Vielvölkerstaates. Es wurde, als die Donaumonarchie nach dem Ersten Weltkrieg untergegangen war, rot regierte Hauptstadt und zugleich Bundesland der Ersten und schließlich der nach Anschluss an Nazi-Deutschland, Zweitem Weltkrieg und alliierter Besatzung gegründeten Zweiten Österreichischen Republik. Seit Auflösung und EU-Osterweiterung wieder in der Mitte Europas, hat Wien in Sachen urbaner Lebensqualität weltweit die Nase vorn und seine Bevölkerungszahl wahrscheinlich bis spätestens 2030 die Zweimillionengrenze erreicht.
Bezirke und Grätz(e)l
Die Stadt ist in 23 Gemeindebezirke untergliedert. Jeder Bezirk hat einen Namen und eine Nummer (z. B. Margareten = 5. Bezirk), wobei die Namen im alltäglichen Sprachgebrauch so gut wie nie benutzt werden. Wiener empfehlen das nette Restaurant im 5. (Bezirk) und das interessante Museum im 3. und teilen die Bezirke in kleinere Einheiten ein, die im Volksmund Grätz(e)l genannt werden.
Historischer Stadtkern
Der 1. Bezirk, in Worten Innere Stadt, zeigt noch steinerne Spuren seiner antiken römischen Besiedlung, glänzt aber in erster Linie mit Prachtbauten wie Stephansdom, Hofburg, Staatsoper oder Burgtheater. Die Altstadt ist wegen ihres einzigartigen architektonischen Ensembles, ihrer schönen Parks und historischen Kaffeehäuser als UNESCO-Welterbe gelistet. Eingerahmt wird sie vom Donaukanal und der pompös bebauten Ringstraße, die in der zweiten Hälfte des 19. Jh. anstelle der mittelalterlichen Stadtmauern im Halbkreis um den historischen Stadtkern gelegt wurde.
Jenseits von Ring und Donaukanal
Um die namentlich in mehrere Abschnitte wie z. B. Opern- oder Universitätsring unterschiedene Ringstraße legt sich mit den Bezirken 3 bis 9 eine Kette mehrheitlich bürgerlich geprägter Stadtteile. Zu denen zählen Landstraße (3.) mit der Schloss- und Parkanlage Belvedere, das Universitätsviertel Alsergrund (9.), die alltagscharmante Josefstadt (8.), Mariahilf (6.) und Neubau (7.) inklusive Naschmarkt bzw. Museumsquartier, Wieden (4.) mit dem gastronomisch regen Freihausviertel oder Margareten (5.), wo eindrucksvolle historische Gemeindebauten stehen. Jenseits des Donaukanals lockt im 2. Bezirk (Leopoldstadt) das berühmte Riesenrad ins grüne Naherholungsgebiet Prater und dehnt sich der touristisch kaum erwähnenswerte 20. Bezirk (Brigittenau) bis ans Ufer der Neuen Donau aus.
Auf der Gürtellinie
Um die Bezirke 3 bis 9 spannt sich der mehrspurige, von Autos, Tram und Metro viel befahrene Gürtel, der streckenweise von Otto Wagners historischen Stadtbahnbögen und -stationen gekrönt wird. Jenseits dieser 13 km langen Hauptverkehrsader, die namentlich in mehrere Abschnitte, darunter z. B. Währinger, Mariahilfer oder Döblinger Gürtel, unterteilt ist, schließen sich im ausgehenden 19. Jh. gewachsene Industrie- und Arbeiterquartiere und nach Wien eingemeindete Weinbauerndörfer mit vornehmen Villenvierteln an.
Hinter der Gürtellinie
Zu den proletarisch und multikulturell geprägten Stadtteilen jenseits der Gürtellinie gehören der 16. Bezirk (Ottakring) mit dem lebendig-bunten Brunnenviertel, das ungeachtet des nagelneuen Hauptbahnhofs (noch) alltagsgraue Favoriten (10.) und Simmering (11.) mit dem prominent belegten Zentralfriedhof. Noble Domizile, allen voran das habsburgische Sommerschloss Schönbrunn, findet man im 13. (Hietzing), 18. und 19. Bezirk (Währing und Döbling). In Döbling breitet sich obendrein ein Vorzeigeprojekt des sozialistischen Wiener Gemeindebaus namens Karl-Marx-Hof aus, genießt man in den Heurigen von Grinzing Wein und auf den Wiener Hausbergen Kahlen- und Leopoldsberg ein tolles Wienpanorama und Donaublick.
An der Donau
Im 21. und 22. Bezirk (Florisdorf und Donaustadt) empfiehlt sich Wien als Stadt am Fluss. Das Ufer der Neuen Donau, in der in den 1970er Jahren das Naherholungsgebiet Donauinsel aufgeschüttet wurde, wird von Donauturm, den Bürotürmen der exterritorialen UNO-City und weiteren himmelstrebenden Hochhäusern gesäumt. Dagegen geben sich die Gestade der Alten Donau, auf der die historische Freibadinsel Gänsehäufel „schwimmt“, noch recht naturbelassen und beschaulich, zumal sie mit den feuchten Auen der Lobau an Wiens östlicher Stadtgrenze in den Nationalpark Donauauen übergehen.
Orientiert in Wien
Sightseeing-Klassiker
Selbst wer kein Faible für Glanz und Gloria der Habsburger hat, wird von ihren Schlössern und Stadtpalästen an der Ringstraße beeindruckt sein. Sie stehen neben dem altehrwürdigen Stephansdom, dem Prater und dem Naschmarkt ganz oben auf dem klassischen Besichtigungsprogramm.
Heldenmeile
Wiens Prachtstraße, der „Ring“, wird von etwa 80 Denkmälern gesäumt. Die einen ehren die „alten Helden“ der Monarchie (Kaiser, Könige, Feldherren), die anderen die „neuen Helden“ des liberalen Bürgertums, die Dichter und die Musiker der „vaterländischen Kunst“. Darunter sind auch die beiden Säulenheiligen der deutschen Literatur, Goethe und Schiller, die nie einen Fuß in die Stadt gesetzt haben.
Imperialer Glanz
Hofburg: Das Machtzentrum der Habsburger wuchs seit dem 13. Jh. und ist in die Alte und die Neue Burg unterteilt. In der Alten Burg harren die Amts- und Wohnräume der Habsburger, Sisi-Museum, Nationalbibliothek und kaiserliche Schatzkammer der Bewunderung, laden Spanische Hofreitschule und Hofmusikkapelle zu Lipizzaner-Dressuren und Messen mit den Wiener Sängerknaben ein. In der Neuen Burg kann man alte Musikinstrumente, Jagdutensilien oder Rüstungen begutachten und ab Herbst 2017 das räumlich und konzeptionell generalüberholte Weltmuseum besuchen. Mit der Fertigstellung des ebenfalls dort angesiedelten Hauses der (österreichischen) Geschichte wird es hingegen wohl noch bis 2019 dauern. → Tour 1
Ringstraße: Der Ring, seit Mitte des 19. Jh. angelegt und von zeitgenössischen Stararchitekten mit Stadtpalästen in verschiedenen historischen Baustilen gesäumt, gilt als städtebauliches Gesamtkunstwerk und imponiert auch im Detail. Das Rathaus wirkt wie eine gotische Kathedrale, die Universität hat wie das innen barocke Burgtheater das Gepräge der Renaissance. Das Parlament gleicht einem antiken Tempel, und die Staatsoper vereint Gotik, Renaissance und Klassizismus. Im Rahmen von Führungen kann man sie alle auch von innen bestaunen, was im Falle von Oper und Burgtheater anlässlich einer Vorstellung natürlich am schönsten ist. Tour 1 und 2
Stephansdom: Obgleich sie schon vor den Habsburgern da war, mauserte sich Wiens bekannteste Kirche erst unter deren Fittichen zur prächtigen Kathedrale. Wer hineingeht, erlebt eine besondere Raumatmosphäre und entdeckt so manches sakralkünstlerische Detail, kann in die Katakomben hinab- und zum Südturm hinaufsteigen. → Tour 1
Nicht nur barocke (Garten-)Pracht
Belvedere: Wer barocke Architektur nicht mag, wird gleichwohl vom Innenleben von Prinz Eugens Sommerresidenz begeistert sein. Das Museum im Oberen Belvedere spannt den kunsthistorischen Bogen vom Mittelalter bis ins frühe 20. Jh. und ist besonders stolz auf Gustav Klimts weltberühmten Kuss. Das Untere Belvedere ist für spektakuläre temporäre Kunstausstellungen reserviert. Vom Park zwischen den beiden Schlossbauten genießt man die Aussicht über die ganze Stadt. → Tour 6
Schönbrunn: Schloss und Park Schönbrunn zeugen vom opulenten Lebensstil der Habsburger, huldigen Kaiserin Maria-Theresia, Kaiser Franz Joseph und seiner Sisi. Man kann 40 Prunkräume besichtigen, einfach nur den Park genießen oder den direkt benachbarten ältesten Tierpark der Welt besuchen.
Museumshighlights
Kunsthistorisches Museum: Die „Kunstkathedrale“ der Habsburger präsentiert eine Gemäldesammlung mit Werken fast aller alten europäischen Meister, hütet antike und orientalische Preziosen und protzt in der Kunstkammer mit goldenen, silbernen und edelsteinbesetzten Tisch-, Dekorations- und Spielobjekten aus Mittelalter, Barock und Renaissance. → Tour 1
Albertina: Das Adelspalais aus dem 18. Jh., dessen Habsburgische Prunkräume vor Gold und Seide strotzen, beherbergt eine der bedeutendsten Grafiksammlungen weltweit (darin z. B. Dürers berühmter Feldhase) und verfügt mit der Sammlung Batlinger über eine der europaweit bedeutendsten, etwa 500 Meisterwerke umfassende Kollektionen zur Malerei der Klassischen Moderne. → Tour 1
Museumsquartier (MQ): Hier fügen sich die zeitgenössischen Baukörper von Leopoldmuseum und Mumok (Museum für moderne Kunst) harmonisch in den historischen Gebäuderahmen der kaiserlichen Hofstallungen ein. Das Erste ist Pflicht für Fans von Klimt und Schiele, das Zweite zeigt Kunst des 20. Jh., aber genauso wie Kunsthalle und Quartier 21 auch Zeitgenössisches und Experimentelles. Im MQ residieren das Architekturzentrum Wien sowie ein Kindermuseum und -theater. Rund um seine bunt und bequem möblierten Innenhöfe, die mit Freiluftevents aller Art bespielt werden, laden attraktive Lokale und Läden zum Essen, Trinken und Shoppen ein. → Tour 5
Leichte (Besichtigungs-)Kost
Prater: Das gute alte Riesenrad lockt Tausende von Touristen in den Prater. Es dreht seine Runden seit 1898 im Wurstelprater, einer Dauerkirmes am Rande von Wiens weltberühmter Parkanlage, die ansonsten mit Wald-, Wiesen- und Wasserflächen, Spiel- und Sportplätzen sowie lauschigen Gartenlokalen für Entspannung und Vergnügen sorgt. → Tour 9
Naschmarkt: Auf dem Naschmarkt, bebaut mit nostalgisch anmutenden Pavillons im orientalischen Stil, gibt es alles, was das multikulinarische Herz begehrt, entweder zum Mitnehmen oder zum Verzehr vor Ort. Besonders lebhaft geht es hier am Samstag zu, wenn direkt nebenan ein Flohmarkt abgehalten wird. → Tour 7
Orientiert in Wien
Sightseeing-Alternativen
Für manche interessanter als die Palazzi Prozzi der Habsburger sind die Architekturdenkmäler des Jugendstils und der Moderne, gebaut von Wagner, Loos & Co, oder das bunte Erbe von Hundertwasser. Musikfans sollten das Haus der Musik nicht verpassen. Wer Skurriles mag, muss unbedingt ins Bestattungsmuseum, wo Wien sein besonderes Verhältnis zum Tod enthüllt.
Nicht vergessen
Holocaust-Mahnmal, Museum am Judenplatz und Jüdisches Museum erinnern nicht nur an dunkle Zeiten, sondern vergegenwärtigen, dass Menschen jüdischen Glaubens im Vorkriegswien eine tragende kommerzielle und kulturelle Rolle gespielt haben und auch heute wieder in der Stadt präsent sind. → Touren 1 und 3
Farbe, Form, Funktion
Secession: Das 1897/98 von Joseph Maria Olbrich erbaute Vereins- und Ausstellungsgebäude der gleichnamigen Künstlervereinigung ist das Mutterhaus des Wiener Jugendstils. Es irritierte die Zeitgenossen durch seine kubische Form und die glatten Flächen, die Lorbeergirlanden und die goldene Laubkuppel, die damals despektierlich „Krauthappel“ (Kohlkopf) genannt wurde. Heute sind in der Wiener Secession Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst zu sehen. Ständig präsent ist das berühmte Beethovenfries, das Gustav Klimt 1901 zu Ehren des Komponisten angefertigt hat. → Tour 7
Otto Wagners Bauten: Während seine Stadtbahnbögen und -stationen oder die Steinhofkirche in Form und (grün-goldener) Farbe noch zwischen Historismus und Jugendstil changierten, demonstriert Otto Wagners mausgraue Postsparkasse innen wie außen sein Bekenntnis zur Moderne. Sie fungiert zugleich als Museum über den beruflichen Werdegang des international bahnbrechenden Architekten, das unter Wagner:Werk firmiert. → Tour 3
Karl-Marx-Hof: Zu den Architekturdenkmälern, die dem opulenten Baustil der späten Donaumonarchie ästhetisch Paroli boten, gehört auch der Karl-Marx-Hof. Er wurde nach einem Entwurf von Wagner-Schüler Karl Ehn erbaut und 1930 bezogen. Der gigantische Block fasst etwa 1300 Wohnungen mit eigener Toilette (!) und Gemeinschaftseinrichtungen für die seinerzeit proletarischen Mieter. Er war ein Vorzeigeprojekt der sozialistisch regierten Hauptstadt der Ersten Österreichischen Republik, der die Ausstellung „Das Rote Wien“ in einem Waschsalon der Anlage gewidmet ist.
Museum für angewandte Kunst (MAK): Dass Adolf Loos, neben Otto Wagner ein anderer bedeutender Baumeister der Wiener Moderne, oder das Bauhaus-Pendant Wiener Werkstätten auch in Sachen Möbel und Geschirr kreativ und innovativ waren, dokumentiert die Abteilung „Wien um 1900“ im Museum für angewandte Kunst. Außerdem zeigt das MAK Einrichtungs- und Alltagsobjekte aus anderen Zeiten und Teilen der Welt. In seinem Design Labor wird auf anschauliche Weise über Vergangenheit und Zukunft aller Bereiche des Alltagslebens informiert und „philosophiert“. → Tour 4
Bunte Hundertwasserwelt
Hundertwasserhaus: Während Wagner und Loos für klare Formen und gerade Linien standen, waren sie Friedensreich Hundertwasser ein Graus. Deshalb verblüffen der von ihm in den 1980er-Jahren gestaltete Gemeindebau und der mit Hundertwasser-Devotionalien angefüllte Konsumtempel gleich nebenan mit geschwungenen Fassaden und kunterbunten Farben. → Tour 4
Kunsthaus Wien: Ebenfalls formenreich und farbenfroh geben sich die von Hundertwasser selbst zum Kunsthaus Wien umgestalteten Gebäude der berühmten Möbelfabrik Thonet. Die Dauerausstellung ist Hundertwassers gebautem und gemaltem Lebenswerk gewidmet, darüber hinaus werden wechselnde Ausstellungen mit Arbeiten zeitgenössischer Kunst veranstaltet. → Tour 4
Welthauptstadt der Musik
Musikergedenkstätten: In Wien arbeiteten, lebten und starben u. a. Mozart, Beethoven, Schubert, Haydn und Walzerkönig Strauß. Deren ehemalige Wohnungen sind heute kleine, meist bescheiden ausgestattete Museen. Allein das Gebäude mit Mozarts Wohnung in der Domgasse wurde zu einem computertechnisch hochgerüsteten Museum namens Mozarthaus Vienna aufgebläht.
Haus der Musik: Hier wird das Lebenswerk nahezu aller (Wahl-)Wiener Komponisten stimmungsvoll inszeniert. Das multimediale Klangmuseum fasziniert aber noch mehr durch zahlreiche interaktive Stationen, an denen man in viele akustische Welten eintauchen, dieselben mit der eigenen Stimme manipulieren, selbst komponieren und die Wiener Philharmoniker dirigieren kann. → Tour 2
A schöne Leich
Zentralfriedhof und St. Marxer Friedhof: Dass die Wiener ein besonders inniges Verhältnis zum Tod haben, offenbart sich bei einem Gang über den Zentralfriedhof. Dort ruhen zahlreiche Prominente aus Politik, Kunst und Kultur unter originellen Grabsteinen, Skulpturen und Installationen. Sehenswert ist ebenso das architektonische Ensemble der Totenstadt, in der auch das Bestattungsmuseum residiert. Weniger wegen des Mozartgrabs denn der Grabsteininschriften von Krethi und Plethi interessant und amüsant ist der St. Marxer Friedhof (Tour 6).
Bestattungsmuseum: Unter einer der Aufbahrungshallen des „Zentral“ veranschaulichen Bilder, Texte und Töne, Särge und Leichenwagen, Totenmasken und Trauerkleidung sowie entzückende figürliche Inszenierungen Geschichte und Gegenwart einer Beerdigung, in Wien „A schöne Leich“ genannt.
Orientiert in Wien
Essen gehen
Wien hat für alle Geschmäcker und Geldbeutel das passende Lokal: gemütliche Gasthäuser, im Lokalsprech Beisl, elegante Kaffeehäuser, weinselige Heurige, informelle Würstelstandln, gediegene Gourmettempel und stylische Restaurants. Es kultiviert eine eigene „Wiener Küche“, kocht international, koscher, halal, vegetarisch und vegan.
Ausführliches zur Wiener Küche lesen Sie ab hier
Detaillierte Restaurantbeschreibungen finden Sie am Ende jeder Tour
Eine Liste aller im Buch erwähnten Restaurants finden Sie ab hier
Wiener Küche
Die traditionelle Wiener Küche ist fleischig und deftig und verführt mit ebenso kalorienreichen Süß- und Mehlspeisen, worunter Kuchen, Teilchen und Torten subsumiert werden. Sie ist multikulinarisch und von den ehemaligen Kronländern der Donaumonarchie infiltriert, kommt in feinen (Sterne-)Restaurants wie dem Steirereck am Stadtpark raffinierter und in zeitgemäß urbanen In-Lokalen leichter und bisweilen mediterran oder asiatisch inspiriert daher.
Herzhaft
Zu den herzhaften Klassikern der Wiener Küche gehören das berühmte Wiener Schnitzel, im Original vom Kalb, das man sich in Mailand abgeguckt hat, oder Gulasch, dessen Rezept ursprünglich aus Ungarn stammt. Zum Ersten reicht man meist einen Kartoffel- bzw. Erdäpfel-Gurken-Salat, zum Zweiten Gebäck, womit verschiedene Brötchenvarianten gemeint sind. Zu ihrem Repertoire zählen Tafelspitz mit Kren, also gekochtes Rindfleisch mit Meerrettich, bei Plachutta in der Wollzeile übrigens besonders delikat, und diverse Gerichte mit Innereien. Letztere, etwa eine pikant abgeschmeckte haschierte Kalbslunge namens Beuschel, erleben gerade eine Renaissance. Das gilt auch für Weinbergschnecken, die man im katholischen Wien des 17. bis 19. Jh. überaus schätzte, weil sie auch am fleischlosen Freitag nicht tabu waren. Auf nahezu jeder Beislkarte stehen Back- oder Paprikahendl, Schinken- und Krautfleckerl, ein Auflauf mit kleinen quadratischen Nudeln. Als Beilagen dienen Eiernockerln oder (Semmel-)Knödel, wobei aus den übrig gebliebenen vom Vortag gern „Geröstete Knödl mit Ei und Salat“ gemacht werden. Das Gericht ist preisgünstig und lecker und nach meinen Geschmack besonders gut im Café Maria Treu.
Süß
Als Dessert oder zwischendurch zum Kaffee gönnt man sich wie in Ungarn bzw. Böhmen Palatschinken, Buchteln und Golatschen. Während der Pfannkuchen beim Palatschinken ganz bleibt, wird er beim Kaiserschmarrn in mundgerechte Stücke zerpflückt. Um den Süßspeisenklassiker ranken sich viele Legenden, die allesamt mit Franz Joseph und/oder seiner Sisi zu tun haben. Beim Stichwort süße Klassiker muss natürlich von Sachertorte die Rede sein. Als Alternative zu der einst im gleichnamigen Kaffeehaus kreierten, bis heute kredenzten und vielfach kopierten üppig schokoladigen Spezialität bieten sich z. B. Apfel- oder Topfenstrudel und in der Frühsommersaison Marillenknödel an (Topfen = Quark, Marillen = Aprikosen). Kaffee wird in Wien übrigens in vielen Varianten zubereitet und niemals mit den schnöden Worten „einen Kaffee, bitte“ bestellt. Man verlangt vielmehr eine Melange (Milchkaffee) bzw. einen kleinen Schwarzen oder Braunen (mit ein bisschen Milch), um nur die meist georderten zu nennen.
Schnell
An den quasi flächendeckend aufgestellten Würstelstandln werden Käsekrainer und Debrecziner gebraten und Burenwurst und Frankfurter gebrüht. Käsekrainer sind mit kleinen Käsewürfeln gefüllt, Debrecziner pikant gewürzt und slowenischer bzw. ungarischer Provenienz, Burenwurst ist aus Rind und Schwein und mit Knoblauch aromatisiert. Als leichtere und typische Wiener-Fastfood-Alternative seien die „unaussprechlich guten Brötchen von Trzesniewski“ empfohlen. Bei denen handelt es sich tatsächlich um mundgerechte Roggenbrotschnittchen, die, mit vielen leckeren Pasten bestrichen, inzwischen stadtweit zu haben, vorzugsweise aber in dem vor gut 100 Jahren eröffneten Mutterhaus von Trzesniewski in der Dorotheergasse zu genießen sind.
5 Tipps für 5 Abende
„Blauensteiner. Zur Stadt Paris“ - Typisch wienerisch: Das schöne alte Gasthaus serviert schmackhafte Wiener Hausmannskost. Auch von mir persönlich verschmähte Innereien wie Nierndl sollen hier besonders lecker sein. → Tour 8
„Glacis Beisl“ - Feine Wiener Bioküche: Verfeinerte Wiener Saisonküche aus regional und nachhaltig produzierten Zutaten, die im lauschigen Gastgarten besonders mundet. → Tour 5
„Pizza Marì“ - Pizza wie in Italien: Die Pizzeria mit eher spartanischem Interieur hält sich ans neapolitanische Original, sodass hier Büffelmozzarella auf die auch ansonsten gut belegte Pizza kommt. → Tour 9
„Modern Korean“ - Scharf und frisch: Die freundlichen Schüler von Kultköchin Kim begeistern mit pikanter Asiaküche mit knackigem Gemüse und frischem Fisch. → Tour 8
„Tian“ - Fleischlos glücklich: Hier gibt’s vegetarische und vegane Küche auf Michelinsternniveau, sodass das fleischlose kulinarische Glück seinen (freilich hohen) Preis hat. → Tour 2
Orientiert in Wien
Ausgehen
In der Theater- und Musikhochburg kann man zum Auftakt eines gelungenen Abends aus dem kulturellen Vollen schöpfen, danach oder stattdessen tief ins Glas schauen und das Tanzbein schwingen, wobei man auch diesbezüglich die Qual der Wahl hat. Es sei denn, man versackt sofort in einem der vielen Lokale, in denen sowohl geschlemmt als auch gezecht wird.
Ausführliches zu Theater, Oper, Konzert und Kino finden Sie im Kapitel Wiener Kulturleben ab hier
Alle Kneipen, Bars und Clubs finden Sie im Kapitel Nachtleben
Viel (Kultur-)Vergnügen!
Wem die Staatsoper, ein klassisches Konzert im Musikverein oder das Burgtheater zu erhaben ist, möge z. B. eine Operette in der Volksoper, ein Musical im Ronacher, einen Kabarettabend im Stadtsaal, Kleinkunst bei Klettenheimers oder einen Film im Metro- oder Schikaneder-Kino in Erwägung ziehen. Wo wann was geboten wird, entnimmt man am besten dem Stadtmagazin „Falter“.
Trinken und Tanzen im 1. und 2. Bezirk
Zwischen Stephansdom und Hofburg, Oper und Burgtheater gibt sich Wien auch am Abend weltstädtisch und elegant. Ein Klassiker fürs späte Gläschen ist die noch vom Meister der Moderne selbst gestaltete Loos American Bar, laut „Falter“ die schönste Bar der Stadt. Ebenfalls schon fast legendär ist die Volksgarten Clubdiskothek am Burgring mit Freiluftparkett im Park. Neben Wiens ältester Diskothek huldigen inzwischen eher kühl gestylte Clubs wie Babenberger- und Albertina-Passage dem luxuriösen urbanen Lifestyle, während es zwischen Rabensteig und Ruprechtsplatz nordöstlich der altehrwürdigen Kathedrale eher laut und derbe zugeht. Dort mischten in den 1980er-Jahren die ersten Designerkneipen, z. B. Roter Engel oder die kubanische Cocktailbar Ron Con Soda, die bis dahin eher volkstümelnde Wiener Gastroszene auf. Weil einige von ihnen inzwischen zu bier- und schnapsseligen Abfüllstationen mutiert sind, wird das Viertel Bermudadreieck genannt. Es reicht bis zum Donaukanal, wo Jazzland und Flex, angeblich einer der besten Heavy Metal Clubs Europas, schon seit Jahrzehnten die Stellung halten und inzwischen von weiteren Lokalen wie dem mondänen Motto am Fluss oder der netten Strandbar Herrmann flankiert werden. Auch das andere Donaukanalufer wird von Schönwetterlokalen wie dem Tel Aviv Beach gesäumt. Ansonsten lädt der 2. Bezirk in gemütliche Kneipen und stylische Bars rund um den Karmelitermarkt, während im Prater Österreichs größte Diskothek namens Praterdome mit mehreren Dancefloors und Bars Furore macht.
... zwischen Ring und Gürtel
Rund um den Naschmarkt bzw. im Freihausviertel gefallen mir das retrocharmante Café Anzengruber und das italienisch angehauchte Amacord, wo man gemütlich essen und/oder trinken kann. Schwule mögen das nostalgisch-plüschige Café Savoy und das auch bei Heteros beliebte Bar-Restaurant Motto im benachbarten Margareten.
Im Museumsquartier servieren z. B. Halle und Café Leopold drinnen und draußen bis spätabends Speis und Trank. Gleich hinter dem MQ erhebt sich der idyllische Spittelberg mit zahlreichen Kneipen, darunter linksalternative Szeneklassiker wie Amerlingbeisl und 7stern. Das unprätentiös sympathische Europa (Lager) an der Neubaugasse lädt zum Essen, Trinken und Tanzen ein. Die Neubaugasse führt nordwärts direkt in die Josefstadt, die ihre charmante Abendatmosphäre nicht zuletzt dem Theater in der Josefstadt und mehreren Kleinkunstbühnen verdankt, weil Publikum und Künstler nach der Vorstellung gern in ihren netten Lokalen (s. u.) einkehren.
... auf und hinter der Gürtellinie
Die Nordwestflanke des Gürtels ist seit ihrer Sanierung von zeitgemäß schicken Bars und Musikclubs wie Q und B 72 in den nun üppig verglasten Stadtbahnbögen gesäumt, wobei allein der rockige Gürtelclubpionier Chelsea noch hinter Mauern verborgen ist. Auf der anderen Straßenseite behaupten sich eher alternativ-gemütliche Szenekneipen wie Weberknecht und Café Concerto und seit 1914 das charmant-altmodische Weinhaus Sittl. Jenseits des Gürtels lockt die mehr oder minder authentische Weinseligkeit und Schrammelmusik in den Heurigen von Grinzing und als Alternative die nette Kneipenszene rund um den Yppenmarkt im multikulturellen Ottakring.
5 Tipps für 5 Abende
„Volkstheater“: Das 1889 gegründete Theater mit der nostalgisch-schönen Roten Bar hat Atmosphäre und Klassisches und Zeitgenössisches vornehmlich österreichischer Autoren im Repertoire. → Tour 5
„Hold“: Das Lokal des schnodderig-sympathischen Georg Hold hat nettes Personal und ebensolche Gäste, ist kulinarisch italophil und animiert dazu, bei einem guten Glas italienischen Weins zu versacken. → Tour 8
„Grande“: Die fein gewandeten freundlichen „Jungs“ hinter der Theke der gediegen-gemütlichen Josefstädter Nachtbar verstehen ihr Cocktail-Shaker-Handwerk.
„Café Orient“: Als Unterlage superleckere Falafeln, guter Wein, auf Wunsch eine Shisha, sporadisch kleine musikalische Darbietungen, kurzum: ein Wohlfühlort. → Tour 5
„Strandbar Herrmann“: Hier kann man bei schönem Wetter mit Cocktails, Wein und Bier auf Liegestühlen am Ufer des Donaukanals chillen und bei (Fußball-)Bedarf „public viewen“. → Tour 4
Orientiert in Wien
Shopping
Rund um den Stephansdom glänzen internationale Luxuslabels, an der Mariahilferstraße dominieren Filialen bekannter Ketten. Jenseits des Rings produziert sich die junge Mode- und Designerszene, entzückt aber auch Kleidsames und Dekoratives aus guter alter Zeit. In den Museen ist allerlei Kunst und Kitsch zu kaufen, bei Manner gibt’s süße Reisesouvenirs ...
Geschäfte, Läden und Shops in den einzelnen Vierteln finden Sie am Ende jeder Tour
Innere Stadt
An Graben, Kohlmarkt oder Kärntner Straße, in Ringstraßengalerien und „Goldenem Quartier“ (Tuchlauben, Bogner- und Seitzergasse) veredeln die Flagship-Stores von Armani, Brioni, Chanel, Gucci, Louis Vuitton oder Vivian Westwood die Fußgängerzonen. Sie ergänzen das exklusive Angebot von alteingesessenen Geschäften wie dem Herrenausstatter Knize, wo man sich ebenso wie bei den jungen Wiener Designer(-inne)n, die es bereits in den ersten Vorzeigebezirk geschafft haben, gut und teuer einkleiden kann. Gut und teuer sind auch das Traditionskaufhaus Steffl, die Klassiker des berühmten historischen Designerkollektivs Wiener Werkstätten bei J&L Lobmeyer, die glitzernden Auslagen im Swarowski Megastore oder Meinl am Graben, wo man den gleichnamigen Kaffee und Delikatessen aus aller Welt einkaufen kann. → Tour 1, 2 und 3
Mariahilferstraße
An der Mariahilferstraße buhlen Tür an Tür mit den Filialen europaweit präsenter Ketten originäre Wiener Konsumtempel wie das Möbelhaus Leiner, Gerngroß City oder Generali Center um die weniger zahlungskräftige Klientel. Von der längsten Wiener Shoppingmeile kann man gleich in origineller sortierte Shoppingquartiere weiterwandern, z. B. ins Museumsquartier mit einigen interessanten Musik-, Buch- und Designerläden oder die parallele Gumpendorfer Straße, wo tolle Möbel- und (Bio-)Modegeschäfte locken. → Tour 5 und 6
Neubau-, Zoller-, Kirchen- und Lindengasse
Die Neubau-, Zoller-, Kirchen- und Lindengasse sind ebenfalls kommerzielle Neben- bzw. Parallelflüsse der Mariahilferstraße, in ihrer Angebotspalette aber individueller und am Puls der Zeit.
Die Gegend gilt als Epizentrum der jungen Wiener Designerszene, für die z. B. Lena Kvadrat mit ihrem Label Art Point (Neubaugasse), Ulrike Kogelmüllers Ulliko (Kirchengasse), Elke Freytag (Lindengasse) oder das Designerkollektiv Göttin des Glücks (Kirchengasse) stehen. Letzteres setzt auf biologisch produzierte und fair gehandelte Kleidung, die in diesem Viertel auch anderswo zu haben ist. Neben Mode made in Vienna gibt’s den letzten Schrei aus England, Italien, Skandinavien oder Osteuropa. Man entdeckt außergewöhnliche Brillenmodelle, schöne Schuhe und Schmuck, Taschen aus LKW-Planen, aber auch nostalgische Mode und Accessoires. → Tour 5
Nasch(floh)markt und Freihausviertel
Direkt hinter dem kulinarischen Schlaraffenland Naschmarkt wird am Samstag ein Flohmarkt abgehalten. Dessen „Gemischtwarenangebot“ hat Patina, was auch für Ingrid Raabs „Antiquitäten mit Nähten“ gilt. Ihr Laden in der Schleifmühlgasse heißt Flo Vintage und ist ein Pionier in Sachen Vintage-Mode, auf die sich auch Polyklamott in der nahen Hofmühlgasse kapriziert hat. Die Schleifmühlgasse ist die kommerzielle und gastronomische Schlagader im Freihausviertel, wo neben historischer aber auch junge (Wiener) Designermode, Stylisches aus ausgedienten Materialien und viele andere schöne Dinge zum Geldausgeben animieren.
Josefstädter Straße und Berggasse
Obgleich gemeinhin nicht als Shoppingquartiere gelistet, entdeckt man an diesen beiden Straßen einige hübsche Läden. An der ersten gefallen mir die Buchhandlung Eckart und der Hutsalon von Viktoriya Sitochina, die nicht nur extravagante und alltagstaugliche Hüte, sondern auch schöne Kleider macht. In der Berggasse gibt’s bei Tankai Vienna tolle Taschen und die schwul-lesbische Buchhandlung Löwenherz. Gleich um die Ecke kann man im Schaufenster des Kontor Staretz in der Liechtensteinstraße entzückende kinetische Objekte des gleichnamigen Journalisten und „Bewegungskünstlers“ zucken und zappeln sehen. → Tour 8
Museumsshopping und Kulinaria
Schließlich haben auch die Museen und so mancher „Lebensmittelladen“ Einkaufserlebniswert. Viele Museumsshops haben neben kitschigen Souvenirs gut sortierte kunst-, musik-, architektur- oder stadthistorische Fachliteratur, schöne Bildbände, Ausstellungskataloge und -plakate und bisweilen originelle Schmuck- und Designobjekte im Sortiment. Als kulinarische Reiseerinnerungen bieten sich z. B. Manner-Schnitten und viele andere süße Produkte der Wiener Traditionsfirma an, mit denen man sich am besten direkt im Fabrikshop eindeckt. Die exquisiten Konfitüren von Staud kauft man am schönsten im historischen Staud’s Pavillon am Brunnenmarkt, den guten Essig von Gegenbauer auf dem Naschmarkt (Tour 7) und die Sachertorte wird direkt neben dem gleichnamigen Kaffeehaus auch zum Mitnehmen konfektioniert (Tour 2).
Wege durch Wien
Im 1. Bezirk
Tour 1
Unter der Obhut von St. Stephan wuchs zwischen der zweiten Hälfte des 13. und dem Ende des 19. Jh. das von Plätzen und Parks aufgelockerte Gebäudeensemble der Hofburg, vor dessen Michaelertor römische Ruinen an die Ursprünge der Stadt erinnern und das Loos-Haus den baugeschichtlichen Aufbruch in die Moderne markiert.
Stephansdom, das Wahrzeichen von Wien
Albertina, Kunstmuseum von Weltrang
Michaelerplatz, Stadtsalon
Hofburg, Zuhause von Kaisern und Königen
Monumentales Wien
Stephansdom, Hofburg und Ringstraßenarchitektur
Zwischen dem hochmittelalterlichen Stephansdom und der Hofburg spannt sich ein von Graben, Kohlmarkt und Kärntner Straße eingefasstes Netz mondäner Einkaufs- und Flaniermeilen mit edlen Geschäften, gediegenen Restaurants und Kaffeehäusern.
Unweit des neuesten Trakts der weitläufig verschachtelten Schlossanlage (Neue Hofburg) ließen die Habsburger zwei architektonisch gleichgesichtige Domizile für ihre wertvollen natur- und kunsthistorischen Sammlungen errichten. Die Seitenfronten der Museumszwillinge flankieren die Ringstraße, die man seit den 1850er Jahren halbkreisförmig um den bis dahin von einem Mauergürtel behüteten historischen Stadtkern legte und sukzessive mit protzigen Palästen im Baustil des Historismus dekorierte. Zu den Paradebeispielen der Wiener Ringstraßenarchitektur gehören Burgtheater, Rathaus, Parlament und Universität, die die Westflanke des weltberühmten Boulevards zieren, der 1865 von Kaiser Franz Joseph I. offiziell eingeweiht und in die Abschnitte Stuben-, Park-, Schubert-, Opern-, Burg-, Dr.-Karl-Renner- und Universitätsring unterteilt wurde. Der Universitätsring hieß übrigens bis vor Kurzem noch Dr.-Karl-Lueger-Ring und wurde erst im Sommer 2012 vom Namen des offen antisemitischen Wiener Ex-Bürgermeisters (→ Geschichte) befreit.