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Willkommen im WUNDERRAUM
Unsere neuen Bücher ab August 2017

Mit Leseproben von

Anne Østby

Colleen Oakley

Emma Donoghue

Wladimir Kaminer

Frances Maynard

und

Jeanette Winterson

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Wunderraum-Bücher erscheinen im

Wilhelm Goldmann Verlag, München,

einem Unternehmen der Random House GmbH.

Copyright © 2017 by Wilhelm Goldmann Verlag, München

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,

Neumarkter Straße 28, 81673 München

Covergestaltung: buxdesign | München

Satz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling

ISBN: 978-3-641-22290-1
V002

Einzelnachweise zu den abgedruckten Textauszügen finden Sie am Ende des Buches.

www.wunderraum-verlag.de

Anne Østby: Zartbitter ist das Glück

Wladimir Kaminer: Einige Dinge, die ich über meine Frau weiß

Colleen Oakley: Die kuriosen Symptome der Liebe

Emma Donoghue: Das Wunder

Frances Maynard: Wie Ellie Carr zu leben lernt

Jeanette Winterson: Wunderweiße Tage

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

was passiert, wenn sich eine Gruppe von Buchliebhabern zusammenfindet und über ihre Leidenschaft spricht? Sie reden über Geschichten, die sie seit der Kindheit begleiten. Sie reden über den Duft von Papier, über schöne Ausstattungen und besondere Inhalte. Sie empfehlen einander Romane, bei denen es nicht interessiert, ob sie eine aufwendige Werbekampagne hatten oder Bestseller in Amerika waren, sondern nur, ob sie uns etwas zu erzählen hatten. Denn »das einzig Wichtige an einem Buch, ist die Bedeutung, die es für seinen Leser hat« (W. Somerset Maugham).

Die hier beschriebenen Bücherfreunde sind wir: Meike Behrmann (Lektorat), Katja Hein (Marketing), Madeleine Rosswag (Marketing), Andrea Fraas (Vertrieb), Stefan Hansen (Herstellung), Susanne Grünbeck (Presseabteilung), Claudia Hanssen (Presseabteilung) und ich, Andrea Best. Wir haben uns gefragt, warum Menschen lesen. Warum wir selbst lesen. Mit WUNDERRAUM wollen wir darauf eine Antwort geben. Wir suchen Bücher, mit denen man die Zeit anhalten kann, statt sie zu vertreiben. Und es geht uns um Themen, die im Leben wichtig sind: Familie und Freundschaft. Liebe und Vertrauen. Humor und Herz. Wir machen Romane für Leser, die sich in Büchern verlieren, um sich im Leben wiederzufinden. Unser Angebot ist mit zehn bis zwölf Romanen im Jahr eher klein, und einiges wird man bei uns auch gar nicht finden: Wir bieten weder Thriller noch Erotik, Fantasy, Science-Fiction oder Sachbücher an. Denn nur wenn wir uns auf ein kleines Spektrum besonderer Bücher konzentrieren, können wir diese so sorgfältig auswählen und liebevoll ausstatten, wie wir es uns erträumen.

Nicht jedes Buch im WUNDERRAUM soll allen gefallen. Aber jedes will sich als Ort anbieten, an dem man sich eine Pause vom Alltag gönnen darf.

Lesen ist ankommen. Willkommen im WUNDERRAUM.

Andrea Best

Verlagsleiterin

Für alle, die einen Roman über mitten im Leben stehende Frauen lesen wollen, die noch einmal etwas Neues wagen.

Über das Buch

Vor kurzem hat Kat bei einem Bootsunfall ihren Mann Niklas verloren. Nach vielen Jahren des Reisens hatten die beiden Weltenbummler aus Norwegen eine Kakaoplantage auf den Fidschiinseln auserkoren, um dort Wurzeln zu schlagen. Nun steht Kat allein da, doch so schnell ist sie nicht bereit, den Traum vom Leben im Paradies aufzugeben. Voller Tatendrang schreibt sie an vier alte Schulfreundinnen und lädt sie ein, dem kalten Norwegen den Rücken zu kehren und mit ihr auf Fidschi einen Neuanfang zu wagen. Gemeinsam starten sie ein abenteuerliches Vorhaben: Sie wollen nicht nur Kakao anbauen, sondern auch Schokolade herstellen. Wird es den fünf Freundinnen jenseits der fünfzig gelingen, in der Südsee zu einem harmonischen Miteinander und einem glücklicheren Leben zu finden?

Anne Østby

Zartbitter ist das Glück

Roman

Aus dem Norwegischen übersetzt
von Gabriele Haefs

Eine Einladung und eine
Herausforderung

Korototoka, Fidschi, 25. Juli 2012

Meine liebe Freundin,

darf ich Dich weiterhin so nennen?

Die Briefmarken haben Dich sicher neugierig gemacht, und längst hast Du erraten, von wem dieser Brief kommt, nicht wahr? Briefmarken mit Leguanen und Papageifischen können nur von Kat stammen. Eine Stimme aus einer fernen Vergangenheit, Erinnerung an etwas, das uns einst verbunden hat. Glaubst Du, wir können es wiederfinden?

Danke für die Grüße und Umarmungen in einer Zeit, als ich sie ganz besonders brauchte. Ich weiß, es war unmöglich für Dich, alles stehen und liegen zu lassen und zur Beerdigung einmal um die Welt zu reisen. Vielleicht kannst Du Dir nur schwer vorstellen, wie jemand mit fidschianischen Harmonien in die Ewigkeit gesungen wird, während die Trauernden geflochtene Matten ausbreiten. Wie viele Strohmatten braucht wohl ein Toter?, hättest Du gefragt. Und ich hätte antworten müssen, wie Ateca mir erklärt hat: »So viele, wie sein müssen, um das Leben von Mister Niklas zu ehren.« Also habe ich die Matten auf der Veranda ausgelegt. Getrocknete Palmblätter in Karomustern, ein Anker für den Körper und eine feste Unterlage für die Gedanken, die hier in Korototoka oft mit den Fledermäusen in den flammenden Sonnenuntergang flattern.

Abends kommt die Sehnsucht hervorgekrochen, eine starke und schmerzliche Sehnsucht nach Niklas und dem, was war. Ein Marathon aus globalem Elend, wirst Du vielleicht sagen. Ein Langstreckenlauf mit einer Dürrekatastrophe oder Umwelttragödie an jeder Wasserstelle. Ja, das auch. Aber ich hätte es nicht anders gewollt. Malariaanfälle, Wassermangel, Nächte mit juckenden Flohstichen, das alles hat mich gelehrt zurechtzukommen. Sei es nun ohne Geld, ohne Klopapier und Shampoo oder ohne fette Rentenansprüche. Denn hier sitze ich, auf einem kleinen Flecken Erde im Stillen Ozean, ohne Mann, aber nicht ohne Hilfe.

Und nicht ohne Freunde, hoffe ich. Ich habe sechs Hektar Kakaobäume und ein geräumiges Haus. Trotz so mancher Alterszipperlein habe ich meine Zehen fest in den Sand von Fidschi gegraben und will hier bleiben bis zum letzten Sonnenuntergang. Warum kommst Du nicht auch? Komm her! Lass alles los, was nicht so geworden ist, wie es werden sollte! Bring alles mit, was werden kann, und bezieh ein Zimmer in Vale nei Kat! Kats Haus kann ein Ort sein, wo wir einander wiederfinden, und wenn nichts zu finden ist, erschaffen wir zusammen etwas Neues!

Ich war nicht die fleißigste Briefschreiberin und habe mich viel zu selten gemeldet aus Nepal, Afghanistan oder Mauritius. Aber Du hast mir gefehlt und die anderen auch. Ich habe Eure Briefe und E-Mails gelesen, habe Bilder von Kindern und Enkelkindern bewundert. Und jetzt möchte ich wissen, ob es möglich ist, die Fäden wieder zusammenzuführen nach einer Unterbrechung von über vierzig Jahren. Hast Du Lust, die letzte Etappe gemeinsam zu gehen? Uns gegenseitig zu helfen, wenn die eine stolpert oder die andere humpelt, steife Knie in salzwarme Wellen zu tauchen und die Zehen in den weißen Sand zu graben?

Es geht mir nicht um unbezahlte Hilfe, die Plantage ist in guten Händen. Korototoka ist ein Kakaodorf, und um Ernte, Vergärung und Trocknen der Bohnen kümmert sich mein Aufseher Mosese. Aber vielleicht können wir zusammen etwas Neues wagen? Schokolade herstellen oder eine köstlich nach Kakao duftende Bodylotion, was hältst Du davon?

Dir ist sicher klar, warum dieser Brief nicht als E-Mail kommt. Ein Brief braucht manchmal lange Tage und Wochen für die Reise von einer Welt zur anderen, und unterwegs finden die Wörter das richtige Gewicht und die richtige Bedeutung. So, wie sie Dir heute in die Hände fallen, sind sie auf dem Papier gereift und weicher geworden, bereit Dich herzulocken. Hast Du schon den Geschmack von Papaya und Kokosnüssen auf der Zunge? Hörst Du das Lied der Palmen am Strand? Siehst Du die geschwungene Linie dort draußen, wo der Stille Ozean dem Himmel begegnet? Aber natürlich, wenn der Eisschaber verlockender wirkt oder das Frostschutzmittel oder die Stromrechnung, dann leg diesen Brief in eine Schublade, die nie wieder geöffnet wird. Ein Brief kann auf dem Weg über die Meere leicht verschwinden, der Postweg vom Stillen Ozean zu Dir ist unberechenbarer als ein tropischer Zyklon oder ein fidschianischer Ministerposten … Dann hast Du diesen Brief nie erhalten, und es werden keine Fragen gestellt.

Ich schicke ihn nun also ab, lasse meine Finger eine zusätzliche Wünscherunde über die Briefmarken streichen und hoffe, dass der Wind Dich zu mir zurückschickt. Vielleicht kann Vale nei Kat ein Haus für uns alle werden, ein Frauenhaus, wo wir gemeinsam träumen, wünschen, trinken, lachen, zanken und weinen können. Bis der Wind uns über die Wellen hebt und es unsere Matten sind, die am Ende die Treppe hinaufgetragen und oben ausgebreitet werden.

Lolomas

Kat