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Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Für Stella, meine Liebe und Inspiration.
Luna in unsere Familie zu holen war nur eine
von vielen großartigen Ideen, mit denen du mein Leben
seit zwanzig Jahren bereicherst.

Wie man dieses Buch hand- beziehungsweise pfothabt
Für den eiligen Leser
 
Querlesen ist kein Problem, wenn du über die folgenden Informationen verfügst: Luna ist der Hund, ich bin der Mensch. Luna hört eigentlich ganz gut. Eigentlich bedeutet, sie hört gar nicht, wenn es darauf ankommt.
Wir begegnen dreihundertsiebenundfünfzig Hundeahnunghabern, die uns gefragt und ungefragt unterrichten. Du musst dir keine Namen merken. Sie heißen der Einfachheit halber alle Krause. Bei allem, was wir tun, scheitern wir verschwenderisch und vergnügt. Am Ende geht alles gut aus.
 
 
Für den Orientierung suchenden Leser
 
Dieses Buch ist kein Rat-, sondern ein Trostgeber. Du wirst keine Tipps darin finden. Die geschilderten Begebenheiten sind nicht chronologisch geordnet, sondern nach Erziehungsmethoden sortiert. Ähnlichkeiten mit sonst wem und sonst was sind kein Zufall. Du kannst das Buch von vorn nach hinten lesen oder von hinten nach vorn, oder in der Mitte anfangen oder gerne auch am Schluss. Verleihen solltest du das Buch auf gar keinen Fall. Du wirst es nicht zurückbekommen.
 
 
Für den interessierten Hund
 
Dies ist ein wohlschmeckendes Buch. Du darfst Schinken dazu sagen. Es ist allen Hundemädels und Hundejungs gewidmet, die fünfzig Kommandos beherrschen, gehorchen wie eine Eins, auf jedes Wort hören und sofort die Nerven verlieren, wenn Katzen auftauchen, Hasen über den Weg schießen oder Kollegen zu lange gucken. Das Buch macht viel her, wenn es im Körbchen liegt. Du kannst es prima hinter die Waschmaschine schieben oder im Garten vergraben. Der Verlagshund behauptet, es rieche nach Putengeschnetzeltem. Du darfst es zerkauen. Es ist im Wesentlichen aus Holz, schmeckt also wie dein Stöckchen.
 
 
Für den engagierten Anwalt
 
Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und ihren Hunden sowie tatsächlichen Orten und Ereignissen sind nicht zufällig, sondern unvermeidlich. Du brauchst deswegen aber nicht Klage zu erheben. Jeder Zwei- und jeder Vierbeiner ist völlig anders beschrieben, als er in Wirklichkeit ist. Selbst die Textilien wurden farblich verändert. Wer sich trotzdem erkennt, muss sich irren. Er ist es nicht. Wir haben so konsequent verfremdet, dass Luna mich manchmal fragt, ob es uns wirklich gibt. Ich habe keine Ahnung.
 
 
Erkrath, im Januar 2011

Das Krawallmaus-Dilemma
In dem ein vergnügter Vier- und ein bekloppter
Zweibeiner vorgestellt werden (es könnte auch
umgekehrt sein) und wir schlüssig beweisen,
dass Hundebesitzer acht Meinungen erhalten,
wenn sie vier Hundetrainer fragen, die der Einfachheit
halber alle Krause heißen.

Willkommen im Tal der Ahnungslosen
Meine Lieblingsdisziplin ist Rumkugeln im Schlamm. Das tue ich gern und ausgiebig und in der Regel dann, wenn ich mit Hund und Fahrrad im nahe gelegenen Neandertal unterwegs bin. Mein Hund ist eine Hündin und heißt Luna. Hund und Fahrrad sind sehr stabil. Ich eigentlich auch.
Neulich ist es mal wieder so weit. Auf dem schattigen, morastigen Waldweg kommen uns Herr und Frau Lose mit ihrem Airedaleterrier entgegen. Der Airedale trägt ein Bällchen in der Schnauze. Er mault ein bisschen rum, weil es sein Bällchen ist. Luna pupt zurück, dass Bällchen grundsätzlich allen gehören und er das Ding gefälligst rausrücken soll. Außerdem sei er ein Balljunkie, und an der Leine habe sie sowieso schlechte Laune. Ein Wort gibt das andere. Luna flippt aus. Wir brezeln vom Weg runter. Das Fahrrad ist zu hoch, die Grasnarbe zu tief, meine Hündin zu aufgebracht. In Zeitlupe kippe ich nach rechts – halb zog sie ihn, halb sank er hin – und lande mit dem Drahtesel im Dreck. Das sieht bescheuert aus.
Herr Lose sieht interessiert zu und fragt: »Warum tun Sie sich das eigentlich an?«
Ja, das ist eine der großen Fragen, die die Menschheit bewegen. Existiert Gott? Gibt es intelligentes Leben im Universum? Werden wir wiedergeboren? Warum tut der sich das an?
Dass ich mich im Laufe meiner nunmehr fünf Luna-Jahre an diesen Zirkus und die damit verbundenen dämlichen Kommentare gewöhnt hätte, wäre zu viel gesagt. Zumindest aber kann ich relativ gelassen damit umgehen. Aufstehen, Erdbrösel vom Hosenboden klopfen, freundlich grüßen, weiterradeln. Außerdem sind die mit schlammbraunen Bundhosen und jagdgrünen Wadenstrümpfen ausgestatteten Eheleute Lose nicht die einzigen Hundebesitzer zwischen Düsseldorf und Wuppertal, die sich freuen uns zu sehen. Davon gibt es unzählige, und wir enttäuschen keinen von ihnen. Sie bekommen immer etwas geboten und haben hinterher viel zu erzählen.
002
Wie ich vor fünf Jahren auf den Hund gekommen bin?
Das war eine wohlüberlegte Entscheidung, der monate-, wenn nicht gar jahrelanges Abwägen sämtlicher Vor- und Nachteile vorausging. Es waren Zeiten, geprägt von der Lektüre wertvoller Bücher, unzähligen Gesprächen und langem Grübeln. Ich habe mich mit Zuchtstandards auseinandergesetzt, Hundecharaktere analysiert, Wunschlisten erstellt und diese mit Rassetypologien abgeglichen. Die Zahl der Züchter, mit denen ich gesprochen und deren Welpen ich besichtigt und geknuddelt habe, war zweistellig. Mein Wissen wuchs und wuchs, die Vorstellung von dem Hund, der perfekt in meine Familie und meinen Alltag passt, gestaltete sich immer präziser. Letztlich entschied ich mich gegen den reinrassigen, in sechzig Prozent der Fälle kränkelnden Standardfamilien-retriever und gab stattdessen einem robusten Mix aus Schäferhund, der selbstverständlich aus einer kerngesunden Arbeitslinie stammt, und großem Schweizer Sennenhund den Vorzug. Beide Eltern waren charakterlich extrem stabil, die Groß- und Urgroßeltern ebenso. Kurz gesagt, ich habe mich lehrbuchmäßig auf meinen Hund vorbereitet.
So weit die offizielle Version.
Die ist natürlich ausgemachter Blödsinn, kommt aber immer dann zum Einsatz, wenn mir diese bällchenschleudernden, mit Biorind fütternden, Feinifeinjauchzenden, allwissenden, hauptberuflichen Hundehalter am Rande von Hundewiesen auf den Zahn fühlen. Bis auf »robust« und »Schäferhund« und »Mix« stimmt an dieser Geschichte nichts.
In Wirklichkeit ist es ganz anders gewesen.
»Wir wollen einen Hund«, sagt meine jüngste Tochter Marie.
»Wer ist wir?«, erkundige ich mich. Neulich wollte sie noch ein Pferd.
»Du«, sagt sie, »und ich und Lotta und Max und Mama.«
Das ist das Schöne an meiner Familie.
Es ist immer einer da, der genau weiß, was ich will.
Der Rest ist nicht Strategie, sondern Zufall. Zufällig kommt ein streunender Tunichtgut an einem niederrheinischen Bauernhof vorbei und trifft auf eine läufige Hofhündin, die so heiß ist wie ein Waffeleisen. Der Bauer passt nicht auf Madame auf, obwohl die Bäuerin ihm eingeschärft hat, auf Madame aufzupassen. Zufällig kauft Stella, meine Frau, vier Monate später im Raiffeisen-Markt Düsseldorf-Unterbach Schaffutter und entdeckt einen Zettel am Schwarzen Brett, der niedliche Schäferhundmixwelpen anpreist. Zufällig springt bei der Besichtigung derselben ein zartes Schäferhundmixwelpenmädchen genau auf Stella und niemand anderen zu. Die Kleine ist die Einzige mit einer zierlichen Figur, während ihre Brüder und Schwestern wie Fässer aussehen. Sie guckt derart süß aus der Wäsche, dass wir sie umgehend mitnehmen, auf den Namen Luna taufen und ohne Gesundheitsdiplom und Rassehundverbandzuchtpapierstempelbescheinigung ins Herz schließen.
Ich höre die Bäuerin noch sagen: »Wenn Sie einen ruhigen Hund wollen, nehmen Sie den Rüden da drüben.«
Was für weise, weise Worte.
Aber was tun wir? Wir winken milde ab. Wer will schon einen ruhigen Hund. Pfff, ist ja lächerlich. Die ganze Familie ist lebhaft. Was sollen wir da mit einer vierbeinigen Schlaftablette?
Allein der Name Luna. Was fand ich den romantisch! Später, zu spät, wurde mir klar, dass geschätzte siebzig Prozent der weiblichen Hundepopulation so heißen. Der Rest heißt Emma, Paula oder, wenn die Pfoten eine andere Farbe haben, Socke.
Deswegen werde ich Luna aber noch lange nicht in Gertrud umbenennen. Es war eine Heidenarbeit, diesem Hund den Namen Luna ins Hirn zu pflanzen. Selbst auf die Gefahr hin, dass immer gleich drei angerannt kommen, brülle ich Luna über die Hundewiese. Oder Luni, wenn ich sie besonders liebhabe. Oder ICHGLAUBICHSPINNEVERDAMMTEHACKENOCHMAL. Letzteres kommt öfters vor und ist ihrem bemerkenswerten Charakter geschuldet.
Womit ich bei ihrem Kampfnamen angelangt wäre: Krawallmaus.
Heute, etliche Trockenfuttersäcke klüger und um ein paar Hundert peinliche Vorfälle reicher, schwöre ich beim Lieblingsknochen meiner Großmutter, dass ich nicht noch einmal auf diese Weise einen Hund auswählen werde. Ich werde mich im Vorfeld mit Rassen, Verhaltensweisen und Naturellen vertraut machen, konsequent aussortieren, was eine genetisch bedingte Veranlagung oder übermäßige Neigung zu Hasenjagd, Ressourcenverteidigung, Hüteverhalten, Dominanz, Leinenaggression, Katzenallergie, Rumrüpeln, Kurvenkotzen und Bistrotischumreißen aufweist – und mich dann gut beraten für ein Modell von Steiff entscheiden!
So weit, so gut. Wir haben jetzt aber nicht Steiff.
Wir haben Krawallmaus.

Testosteron hoch zwei
Was für ein Brocken von einem Hundemädchen! Siebenundsechzig Zentimeter hoch, vierzig Kilo schwer. Die Mama eine leidlich nervöse Schäferhündin, der Papa ein unbekannt gebliebener Schlawiner. Den Schäferhund sieht man ihr sofort an, beim Schlawiner kommt man ins Grübeln. Könnte ein Rottweiler sein, ein Dobermann, eine von vier Sennenhundsorten oder ein Frag-mich-was-Leichteres.
Auf jeden Fall einer, der ihr diese wunderschönen, herbstbraunen Fellflecken weitervererbt hat.
Siebenundsechzig Zentimeter hoch bedeutet, sie hopst mir aus dem Stand unter den Fahrradlenker und bringt mich ins Trudeln. Und warum? Die Hündin von gegenüber guckt wieder so aufreizend blöd aus dem verglasten Erker. Vierzig Kilo schwer heißt vierzig Kilo Übermut und Unfug in der Birne. Spazieren gehen ist wunderbar und wohltuend, kann aber von jetzt auf gleich etwas anstrengend werden, wenn Madame die Contenance verliert. Gründe dafür gibt es wenige, dafür treten die umso häufiger auf: Hunde auf der Straße, Katzen im Busch und Häschen im Wald.
Ich weiß genau, dass es nicht nur mir so geht. Ab und an treffe ich auf meinen Hunderunden Gleichgesinnte. Die erkenne ich daran, dass sie schlagartig fünf Meter neben den Weg hüpfen, wo sie mit Fleischwurstringen wedeln und beruhigend auf ihren Hund einsummen, der – na, was wohl?
Genau. Ausflippt!
Die Wilden gehen meistens nach vierundzwanzig Uhr spazieren. Am helllichten Tag sind nur die Braven draußen. Was soll ich machen? Mitternacht ist mir zu spät, und mit den Braven kann ich nicht gut plaudern. Die legen diese menschlich-moralischen Maßstäbe an und sagen Sachen wie: »Ja, was bist du denn für ein böser Hund?«
Wir Wilden kommen selten miteinander ins Gespräch. Meist sind wir so mit Bestienzähmen beschäftigt, dass wir minutenlang keinen klaren Gedanken fassen können. Das ist schade. Wir sollten nämlich jede Begegnung nutzen, um uns auszutauschen und so lange mit unseren Krawallmäusen umeinander herum zu laufen, bis sich die Nackenhaare gelegt haben und die Schnauzen gehalten werden. Unsere Gedanken, Ideen, Klagelieder und Anekdoten sind uns gegenseitiger Trost. Humor ist unsere einzige Waffe im Kampf gegen die Widrigkeiten des täglichen Waldspaziergangs. Anstatt aus Sicherheitsgründen zwanzig Meter Individualdistanz einzuhalten, sollten wir aufeinander zugehen, uns auf die Schultern klopfen und uns geehrt fühlen, dass wir solche Hunde haben.
Das Schicksal hat uns Zwei- mit diesen Vierbeinern zusammengeführt. Die Botschaft von oben lautet: Was euch zugemutet wird, wird euch auch zugetraut!
»Oh, das ist aber ein schöner! Was ist das denn für einer!«
»Schäferhundotterkängurupumahasenfußmix.«
»Toll. Der lässt sich bestimmt nichts gefallen, was?«
»Nein, das hat er von der Mama. Die ist Schäferhündin.«
»Alleinerziehend?«
»Ja, vierzehn Kinder.«
»Und der Papa?«
»Schlawiner. Unbekannt verzogen.«
»Immer dasselbe mit den Kerlen.«
»Ja, deshalb haben wir uns für ein Weibchen entschieden.«
»Ach, das ist ein Weibchen?«
»Doch ja, ich glaube schon.«
003
Ich habe gründlich nachgesehen. Luna ist wirklich ein Weibchen. Sie hat zehn Zitzen, keinen Schniedel und einen femininen Augenaufschlag. Pünktlich alle neun Monate wird sie läufig.
Aber warum pinkelt sie dann im Stehen? Wie die Kerle! Auf drei Beinen!
Teilweise sogar im Gehen oder Hüpfen, je nachdem, wie eilig sie es hat.
Zu ihren Lieblingsbeschäftigungen zählt, mit Rüden zu balgen, bis der Wald ächzt und die Wiese bebt. Zu zweit reißen sie Zaunpfähle nieder, rupfen Grasfetzen heraus und fällen Hundebesitzer wie Eichen. Wer im Weg steht, wird umgehauen. Zweimal achtzig Pfund Hund toben in einer einzigen Fellkugel auf ihre Besitzer zu, die genau zwei Sekunden Zeit haben, um zu entscheiden, nach welcher Seite sie wegspringen sollen, um eine schmerzhafte Luxation der Kniescheibe zu verhindern.
Mein Orthopäde sagte einmal, am liebsten würde er eine Praxis direkt an einer Hundewiese eröffnen. Zwei Jahre ackern und zack, ein Porsche!
Wenn ich auf der Treppe sitze, rennt Luna freudig an mir vorbei und peitscht mir mit dem Schwanz die Brille vom Gesicht. Sie räumt im Vorbeigehen versehentlich Blumentöpfe ab, taucht im Bach nach Ziegelsteinen und würde wahrscheinlich wie Schwarzenegger dicke Zigarren rauchen, wenn sie das Geld dafür hätte. Als der liebe Gott mit Testosteron um sich geschmissen hat, hat diese Hündin zweimal Hier gerufen.
Es könnte natürlich auch an dem Ochsenziemer liegen, den ich ihr mal zu futtern gab. Von dieser Bestellung schwärmen sie in der Gruitener Dorfmetzgerei heute noch. Es war mein erster Ochsenziemer. Ahnungslos, wie frischgebackene Hundebesitzer nun mal sind, dachte ich, es handele sich dabei um einen Kuhschwanz. Entsprechend irritiert sah ich aus, als die Auszubildende ein ein Meter zwanzig langes, getrocknetes, krustiges, wunderlich gebogenes Ding auf den Tresen legte.
Auf meine Frage, ob denn ein Ochsenziemer nicht ein Kuhschwanz sei, lief die junge Frau rot an und stammelte: »Öh, hm, pffrzz.«
Ihre Chefin räusperte sich und rief von hinten kernig durch den ganzen Laden: »Ja, so in etwa! Ein Ochsenziemer ist ein Bullenpenis!«
Ein Meter zwanzig!
Fünf Herren im Verkaufsraum staunten mit offenen Mündern. Die sich schnell wieder schlossen und einem gequälten Zucken Platz machten, als die Metzgergattin zum Fleischerbeil griff und launig tönte: »Soll ich Ihnen den kleinmachen?«
Also was jetzt? Macht in Stückchen gehackter, getrockneter Bullenpenis aus sanften Wuschelhündinnen streitsüchtige Mannweiber? Hätten wir von Anfang an besser Wattebäusche füttern sollen? Oder Lämmchen-Müsli? Irgendetwas Vegetarisches oder Pharmazeutisches, das brav macht? Sollen wir keine an Dominas oder Rockerbräute gemahnende Lederaccessoires mehr verwenden, sondern lieber schmale Leinchen aus Märchenwolle filzen?
Oder muss die Frage nicht eher lauten: Wollen wir überhaupt eine sanfte Wuschelhündin? Brauchen wir nicht eher einen harten Knochen? Immerhin haben wir einen sehr anspruchsvollen Job zu vergeben.
Viertausend abgeschiedene Quadratmeter Grundstück sind zu bewachen. Eine fünfköpfige Familie, deren Marotten ebenfalls in die Tausende gehen, muss gemütvoll, aber charakterstark ertragen werden. Außerdem gilt es, ein altes Fachwerkhaus nachhaltig vom Ungeziefer zu befreien. Ja, wir haben unter anderem auch deswegen einen Hund, weil Hunde nach Auskunft der Unteren Landschaftsbehörde sehr gut gegen Steinmarder in alten Gemäuern wirken.
Hundegeruch hält Marder fern. Er versetzt sie in Panik und lässt sie Reißaus nehmen. Das weiß die Untere Landschaftsbehörde, das weiß der Förster, das weiß ich – nur die Marder und Luna wissen das nicht. Die haben sich von Beginn an prächtig arrangiert. Jedes Frühjahr ist um drei Uhr morgens Party im Dachstuhl. Dann rutschen direkt über meinem Kopf die jungen Marder rudelweise die Schrägen hinunter und randalieren im Speicher.
Dafür haben wir kaum noch Katzen auf dem Grundstück. Nur die Lebensmüden schauen gelegentlich noch vorbei.
Die Ratten haben uns schon längst verlassen.
Der Paketbote hupt, bevor er aussteigt.
Die Briefträgerin hat Würstchen in der Tasche.
Der Westhighland-Terrier und die Labradorhündin aus der näheren Nachbarschaft würden lieber sterben, als ihr Geschäft auf dem Stichweg zu erledigen, der zu unserem Haus hinunter führt.
Drei ältere, alleinstehende Damen, die oben an der Straße streunende Katzen mästen, indem sie ihnen Pute aufbraten oder Lachs in Joghurt servieren, erzählen sich hinter vorgehaltener Hand tuschelnd das Märchen vom Kampfhund.
Frontalbegegnungen mit anderen Hunden auf engen Wegen enden in wilden Schlägereien, wenn die Halter nicht mit beiden Beinen fest auf der Erde stehen. Unkontrollierte Zusammenkünfte auf Hundewiesen sind kaum möglich, auch wenn die Fraktion der Unbelehrbaren immer noch behauptet, die Hunde regelten das schon unter sich.
Welches das???
Ich möchte gar nicht wissen, in welchem Zustand die Konkurrenz vom Platz schliche, beschlösse Luna, dieses das selbst zu regeln.
Erfrischungen in Biergärten und Straßencafés hingegen können relativ unfallfrei eingenommen werden, solange keine neugierigen Kater um die Tische schleichen. Andernfalls rechne man bitte mit tief fliegenden Bistrostühlchen.
Luna ficht das alles nicht an.
Sie prollt vergnügt durch den Tag und mobbt andere Hunde, vorzugsweise die kleinen schwachen. Sie würde, wenn man sie denn ließe, niedliche Rehkitze und Kätzchen am Stück vernaschen, sich einen Fuchsschwanz an die Leine binden und Goldkettchen im Brustfell tragen.
Ich als erziehungsberechtigter Krawallmausbesitzer taumele derweil von Blutsturz zu Infarkt und wieder zurück. Die Gesichtsfarbe wechselt dem Anlass entsprechend von Kalkweiß über Fahlgrün zu Aschgrau. Kann aber auch schon mal ins Knallrote changieren, wenn klugscheißende Bravhundehalter beiläufig einwerfen: »Das kriegt man mit einer guten Hundeschule locker in den Griff.«
Verbindlichsten Dank.
Mit welcher? Es gibt Tausende.

Alles fängt mit Alpha an
Während Luna ausgelassen vor sich hin pubertiert und mich wahlweise zum Buhmann oder zur Lachnummer unseres Viertels macht, kratzt sich die gesamte Familie am Kopf und fragt sich, ob man bei diesem Hund womöglich erhöhten Erziehungsbedarf habe.
»Schreib doch mal auf, wo genau es klemmt«, sagt meine Frau. Den Kindern kommt das gerade recht. Endlich baut mal ein anderer Mist.
Marie, die Jüngste, sagt: »Du kriegst ein Blatt von mir und ich leihe dir meinen Lieblingsstift.«
Max, der Älteste, sagt: »Ich geh mit Luna raus. Dann hört die nicht, wie ihr schlecht über sie redet.«
Lotta, die Mittlere, sagt: »Gib mal her.«
Sie schnappt sich das Blatt, zieht einen energischen Strich und schreibt: XX fabelhafte Gründe, andere Hunde ungespitzt in den Boden zu rammen, ohne auch nur eine Sekunde lang auf die Idee zu kommen, dass das Gegenüber davon nicht so begeistert ist wie man selbst.
Wir legen los. So viel kann da ja nicht zusammenkommen. Immerhin ist Luna ein ganz lieber Hund, der gelegentlich etwas überreagiert, aber na ja, wem geht das nicht so?
Nach einer halben Stunde sind wir dann auch fertig. Lotta ersetzt die XX durch eine 43, guckt uns der Reihe nach an und sagt: »Mist.«
43 fabelhafte Gründe...
andere Hunde ungespitzt in den Boden zu rammen, ohne auch nur eine Sekunde lang auf die Idee zu kommen, dass das Gegenüber davon nicht so begeistert ist wie man selbst:
01 Es ist eine zickige Hündin.
02 Es ist ein ängstlicher Rüde.
03 Es ist ein friedlicher Kastrat.
04 Es geht mir aus dem Weg.
05 Es läuft direkt auf mich zu.
06 Es rennt vor mir weg.
07 Es mault mich an.
08 Es hat einen Stock.
09 Es hat keinen Stock.
10 Es hat einen Ball.
11 Es macht mir eine lange Nase.
12 Es guckt weg.
13 Es guckt hin.
14 Es guckt.
15 Es kommt mir bekannt vor.
16 Es ist mir noch nie zuvor begegnet.
17 Es macht mich unsicher.
18 Es macht den Scheff unsicher.
19 Es ist ein pubertierender Schnösel.
20 Es ist ein alter Sack.
21 Es ist ein Kaninchen.
22 Es pinkelt an meinen Zaun.
23 Es pinkelt an einen Zaun.
24 Es pinkelt in mein Revier. (Deutschland in den Grenzen von 2009.)
25 Es riecht nach Leberwurst.
26 Es wohnt um die Ecke.
27 Es macht mit Katzen gemeinsame Sache.
28 Es ist weiß, schwarz, braun oder alles zusammen.
29 Es pinkelt über meine Markierung.
30 Es ist unterwürfig.
31 Es dominiert mich.
32 Es hat angefangen.
33 Es kommt frisch vom Friseur.
33 Es kommt frisch vom Friseur.
34 Es will sich nicht verhauen lassen.
35 Es ist abgeleint, ich bin angeleint.
36 Es tut mir nichts.
37 Es will nur spielen.
38 Es macht Sachen, die es noch nie gemacht hat.
39 Es schnuppert an meinem Hintern.
40 Es ist in mich verknallt.
41 Es ist doof.
42 Es bellt.
43 Es atmet.
Damit steht felsenfest: Um eine gute Hundeschule werden Luna und ich wohl nicht herumkommen. Was ebenfalls feststeht, ich zu diesem Zeitpunkt aber leider noch nicht weiß: Mit unseren zwei- bzw. vierbeinigen Macken werde ich ein gefundenes Fressen sein für die moderne Hundeerziehung und ihre Vielfalt an Trainern und Techniken, Schulen und Methoden, Lehren und Irrlehren, Schlauheiten und Blauäugigkeiten.
Ich werde viele leidgeprüfte Halter von anspruchsvollen Mischlingen mit – wie wir Krawallmausliebhaber sagen – emotionsflexibler Veranlagung kennenlernen. Bravhundehalter nennen diesen Typus »aggressiver Problemhund«, die Nachbarschaft spricht von saublöden Mistviechern.
Ich werde in die Fänge verschrobener Hundetrainer samt ihrer merkwürdigen Theorien geraten. Ich werde viel zu viele Bücher lesen, mich in Internetforen herumtreiben und ungefragt die abenteuerlichsten Laientipps auf der Hundewiese erhalten. Ich werde nach Gründen für die Macken meines Hundes schürfen. Ich werde eine Erziehungsmethode nach der anderen ausprobieren, um diese Macken in den Griff zu bekommen.
Nach fünf Jahren werden Luna und ich so gut wie alle Methoden durchgeackert haben und mit Stolz behaupten können: Ja, wir scheitern gründlich bei allem, was wir anpacken.
004
Nicht ganz unschuldig an diesem Scheitern wird Krause sein.
Wer zum Teufel ist Krause?
Krause ist Hundetrainer, Hundeschuleinhaber, Hundeforumsposter, Hundelehrbuchschreiber, Hundewiesenrandratgeber, Hundezüchter, Hundeversteher, Hundepensionsleiter, Hundevereinsfigurant, Hundeservicegassigeher, Hundetierarzt, Hundefachzeitschriftenredakteur, Früherauchhundegehabthaber, Hundefutterverkäufer, Hundephysiotherapeut, Hundenaturheilkundler, kurz: der Prototyp des Hundeahnunghabers, der es einfach nicht lassen kann, mit Hundeerziehungstipps um sich zu werfen.
In einem durchschnittlichen Hundehalterleben begegnet man etwa dreihundertsiebenundfünfzig Krauses. Sie überschütten einen gefragt und ungefragt mit Gutgemeintem. Sie wissen alles, und sie wissen alles besser. Ich kann mir ihre Namen nicht merken. Ich nenne sie alle Krause. Der Einfachheit halber.
Dummerweise behauptet jeder Krause das Gegenteil vom anderen. Ich frage vier Krauses und erhalte acht Meinungen. Frage ich daraufhin vier weitere Krauses, erhalte ich erneut acht Meinungen. Selbstverständlich acht andere. Das liegt daran, dass ein einziger Krause ohne weiteres zwei oder sogar drei gegensätzliche Ansichten vertreten kann. Gleichzeitig, versteht sich. Das hängt in der Regel von so wichtigen Faktoren ab, etwa, ob der aktuelle Stand der Canidenverhaltensforschung noch wolfsrudelorientiert ist oder schon nicht mehr, oder ob im Sitz-Lernmonat der Mars im achten Haus steht.
All das macht einen naiven Krawallmausbesitzer wie mich nicht sicherer, sondern wackeliger. Prompt tritt die wichtigste Regel der Hundeerziehung in Kraft: Wackelt der Halter, wackelt der Hund.
Keine Sorge, aus diesem Dilemma gibt es keinen Ausweg.
Allein die simple Frage, wie man seinem Hund am besten Bei-Fuß-Gehen vermittelt, setzt eine Theorielawine in Gang, die nicht mehr zu stoppen ist. Ich bin sicher, ein philosophischer Diskurs über das Sein an sich kommt mit weniger Ansätzen aus als das Fuß-Problem. Schlussendlich geht es auch gar nicht um Fuß oder Nicht-Fuß. Es geht um Weltanschauungen.
Damit werde ich locker ein ganzes Jahr verbringen.
Unter einer fahlen Wintersonne wird mir Krause eins unverdrossen die Leine mitsamt Hund aus der Hand nehmen und munter drauflos demonstrieren: »Die Leine kommt in die rechte Hand, das Leckerchen in die linke, so kannst du den Hund mit links optimal am Knie führen und mit rechts korrigierend eingreifen.«
Wenige Wochen später wird ein zweiter Krause im zarten Frühlingslicht dieses Vorgehen vehement ablehnen und beim geführten Hundelernspaziergang maulen: »Leckerchen links ist Quatsch, da führst du den Kopf des Hundes viel zu schnell vom Körper weg. Also beides, Leckerchen und Leine, gefälligst in die rechte Hand, nur so kriegst du den Hund dazu, dass er am Knie bleibt und dir dabei ins Gesicht schaut.«
Krause drei wird meine Links-Rechts-Bemühungen unter sengender Sommersonne beobachten und sülzen: »Ins Gesicht schauen ist so überflüssig wie ein Kropf, außerdem erziehen wir heutzutage nicht mit Leckerchen, sondern mit Spielis. Wenn der Hund also scharf auf einen Ball ist, dann locke und führe ihn mit dem Ball.«
Krause vier wird die sommerliche Lehrstunde am Wiesenrand verfolgen und mich später verschwörerisch beiseite nehmen: »Bloß keinen Ball, da machst du einen Balljunkie aus deinem Hund, und wieso willst du überhaupt den Kopf so nah am Knie haben? Diese Präzision fördert Kadavergehorsam und ist Unfug, locker in der Nähe laufen reicht völlig aus.«
Zeit wird vergehen, korrektes Fuß wird sich nicht einstellen. Wir werden inmitten leuchtender Herbstfarben durch die Wälder spazieren und Krause fünf schnarren hören: »Natürlich muss der ans Knie, sonst kannst du ihn nicht in der ersten Sekunde spüren lassen, dass er sich daneben benimmt: Also merk dir, sobald der Hund in die Leine läuft, ob absichtlich oder gedankenlos, das ist ganz egal, sofort radikaler Leinenruck und verbale Korrektur.«
In atmungsaktiven Funktionstextilien werde ich im prasselnden Novemberregen stehen und dem leisen Stimmchen von Krause sechs lauschen, der orakelt: »Leinenruck ist Tierquälerei, und Fehler werden ausschließlich nonverbal korrigiert. Wenn du also deinen Hund immer belohnst, wenn er etwas gut macht, dann wird er automatisch spüren, dass er einen Fehler gemacht hat, wenn du ihn auf einmal nicht mehr belohnst, verstehst du?«
Nein.
Abends in der warmen Stube werde ich durch Internetforen stöbern und auf die warmen Worte von Krause sieben stoßen: »Ihr müsst partnerschaftlich mit eurem Hund umgehen. Nehmt einen Klicker und lasst eure Hunde die Kommandos selber erarbeiten.«
Dann wird das Jahr vorbei sein. Luna und ich werden ein zweites Mal unter einer fahlen Wintersonne stehen und Krause acht wird unser gesamtes letztes Übungsjahr mit einem Satz in die Tonne hauen: »An der Leine geben wir kein Fuß-Kommando, das Einrasten des Karabiners ist als Hörzeichen für das Fuß-Kommando zu betrachten.«
Luna wird mich ansehen und seufzen.
Ich werde zurückseufzen.
Von alldem habe ich nicht den Hauch einer Ahnung, als wir im Familienkreis unsere Luna-Liste erstellen und ich mich aufs Geratewohl bei einer ortsansässigen Hundeschule anmelde, in der nicht nach Großväter Sitte herumgeschrien wird.
Genauso wenig Ahnung wie von der Tatsache, dass Fuß weiß Gott nicht das einzige Thema ist, bei dem die Krauses sich in den Haaren liegen.
O nein.
Da wären noch Sitz, Platz, Bleib, Steh, Aus, Nein, Hier, Komm, Laut, Pfui, Peng, Rechts, Links, Außen, Bei, Nase, Männchen, Stehchen, Indianer, Rauf, Runter, Durch, Stell, Revier, Voraus, Such, Bring, Lauf, Hepp, Hopp, Schau, Hol, Rolle, Spüli, Pfötchen, Tauschen, Winkewinke und Ganzschnellrausda.
005
Ein hektischer Tag in meinem Büro unter dem Dach. Das ist da, wo die Marder wohnen. Ich sause an Luna vorbei die Treppe hinunter, um mir aus der Küche im Erdgeschoss einen Kaffee zu holen. Damit die neugierige Trine nicht hinterherkommt, sage ich im Vorbeilaufen Platz und verschwinde nach unten. Nach einiger Zeit tauche ich mit der dampfenden Tasse wieder auf. Der Hund liegt nicht, sondern sitzt. Ich bemerke es nicht, weil ich in Eile bin, und korrigiere ihn nicht.
I:O für die Krawallmaus.
Es gibt Hunde, denen ist so ein Vorkommnis egal. Sie verzeihen jede Art von Ungenauigkeit. Luna zählt nicht zu dieser Spezies. Wenn mir morgens ein solcher Fehler unterläuft, kann ich sicher sein, dass der Spaziergang am Abend aus dem Ruder läuft. Da denkt sich Madame, wenn Platz nicht mehr Platz ist und ich stattdessen Sitz hinschlampen kann, dann werde ich jetzt mal ausprobieren, ob Hier noch Hier ist und Nein noch Nein, und ob überhaupt noch alles gilt, was jemals gegolten hat.
Schon ackert sich Herrchen wund, um seiner bockigen Hündin schlüssig zu beweisen, dass sich an ihrem Verhältnis nichts, aber auch gar nichts ändert, nur weil er morgens beim Kaffeeholen ausnahmsweise einmal pennt.
Sieht Luna den kleinen Finger, denkt sie: Och, die ganze Hand wäre aber auch nicht schlecht. Auf der einen Seite sind diese Eigenständigkeit und diese Dickköpfigkeit bewundernswert, auf der anderen Seite wirklich anstrengend. Himmel nochmal, ich möchte einfach mal pfuschen dürfen, ohne gleich die Quittung dafür zu bekommen!
Angesichts des dramatischen Platz-Sitz-Vorfalles wiegen mehrere zurate gezogene Krauses bedeutungsschwanger ihre Häupter hin und her: »Du hast eine sehr anspruchsvolle Hündin. Wenn du nicht konsequent als Scheff auftrittst, wird sie über kurz oder lang den Larry mit dir machen.«
Ich gucke mein unschuldiges Fellbündel mit den Riesentatzen an und denke: Aha, den Larry also. Da ich vor vierzig Jahren zwei Goldhamster besessen habe und danach nichts Vierbeiniges mehr kam, weiß ich nicht allzu viel über Tiererziehung. Ich tendiere dazu, den Krauses Glauben zu schenken, auch wenn die sich bei näherem Nachfragen prompt in zwei Jekylls und zwei Hydes spalten.
»Wie jetzt?«, fragt Stella abends beim Essen.
»Na ja«, fasse ich die Ergebnisse der jüngsten Sachverständigenrunde zusammen, »Krause sagt, den Scheff rauskehren bedeutet nicht anderes als im Rudel den Alphastatus zu übernehmen und konsequent und hart durchzugreifen.«
»Hart? Spinnt der? Guck mal, wie süß die guckt. Da können wir doch noch nicht hart durchgreifen.«
»Deshalb meint der andere Krause ja auch, das ganze Geheimnis des Schefftums liege darin, den Hund konsequent, aber liebevoll zu führen.«
»Ohne schimpfen?«
»Dazu hat er so genau nix gesagt. Aber ich vermute mal, ja, ohne schimpfen.«
»Aber dann macht unsere Trine doch, was sie will?«
»Deshalb schwört der dritte Krause ja auch darauf, konsequent Zuckerbrot und Peitsche einzusetzen. Das täten Alphatiere im Rudel auch. Wenn wir die Rudelchefs werden wollten, führe da kein Weg dran vorbei.«
»Welches Rudel denn? Wir haben doch nur einen Hund.«
»Schon, aber wir zählen mit. Wir sind quasi ein gemischtes, zwei-vier-beiniges Rudel mit sechs Individuen, du, die Kinder, der Hund und ich. Damit Luna sich darin zurechtfinden kann, müssen klare Strukturen herrschen. Und die bestimmen eben wir Alphas.«
Stella sieht sich um.
»Hallo Rudel. Alles klar?«
Das Rudel nickt.
Dann bohrt sie weiter: »Und wir müssen einfach nur Alpha sein und dem Rudel zeigen, wo’s langgeht? Das erzieht den Hund ganz von selbst?«
»Ähm«, druckse ich herum, »irgendwie, pfff, ja, wahrscheinlich.«
»Also doch nicht so einfach.«
»Nun ja, es könnte eben auch sein, dass es gar kein Rudel gibt. Also dass Menschen und Hunde gar keine Rudelgemeinschaft bilden können.«
»Aha, kein Rudel.«
»Nein, kein Rudel. Vielleicht.«
»Wer sagt das?«
»Krause, vier.«
»???«
»Mehr als vier Krauses habe ich nicht gefragt. Ehrlich!« Ob Rudel oder nicht, wir beschließen, das Ding mit dem Alpha einfach auszuprobieren. Ich denke mir, der gemeinsame Nenner aller Krauses scheint wohl die Konsequenz zu sein. Am besten in Verbindung mit liebevollem Zuckerbrotdurchgreifen. Oder so etwas Ähnlichem. Das wird ja wohl noch hinzukriegen sein.
»Nenn mich Boss, Baby.«
Mit diesen wohlgesetzten Worten beginnt eine Phase unseres Zusammenlebens, die als der große Scheff-Schlamassel in die Krawallmaustagebücher eingehen wird.

Der Scheff-Schlamassel