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Uwe Erichsen

Lock die Wölfe in die Falle

Western





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

LOCK DIE WÖLFE IN DIE FALLE

von UWE ERICHSEN, geschrieben als Jim Sheridan

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 115 Taschenbuchseiten.

 

Als Rennie den Sheriff von Lubbock in der Wüste zurücklässt, ist er sicher, den Mann nie wieder zu sehen. Doch Hammond findet einen Weg aus der Wüste und landet in Beaver. Die Menschen misstrauen dem Fremden, aber als der Sheriff ermordet wird, macht der Stadtrichter Hammond zum neuen Gesetzeshüter.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK EBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Cover: Firuz Askin, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de


1

Der Große drehte sich um. Die Luft lag flimmernd über der Wüste, und die Sonne brannte in Hammonds Augen. Erst jetzt sah er die lederbezogene Flasche in der Hand des Großen. Der Große war Frank Rennie. Der gemeinste Bandit zwischen Mississippi und der Westküste.

Rennie schraubte den Verschluss ab und machte einen langen, spielerisch wirkenden Schritt auf Hammond zu. Rennie hatte breite, knochige Fäuste mit schwarzen Haaren auf den Handrücken.

Die Faust mit der Flasche schoss vor. Der scharfe Whisky sprühte in Hammonds Augen. Hammond versuchte, mit den Fingern die brennende Flüssigkeit aus den Augen heraus zu reiben, aber das Feuer wurde nur schlimmer davon. Er beugte sich vor. Halb blind tappte er umher.

Die anderen überstürzten nichts. Die Männer auf den Pferden blieben sitzen, solange Rennie sich mit seinem Opfer beschäftigte. Rennie näherte sich dem taumelnden Hammond und trat ihm gezielt in den Bauch. Hammond schrie auf, mehr vor Überraschung als vor dem plötzlichen Schmerz. Er knickte zusammen und fiel auf die Knie. Mit den Händen stützte er sich im kochend heißen Sand. Er hatte den Mund weit geöffnet und atmete die glühende Luft ein, die schon voller Staub war. Er krümmte die Finger und wartete auf die nächste Gemeinheit.

Nichts geschah. Hammond öffnete die Lider. Alles war verschwommen. Direkt vor ihm standen zwei Beine, die in verschossenen Stiefeln steckten. Breit und wuchtig standen sie da. Hammond hob den Kopf. Rennie grinste bösartig.

Hammond warf ihm eine Hand voll Sand ins Gesicht. Rennie sprang fluchend zurück. Hammond stemmte sich in die Höhe.

Aber jetzt waren die anderen dran. Sie setzten ihre zähen Ponys in Bewegung. Die Hufe wirbelten den feinen Sand auf. Hammond kam auf die Füße und begann, sich langsam um seine Achse zu drehen. Rennie war stehen geblieben. Der große Mann hatte die Sonne im Rücken. Hammond taumelte auf ihn zu.

Da traf ihn etwas von hinten. Ein scharfer Schmerz zuckte über seine Brust, dann riss ihn das Lasso von den Füßen. Jemand lachte heiser. Das Lasso wurde mit Gewalt unter seinem Körper weggezogen. Der raue Strick fetzte ihm das Hemd vom Körper.

Die Hufe kamen näher. Die Männer auf den Ponys umkreisten ihn wie die Cowboys einen Stier beim Rodeo.

Hammond versuchte erneut, sich hoch zu stemmen. Ein wuchtiger Tritt landete in seinen Rippen und presste ihm die Luft aus den Lungen. Keuchend blieb Hammond in dieser Stellung in der Hoffnung, einige Kräfte sammeln zu können. Aber dazu ließen sie es nicht mehr kommen.

Hammond hob den Kopf. Rennie glitt herbei und schmetterte eine seiner harten Fäuste zwischen Hammonds Augen. Ein Tritt traf voll seine Seite, und ein neuer Schlag ließ ihn erschlaffen und zusammensinken.

Hammond wälzte sich im Sand. Alles war heiß und voller Staub. Und immer noch fegten die Ponys im Kreis herum, im aufgewirbelten Sand kaum noch zu erkennen.

Sie ließen ihn gerade bei Bewusstsein. In regelmäßigen Abständen klatschten jetzt die Lassos über seinen Körper wie Bullenpeitschen. Langsam erstarb jedes Gefühl in Hammond. Bis auf eins, das sie nicht auslöschen konnten, solange er lebte: den Hass.

Er lag auf dem Gesicht, spürte das Trommeln der Hufe in seinem Schädel.

In seinem Mund war Sand, in den Augen das Feuer.

Hammond wollte nicht sterben, aber er wusste, dass er sich nicht mehr wehren konnte. Es war zu spät. Er hätte sie über den Haufen schießen sollen, sofort, als er ihre Absichten erkannt hatte. Nun war alles zu spät.

Das dumpfe Geräusch der Hufe erstarb plötzlich. Hammond registrierte es nicht sofort. Erst, als er die Stimme hörte. Sie klang weit, weit entfernt.

»Du sollst verrecken, du Schwein«, sagte Rennie. »Du wirst uns nicht mehr in die Quere kommen, verstehst du?Verrecken wirst du hier!«




2

Hammond konnte es nicht glauben, aber es war wahr. Sie ritten davon. Seine Stute nahmen sie mit.

Hammond blieb im Sand liegen. Er wollte sich ausruhen. Nur ein wenig ausruhen. Er wollte nicht sterben. Er wollte leben, um Rennie und seine Komplicen zu erledigen.

Die Sonne verbrannte seinen Nacken. Hammond spürte es nicht. Die Schmerzen in seinem Leib waren schlimmer. Er wollte warten, bis sie etwas nachließen. Ein wenig nur...

Er hörte den weichen Flügelschlag, als der erste Geier neben seinem Kopf aufsetzte. Hammond riss die Augen auf. Der hässliche Vogel schwang seinen langen Hals herab, der gekrümmte Schnabel schoss auf sein rechtes Auge zu. Hammond zuckte zurück, und der Geier krächzte wütend. Schwankend machte er einen Schritt, um einen zweiten Hieb gegen Hammonds Augen zu versuchen.

Hammond hob die Hände schützend vor sein Gesicht. Mühsam zog er die Beine unter seinen Körper, und laut stöhnend richtete er sich auf. Er nahm die Hände herab. Der Geier breitete die schwarzen Schwingen aus. Hammond trat nach ihm. Der Geier schrie zornig auf. Hammond setzte nach und traf ihn mit einem harten Tritt vor die Brust. Der Vogel kreischte, breitete die Schwingen aus und hob ab.

Hammond war dem Raubvogel beinahe dankbar. Er war so müde und so kraftlos. Vielleicht wäre er liegen geblieben und nicht mehr aufgewacht. So hatten Rennie und seine Banditen sich das gedacht. Dabei hatten sie zwei entscheidende Fehler begangen. Sie hatten nicht berücksichtigt, dass Hammond die Llanos kannte, und sie rechneten nicht mit seinem Hass und seinem Willen zu leben.

Hammond war zäh, er war ein Mann, der sich in der Wüste behaupten konnte, aber normalerweise hätte Hammond tatsächlich keine Chance gehabt, lebend zur nächsten Stadt zu kommen. Das Kaff, es hieß Laplada, war fast vierzig Meilen entfernt. Es bestand nur aus ein paar Hütten um ein armseliges Wasserloch herum, aber mehr hätte Hammond gar nicht gebraucht. Rennie konnte sicher sein, dass Hammond Laplada niemals erreichte.

Rennie wusste nicht, dass die neue Eisenbahnlinie mitten durch die Llanos führte. Rennies Karten taugten nichts. Sie waren zu alt. Ein höllischer Fehler, wenn man sich an einen Trail durch die Wüste wagte.

Bis zu dem einsamen Schienenstrang waren es ziemlich genau zwanzig Meilen. Zwanzig einsame, verfluchte, höllische Meilen. Aber Hammond würde sie schaffen. Ohne ein Quäntchen Wasser, ohne eine Waffe.

In zwei Stunden ging die Sonne unter. Im Morgengrauen passierte der Postzug von Amarillo nach Pecos diesen Teil des Llano Estacado. Oder der Staked Plains, wie die Wüste hieß, seit Texas Mitglied der Vereinigten Staaten war. Drüben, in New Mexico, hielten sie an der alten Bezeichnung fest.

Hammond machte sich auf den Weg.




3

Hammond hörte das schrille Pfeifen der Lokomotive in der Ferne, und die Enttäuschung ließ ihn beinahe zusammenbrechen. In seinem Rücken warf die Sonne ihre ersten Strahlen über die scharf gezackten Kämme der Plainviews im Westen, und Hammond folgte taumelnd seinem eigenen langen Schatten.

Er würde den Postzug nicht erreichen. Er sah den Zug nicht. Die Lok kroch hinter den Hügeln her, ein, zwei lumpige Meilen entfernt, aber für den erschöpften Mann weiter weg als der Mond, der ihm während des einsamen Marsches den Weg gewiesen hatte.

Hammond warf sich in den Sand. Er war noch kühl. Da war ein Stein. Hammond leckte den Tau ab, bevor die Sonne den letzten Tropfen Feuchtigkeit aus der Wüste saugen würde.

Jetzt hörte Hammond sogar das Schlagen der Räder auf den Schienen in der klaren Luft. Und wieder stieß die Lok ihren schrillen Pfiff in den kühlen Morgen, der nichts anderes tat, als ein paar Wüstenspringmäuse und Sandflöhe aufzuscheuchen.

Hammond schleppte sich weiter. Das Schlagen der Räder verklang in der Ferne. Die Sonne stieg über die Berge. Innerhalb weniger Minuten brachte sie die Luft zum Flimmern. Hammond sog sie durch seine ausgedörrte Kehle. Er wollte zur Bahn und sich dort auf die Schienen legen. Bis der Gegenzug kam, war er ohnehin bewusstlos.

Wann kam der Zug von Pecos? Hammond konnte sich nicht erinnern. Sein Gehirn fühlte sich an, als sei es mit Sägemehl ausgestopft. Irgendwann am Nachmittag.

Nur wann? Früh? Der Zug verließ Roswell am frühen Morgen, wenn der Zug aus Amarillo frisches Wasser aufgenommen hatte. Wasser. Hammond hätte jetzt sogar Maschinenöl getrunken. Fünf Stunden brauchte er mindestens bis hierher.

Fünf qualvolle Stunden.

Hammond sah den Schotter mit den glänzenden Schienen darauf vor sich in der Sonne glitzern. Sie kamen aus endloser Ferne und verschwanden in eine andere Endlosigkeit. Hammond stellte sich zwischen die beiden Stahlbänder und starrte nach Süden, als ob er den Zug herbeizaubern könnte.

Er legte die Hände auf den Kopf. Sein dünnes blondes Haar schützte kaum den kantigen Schädel. Er würde hier bei lebendigem Leib verbrennen.

Er drehte sich um und starrte nach Norden. Das gleiche monotone Bild. Sand und flimmernde Luft, Felsbrocken und etwas Schwarzes in der Ferne.

Etwas Schwarzes!

Fast mechanisch setzte er sich in Bewegung. Seine Stiefel waren verschlissen. Er spürte die spitzen Schottersteine durch die dünnen Sohlen hindurch, aber hatte nicht die Kraft, die Gleise zu verlassen und neben ihnen durch den nachgiebigen Sand zu stapfen.

Der schwarze Umriss wurde größer, aber er nahm noch keine Konturen an. Hammonds Lungen pumpten wie Blasebälge, und sein Atem trug die letzte Feuchtigkeit aus seinem ausgedörrten Körper hinaus. Er setzte Fuß vor Fuß, ohne den Weg noch erkennen zu können. Sein Blick war unverwandt auf das schwarze Ding gerichtet, das nicht hierher gehörte, wo alles weiß und ausgebrannt zu sein hatte.

Er stolperte und schlug auf den Schotter. Er blieb liegen. Noch einmal musste er sich aufraffen. Noch ein einziges Mal.

Er schaffte es. Vorsichtiger setzte er seinen Weg fort. Ein neuer Sturz konnte das Ende bedeuten. Und die Geier kreisten wieder über ihm.

Hammond stolperte über die Schienen, als er den flachen Damm verließ. Das Schwarze war Holz. Die Bretter einer zusammengefallenen Hütte, die den Bahnarbeitern als Unterkunft oder als Geräteschuppen oder als Sonnendach gedient haben mochte. Hammond ließ sich auf die Knie fallen. Er zog den Kopf ein und kroch durch einen schmalen Spalt in den winzigen Hohlraum, der sich unter den zusammengebrochenen Wänden gebildet hatte.

Es war schon heiß hier drin, aber die Sonne würde ihn nun nicht mehr verbrennen und die letzte Kraft aus seinen geschundenen Knochen saugen.

Er lehnte sich mit dem Oberkörper gegen den Rest eines Pfahles. Hier konnte er bleiben. Er spürte, wie sein Lebenswille neu erwachte. Er lebte, und er fühlte sich stark genug, um sogar eine Stunde Schlaf riskieren zu können. Eine einzige Stunde.




4

Hammond erwachte von einem dumpfen Brausen, das wie eine Druckwelle sein enges Gehäuse zu füllen schien. Er brauchte mehrere Sekunden, bis sein betäubtes Gehirn in die Wirklichkeit zurückfand, dann kroch er hastig ins Freie.

Die brütende Hitze traf ihn wie ein körperlicher Schlag. Hammond kroch auf die Schienen zu. Das Dröhnen und rhythmische Schlagen der Räder wurde lauter. Hammond schrie. Er zwang die Luft durch seinen rauen Hals und schrie, um den Zug anzuhalten. Da war die Schiene. Er legte seine Hand darauf und zog sich auf den Schotter. Das Metall war glühend heiß. Hammond spürte es nicht. Der Zug kam, und er musste anhalten und ihn mitnehmen.

Die Dampfpfeife stieß warnende Signale aus. Hammond sackte in sich zusammen. Sein Oberkörper lag auf den Schienen.

Die Dampfsirene heulte jetzt ununterbrochen, während die Bremsen packten. Metall kreischte, die Wagenkupplungen klirrten, die Räder der Lok blockierten, aber die Wagen schoben die Lok unaufhaltsam auf Hammond zu.

Der Mann auf dem Führerstand schrie dem Heizer etwas zu. Der Heizer war ein drahtiger Bursche aus Ripley, Ohio, und der Junge begriff sofort, als er einen Blick an seinem Boss vorbei nach draußen warf.

Er sprang von der Lok, als die immer noch mit einer Geschwindigkeit von achtzehn Meilen auf den bewusstlosen Mann auf den Schienen zu rutschte.

Der Junge rannte wie noch nie in seinem Leben. Der Zug wurde langsamer, aber es war klar, dass er erst hinter der Stelle, an der der Mann lag, zum Stehen kommen würde. Der Lokführer hing neben seinem Stand und feuerte ihn mit heiseren Rufen an. Der Junge lief jetzt mit gleicher Geschwindigkeit wie die Lok, die ihr Tempo immer weiter verlangsamte. Zwei Schritte war er jetzt voraus, drei, vier. Er sah sich nicht um. Er brauchte nicht viel mehr. Nur noch ein paar Yards, ein paar lange Sprünge. Der Junge sah das borstige Haar und die blutigen Striemen unter dem zerfetzten Hemd des Mannes auf dem Schienenstrang.

Der Junge warf sich auf Hammonds Beine und zerrte den schweren Mann über die scharfkantigen Schottersteine. Hammonds Kopf schlug gegen die Schiene und fiel dann kraftlos auf die Steine.

Fauchend und heißen Dampf versprühend rutschte die Lok vorbei, und der anhaltende Zug warf wohltuenden Schatten über Hammond. Der Lokführer sprang herab und rannte auf den Bewusstlosen zu. In der Hand hielt er eine Wasserflasche. Im Laufen schraubte er den Verschluss ab. Auch der Zugführer war aus seinem Abteil gesprungen und näherte sich vorsichtig. Er war bewaffnet, doch als er die schlaffe Gestalt des großen Mannes im Sand liegen sah, nahm er die Hand vom Kolben seines Revolvers.

Der Lokführer ließ ein wenig Wasser auf Hammonds Lippen laufen. Hammond bewegte die Zunge, aber er schluckte nicht. Der Mann von der Lok spritzte Wasser auf Hammonds Brust und verrieb es. Er massierte die Haut, und dann versuchte er noch einmal, Hammond zum Trinken zu bewegen.

»Legen wir ihn ins Postabteil«, sagte der Zugführer. »Wir verlieren zu viel Zeit.«

Sie hoben Hammond auf und schleppten ihn in einen Wagon. Hammond bewegte sich schwach als sie ihn auf leere Säcke betteten.




5

Als der Zug die kleine Relaisstation Canyon passierte, war Hammond noch zu schwach, um eine Entscheidung zu treffen, die über Trinken und Schlafen hinausging. Erst als der Zug kurz vor Mitternacht in Amarillo eintraf, saß er auf den Säcken, den Rücken gegen die vibrierende Wand des Wagons gelehnt und aß ein hartes Ei, das der Zugführer ihm gegeben hatte.

»Hier ist Endstation, Mister«, sagte der Zugführer, ein rotgesichtiger Waliser. »Wegen des Tickets machen Sie sich keine Gedanken«, fügte er grinsend hinzu. »Ich fürchte, bei Ihnen ist nicht viel zu holen.«

»Stimmt genau«, stieß Hammond krächzend hervor. Es waren die ersten Worte, die er seit langem hervorbrachte.

Die Tür des Wagons wurde zur Seite geschoben, und der junge Heizer blickte neugierig in den Innenraum.

»Bedanken Sie sich mal bei Rudy«, sagte der Zugführer. »Er hat Sie im letzten Augenblick von den Schienen gerissen.«

Hammond stand auf. Er reichte dem Jungen die Hand und schüttelte sie kräftig, dann sprang er aus dem Wagon.

Der Bahnhof lag eine halbe Meile von der Stadt entfernt. Hammond sah die Lichter über der Main Street. Er wusste nicht, was er in Amarillo anstellen konnte, um an ein Bett zu kommen. Er hatte keinen einzigen Cent in der Tasche und nichts, was er hätte versetzen können.

»Wo wollen Sie hin?«, fragte eine Stimme hinter ihm.

»Nach Coldwater, und dann weiter nach Beaver in Oklahoma.«

Rudy stellte sich neben Hammond. »Ich würde in einem der leeren Wagons schlafen. Da drüben.« Er deutete auf das Nordende der Gleisanlagen, wo Hammond die Umrisse großer Corrals erkennen konnte. Die Corrals waren leer. Erst im Herbst würde der Viehauftrieb beginnen. Jetzt war es zu heiß für die Herden aus den dürren Steppen.

Als Hammond nickte, sagte Rudy: »Ich bringe Ihnen etwas zu trinken und kaltes Fleisch. Es kann aber etwas dauern.«

»Ich kann warten«, sagte Hammond knapp. Schwerfällig bewegte er sich über die Schienen auf die abgestellten Viehwagons zu. Rudy musste ihm weiterhelfen. Er musste ihm sagen, welcher Zug morgen früh nach Coldwater weiterfuhr. Von dort aus musste er dann sehen, wie er über die Berge kam. Er hatte Geduld. Er wusste, dass Rennie und die anderen in Beaver aufkreuzen würden, früher oder später. Und er würde da sein und auf sie warten.