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UDO STABER

Mythos Neuseeland

© 2017 Udo Staber

Umschlag, Illustration: Udo Staber

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN
Paperback978-3-7439-1700-2
Hardcover978-3-7439-1701-9
E-Book978-3-7439-1702-6

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhalt

1. Ins Land der Träume

2. Wir-Gefühl

3. Das große Fressen

4. Böse Blicke

5. Höhere Bildung

6. Der Connaisseur

7. Evas Paradies

8. Über alle Berge

9. Emotionaler Abschied

Anmerkung für den Leser

Who’s more exotic, Professor? You or them?

W. G. Runciman, The Social Animal

1. Ins Land der Träume

„Ja, die sollten Sie machen, unbedingt. Das ist etwas, das Sie nie vergessen werden.“ Wie, was machen? Redet die mit mir? Was nie vergessen? „Die ist wunderschön, einfach atemberaubend.“ Die Stimme kommt von links, von der anderen Seite des Mittelgangs. Ich halte meine Augen geschlossen und rühre mich nicht. Wenige Sekunden später das Gleiche, diesmal noch lauter: „Glauben Sie mir, das ist ein Erlebnis, das Sie nicht bereuen werden. Aber vergessen Sie nicht zu reservieren. Hören Sie, unbedingt vorher reservieren, mindestens zwei Tage vorher, jetzt im Frühling vielleicht drei Tage im Voraus.“

Dass dies die Worte einer Neuseeländerin sind, entnehme ich dem Akzent in ihrem Englisch, wobei man darüber streiten kann, ob eine derart scheußliche Verunstaltung einer Sprache als Akzent bezeichnet werden soll. „Resöööf“ statt „reserve“, das klingt für mich eher wie das Blöken eines verstörten Schafs. Es ist das gleiche Intonationsmuster und das gleiche Verzerren und Verschlucken von Buchstaben, das mir bereits in meinen Gesprächen mit Paul und Steve Schwierigkeiten bereitet hatte, was bei dieser Frau da drüben jedoch noch viel ausgeprägter ist und mich jetzt furchtbar nervt. Die überspitzte Art, wie sie das e ewig in die Länge zieht und das r übergeht, als hätte es im Alphabet überhaupt nichts zu suchen, was ist das, ein nie korrigierter Sprachfehler aus ihrer Kindheit, das Beachtungsbedürfnis einer Narzisstin oder das Erkennungszeichen einer sich im Entstehen befindenden Krankheit? Aus „never“ macht sie „neeeva“, und anstatt „forget“ sagt sie „fogeeet“. Weit weniger ordinär, aber doch ziemlich ähnlich hatte sich das auch bei Paul und Steve angehört. Aus dem offen gesprochenen a machten sie ein lang gezogenes e, so dass sich „have“ wie „heeef“ anhörte, und das e wandelten sie in ein i um. Als Paul mich mehrmals fragte, ob ich einen „pen“ zur Hand hätte, hörte ich ihn immer nur „pin“ sagen. Und Steve erzählte mir lange irgendetwas von einem „icebööög“, bis ich dahinterkam, dass er von einem „iceberg“ sprach, der in einer Bucht bei Dumbwick gesichtet worden war. Ich wollte ihn am Telefon nicht laufend unterbrechen und bitten, sich zu wiederholen.

Ich denke immer noch über meine Verständigungsschwierigkeiten mit Paul und Steve nach, wieviel einfacher es für mich hoffentlich sein wird, wenn ich im direkten Gegenüber mit ihnen reden kann, als sie schon wieder mit ihrem Geblöke anfängt: „Ich sage Ihnen, da müssen Sie unbedingt mitfahren, so etwas Schönes gibt es nur einmal auf dieser Welt. Und nicht vergessen, Sie müssen reservieren.“ Die Frau, die das sagt, jetzt in einem ziemlich fordernden Ton, hat sich offenbar weit über den Mittelgang zu mir herübergelehnt, denn ich kann ihren Atem riechen. Unfassbar, ich sitze reglos da, meine Augen sind geschlossen, ich will meine Ruhe haben, das kann ihr doch nicht entgangen sein. Hätte ich doch nur deinen Rat befolgt und zwei Schlaftabletten genommen. Ich gebe ein lautes Seufzen von mir, drehe meinen Kopf weg von ihr auf die andere Seite und nehme eine kauernde Körperhaltung ein. Sie soll sehen, dass ich keine Lust auf ein Gespräch habe, weder mit ihr noch mit jemand anderem. Ich bin todmüde und ich will weiterschlafen.

Doch wenn du glaubst, sie lässt mich jetzt in Frieden, hast du dich getäuscht. Ich habe diese Frau keine einzige Sekunde angesehen, ich habe nichts zu ihr gesagt, ich habe mich sogar demonstrativ von ihr weggedreht, aber das scheint sie nur noch mehr anzuspornen, mir die Ohren voll zu labern. „Eine herrliche Fahrt ist das“, plärrt sie in meine Richtung. „Diese Fahrt ist himmlisch. Ich sage Ihnen, Sie werden überwältigt sein.“ Herrgott nochmal, jetzt sei doch endlich still! Wieso soll es mich interessieren, ob diese Fahrt – ich weiß gar nicht, von welcher Fahrt sie redet – wunderschön ist, oder himmlisch, oder aufregend oder was weiß ich? Schon die Art, wie sie „spliiindid“ sagt, wie sie das i um zwei Ecken herum zieht, mit diesem süßlichen Singsang, als stünde sie mit diesem Buchstaben in einer Liebesbeziehung, macht mich jetzt richtig wütend. „Was man da alles zu sehen bekommt, fantastisch ist das, einfach grandios. Wenn ich Sie wäre, würde ich mir das nicht entgehen lassen.“ Was heißt hier, wenn ich Sie wäre!? Am liebsten würde ich zu ihr hinüberschreien: „Aber Sie sind nicht ich, gute Frau! Sie wollen reden, ich will schlafen. Reden Sie doch mit jemand anderem, aber mich lassen Sie gefälligst in Ruhe.“ Doch statt mich zu wehren, spiele ich den Schlafenden, den sie, so wie sie sich gerade aufführt, demnächst am Arm packen und aus dem Sitz zerren wird.

Ich drehe meinen Kopf etwas zurück zur Mitte, öffne die Augen einen winzigen Spalt und sehe, dass sie ihre Hand nach meinem Reiseführer ausstreckt, dem dreihundertfünfzig Seiten dicken Schinken, der aufgeschlagen auf meinem Schoß liegt. Ich weiß nicht, wann ich zum letzten Mal in diesem Buch geblättert habe; irgendwann nach dem Abendessen war es gewesen. Ich habe nicht einmal bemerkt, wie mein Tablett abgeräumt wurde. Es dürfte jetzt schon weit nach Mitternacht sein. Die Kabine ist abgedunkelt, nur einige der Leselampen in den Sitzreihen um mich herum sind eingeschaltet. Der Herr aus der Schweiz, der rechts neben mir am Fenster sitzt – den freien Platz zwischen uns benützen wir beide als Ablage für Decken, Jacken und Lesematerial –, ist in eine Zeitschrift vertieft, und zwei oder drei Reihen hinter mir unterhält sich ein Paar mit gedämpfter Stimme. Ansonsten höre ich nur das leise, stetige Summen der Maschine. Meine Hüftknochen brennen wie Feuer. Ich suche nach einer bequemeren Sitzstellung, indem ich meine Beine unter dem Sitz meines Vordermanns ausstrecke und so weit wie möglich auf meinem Sitz nach unten rutsche. Aber auch das bringt keine Erholung. Ich weiß nicht, wie ich die nächsten zehn Stunden bis zur Landung in Singapur durchstehen soll.

Eine Weile höre ich nichts mehr von dieser Frau, und fast glaube ich, sie hat aufgegeben, doch dann fängt sie wieder an: „Die Fahrt dauert nur vier Stunden. Schade, finde ich, wirklich schade.“ Was dauert vier Stunden, und warum soll es mich interessieren, dass sie es schade findet? Ich sehe durch meine leicht geöffneten Augenlider, dass sie mit dem Finger auf ein Foto in meinem Reiseführer deutet, auf dem das Innere eines vollbesetzten Zugwaggons abgebildet ist. Die Fahrgäste auf dem Foto blicken alle gebannt durch die großen Panoramafenster nach draußen, in die gleiche Richtung wie der Mann, der im Mittelgang des Waggons steht und, über den Fahrgast neben ihm zum Fenster hin gebeugt, mit ausgestrecktem Arm auf einen bestimmten Punkt in der Ferne zeigt. In dieser angestrengten Haltung wirkt er wie ein Reiseleiter, der mit der Autorität eines Experten das Objekt vorgibt, für das die Reisenden sich zu begeistern haben.

„Ich kann Ihnen diese Fahrt nur empfehlen“, höre ich die Frau sagen, laut und eindringlich, als ob sie spürt, dass ich mich schlafend stelle. Soll sie doch empfehlen so viel sie will, aber nicht jetzt und nicht mir. Es interessiert mich auch nicht, was sie empfiehlt, ob das nun eine Zugfahrt, eine Dampferfahrt oder Peterchens Mondfahrt ist. Und jetzt bin ich in Fahrt! Wenn sie wenigstens klares Englisch sprechen würde! Sie kann nicht einmal „recommend“ sagen, ohne dass sie glaubt, sie müsse gewisse Buchstaben wegwerfen und neue einsetzen. Das i hat es ihr wirklich angetan, noch mehr als das e. Und weil es ihr nicht genügt, diese Zugfahrt einmal zu empfehlen, labert sie mir ihr „ricommiiiind“ gleich zweimal ins Ohr und klopft dabei mit dem Finger auf das Foto, womit sie mir sagen will, ich soll bloß nicht auf die Idee kommen, meinen Reiseführer zuzuklappen. „Sie werden nicht enttäuscht sein, eine atemberaubende Fahrt ist das, Sie können mir das gerne glauben.“

Sie hindert mich am Schlafen, das schafft sie wunderbar. Warum sollte ich ihr dann nicht auch glauben, dass eine Fahrt mit diesem Zug mir den Atem rauben wird? Ich habe keinerlei Zweifel an ihrer Empfehlung geäußert. Um genau zu sein, ich habe überhaupt nichts gesagt. Sie ist diejenige, die ihren Mund nicht halten kann. Und schon geht’s weiter: „Vier Stunden hört sich vielleicht lang an, aber ich finde, das ist bei weitem nicht lang genug.“ Ich weiß, das hat sie schon vorher gesagt. „Mein Gott, man könnte einen ganzen Tag in diesem Zug verbringen, und dann hat man sich immer noch nicht satt gesehen an dieser fantastischen Landschaft, an diesem großen wundervollen Geheimnis, das überall in dieser Landschaft steckt, in jedem Stein und in jedem Berggipfel, in dieser göttlichen Stille, in diesem Glanz der Ewigkeit.“

Göttliche Stille, Glanz der Ewigkeit! Mir kommt ein schrecklicher Gedanke. Diese Frau gehört einer religiösen Sekte an und sie will mich jetzt zu einer Beweihräucherungsveranstaltung oder etwas in der Art ins Grüne lotsen. Ähnliches ist mir schon einmal passiert, vor vielen Jahren, als ich noch Student war, auf einer Fahrt mit dem Zug von Montreal nach Vancouver, als mich ein vollbärtiger Mann mit einer Art Turban auf dem Kopf während der Durchquerung der endlos langweiligen Prairies in Saskatchewan davon zu überzeugen versuchte, dass die am Horizont untergehende Sonne in Wahrheit im Aufgehen begriffen war. Die aufgehende Sonne sei ein Zeichen der kommenden Botschaft, hatte er stock und steif behauptet. Eine volle Stunde lang hatte er mir seine Wahnvorstellungen vorgepredigt, bis ich begann, ihm aus meinem Mathematikbuch vorzulesen. Es hat nur zwei Minuten gedauert, dann setzte er sich weg und machte sich an einen anderen Reisenden ran. Ich habe jetzt zwar kein Buch mit Differentialgleichungen zur Hand, aber ich könnte dieser Frau hier sagen, dass ich die letzte Nacht nur vier Stunden Schlaf hatte, dass ich den ganzen Tag geistig schwer arbeiten musste und auf der Fahrt zum Flughafen auch noch zwei Stunden im Stau stand. Es wäre doch kein Verbrechen, wenn ich zu ihr sagen würde: „Vielen Dank für den Hinweis, das ist bestimmt eine ergreifende Fahrt durch eine bezaubernde Landschaft, wenn Sie das so sagen, aber hätten Sie etwas dagegen, wenn ich jetzt weiterschlafe?“

Doch bevor ich sie anrede, will ich sehen, mit wem ich es hier zu tun habe. Ich drehe mich in ihre Richtung und öffne, von ihr unbemerkt, die Augen. Man könnte meinen, Impertinenz und Penetranz zeigen sich im Äußeren, im harten Gesichtsausdruck einer dünnlippigen Rechtsanwältin zum Beispiel, bohrender Blick, steifer Kragen, Haare streng nach hinten gekämmt und ein dickes, schwarzgerahmtes Brillengestell auf der schmalen Nase, doch weit gefehlt. Du musst dir eine Person vorstellen, wie man sie vielleicht auf einer Faschingsfeier sieht, aber auch da ist man sich nicht immer sicher, ob die Frau originell maskiert oder nur furchtbar schlecht geschminkt ist. Der schwache Schein des Oberlichts über dem Sitz des Mannes neben ihr genügt, um zu sehen, dass ihr schnittlauchglattes Haar ge färbt ist, pechrabenschwarz, wie dickflüssige Tinte. Weil die Haare über der Stirn ungleich geschnitten sind, könnte es auch eine schlecht gefertigte Perücke sein, die zudem noch etwas zu weit ins Gesicht gezogen ist. Auf ihrer rechten, mir zugewandten Seite hängt ein gelblich gefärbtes, dünnes Zöpfchen aus dem Haar über dem Ohr heraus. Du kannst raten, ob dieses bunte Geflecht ihr echtes Haar oder ein angesetztes Haarteil ist, und ob es den schwarzen Schnittlauchschopf in Szene setzen oder von ihm ablenken soll. Und als ob diese Aufmachung nicht schon genug Komik enthält, an ihrem rechten Nasenflügel hängt ein Ring so dick wie ein Türklopfer, an dem ich jetzt zu gern ziehen würde. Und dann diese Lippen! Die sind so unnatürlich schwulstig, so prall aufgeblasen wie ein Kinderschwimmring, dass du davon ausgehen kannst, sie hat sie die letzten paar Jahre mit Silikon vollpumpen lassen.

Irgendetwas stimmt mit dieser Frau nicht, Brigitte. Ich weiß nicht, was sie mit dieser Montur ausdrücken will. Will sie auffallen, oder hat sie bloß furchtbar schlechten Geschmack? Modisch ist diese Aufmachung jedenfalls nicht: schwarze Schnittlauchperücke mit farbigem Strickseil, rot bemalte Ballonlippen und Bierdeckel große Nasendeko. Dazu trägt sie ein T-Shirt, das genauso schwarz ist wie die Haartracht und für ihren mächtigen Oberbau zwei Nummern zu klein ist. Es schneidet in ihre prallen Oberarme wie eine um eine Weißwurst zu straff gewickelte Schnur. Quer über das Hemd verläuft eine Aufschrift, die ich wegen der schlechten Beleuchtung nicht ganz ausmachen kann. „ALL …CKS“, steht da. Alles was? All Locks? All Socks? Wieso Socken? Ich werfe einen Blick auf ihr rechtes Bein, das sie am Sitz ihres Vordermanns entlang in den Gang hinausstreckt, und sehe, dass sie weder Schuhe noch Strümpfe trägt. Ihr Fußgelenk ist mit rötlichen Pickeln übersät und so stark aufgedunsen, dass man nicht weiß, wo der Fuß aufhört und die Wade anfängt. Ich würde sagen, diese Dame hat Bewegung dringend nötig.

Es dauert nur eine Sekunde, nachdem sie gemerkt hat, dass ich sie ansehe, bis sie, auf meinen Reiseführer deutend, zu mir herüberruft: „Diese Fahrt haben Scott und ich schon zehnmal gemacht.“ Jetzt könnte ich sie natürlich fragen, warum sie glaubt, es würde mich interessieren, wie oft sie mit Scott – ich nehme an, sie meint den Mann zu ihrer Linken, der gerade auf der Tastatur seines Game Boy herumhämmert – in diesem Zug in der Gegend herumfährt, aber ich will sie nicht zu einem Gespräch ermuntern. „Zehnmal? Alle Achtung!“, antworte ich knapp und ziehe den Kopfhörer aus dem Netz hinter dem Sitz meines Vordermanns, in der Hoffnung, sie sieht dies als Zeichen, dass die Konversation für mich nun beendet ist. Doch offenbar hat sie meine ironisch gemeinte Bemerkung als Würdigung ihrer Reiseleistungen verstanden. „Sie müssen wissen“, sagt sie, noch bevor ich die Kopfhörerstöpsel in meine Ohren stecken kann, „das ist die schönste Zugfahrt der Welt, und das buchstäblich vom ersten bis zum letzten Meter. Diese Fahrt ist unvergesslich. Glauben Sie mir, sie ist einfach überwältigend.“ Und zu dem Mann neben ihr sagt sie, während sie versucht, ihm das Game Boy Gerät aus der Hand zu ziehen: „Schatz, ich will, dass wir diese Fahrt mal wieder machen. Aber diesmal will ich mindestens drei Tage in Blackmoor bleiben.“ Dann lehnt sie sich weit aus ihrem Sitz zu mir herüber, holt tief Luft und beginnt mir von Blackmoor zu erzählen.

Es folgt nun ein Vortrag, der es in sich hat, mit Leidenschaft gehalten und mit Beschreibungen bespickt, wie man sie normalerweise in Prospekten für Abenteuerreisen in unwegsame Gegenden findet. „Sie müssen diese Stadt unbedingt gesehen haben. Das ist ein Ort, den die ersten Siedler mit bloßen Händen aus dem Boden stampften, buchstäblich. Wahrhaftige Pioniere, die bis zur Selbstaufgabe schufteten, weil sie für ihre Familien ein besseres Leben haben wollten. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie hart das Leben damals war: schreckliche Entbehrungen, Hunger und Kälte. Viele siechten mit schlimmen Krankheiten dahin, bevor sie elendig starben. Aber das ist lange her. Heute ist Blackmoor ein idyllischer Ort, heute sieht man nichts mehr von dem harten Leben der Menschen damals. Jetzt haben wir dort ein hübsches Städtchen, malerisch gelegen, eingebettet zwischen einer sagenhaft schönen Bergwelt und dem weiten, blauen Meer, ein magischer Ort, glauben Sie mir, ein Kleinod mitten im Paradies. Marina, gemütliche Cafés, und eine herrliche Uferpromenade mit Strand, die Touristen aus aller Welt, die lieben das. Und wie ich schon sagte, die Fahrt dorthin ist ein unschlagbares Erlebnis. Ich würde sagen, Blackmoor ist das Highlight einer Zugfahrt, die einmalig ist auf dieser Welt. Nehmen Sie sich doch die Zeit und schauen sich die Stadt in Ruhe an. Machen Sie diese Zugfahrt, es lohnt sich wirklich, glauben Sie mir.“

Ein Kleinod, magisch und idyllisch, und das mitten im Paradies! Ich würde sagen, die Frau hat ein Problem, eine mentale Störung, die sich allein schon in der Penetranz zeigt, mit der sie mich immer wieder bittet, Ihr zu glauben. Was soll denn ihr Grund sein, anzunehmen, ich würde ihr nicht glauben? Ich habe ihr die ganze Zeit zugehört, ich habe sie kein einziges Mal unterbrochen und ich habe nichts gesagt, was ihre Beschreibung Blackmoors in Frage stellen würde. Diese Frau ist doch völlig daneben. Vielleicht macht sie gerade eine Psychotherapie, zur Stärkung ihres Selbstbewusstseins, oder sie wird wegen einer Persönlichkeitsspaltung behandelt, zwischen der Figur einer Reiseleiterin und einer Predigerin vielleicht. Sie sagt, dass ich diese Zugfahrt machen muss, dass ich diesen Ort sehen muss und dass ich wissen muss, dass sie diese Fahrt mit ihrem Mann schon zehnmal gemacht hat. Demnächst wird sie mir eröffnen, was mir blüht, wenn ich diese Fahrt nicht mache. Soll ich sie fragen, ob sie schon mal im Wilhelm Tell Express gefahren ist, oder im Rocky Mountaineer? Diese Fahrten kenne ich, darüber könnten wir reden.

Aber ich will jetzt nicht reden, ich will kein Gespräch mit ihr führen, auch nicht, wenn sie klar im Kopf wäre. Was ich will, ist schlafen. Es sind noch viele Stunden bis zu meinem Zwischenstopp in Singapur, und bei dem zu erwartenden Jetlag gehe ich nicht davon aus, dass die Übernachtung dort mir viel Erholung bringen wird. Und dann stehen mir immer noch fünfzehn Stunden Flug bis Auckland bevor, wo ich umsteigen muss und dann noch einen zweistündigen Weiterflug bis Dumbwick überstehen muss. Ich habe diesem fahrigen Paradiesvogel nur zugehört, weil ich nicht unhöflich erscheinen will, aber nun ist Schluss. Ohne mich bei ihr zu entschuldigen, stopfe ich den Kopfhörer zurück ins Netz und schließe die Augen.

Wobei ich genau weiß, dass sie spätestens beim Frühstück vor der Landung weiter auf mich einreden wird. Sie wird mich wissen lassen, wann Blackmoor zum ersten Mal in der Geschichte dieses Landes als Luftkurort erwähnt wurde, warum Captain Cook die letzten paar Meter an den Strand von Blackmoor schwamm, statt sich im Ruderboot an Land setzen zu lassen, und an welchem der zwei Kindertagesstätten in Blackmoor der schnellste Rugby Spieler der Welt das Laufen lernte. Sie wird mir von aufgeregten Touristen berichten, die aus dem Zug springen, manche schon bevor er ganz zum Stehen gekommen ist, weil sie die Ersten am breitesten Sandstrand der südlichen Hemisphäre sein wollen. Sie wird mir die beliebtesten Cafés der Stadt auflisten und vom geschäftigen Treiben an der Uferpromenade reden, das an den Wochenenden sogar den Rummel in Saint-Tropez übertrifft. Weiß der Himmel, was sie mir sonst noch alles auftischen wird, und das alles nur, weil sie zufällig in meinem Reiseführer etwas gesehen hat, von dem sie meint, dass es mich interessieren muss. Brigitte, diese Frau ist gestört, und ich kann nur hoffen, dass sie zu Hause einen gewieften Psychiater hat, der sie gleich bei der Ankunft am Flughafen abholen wird.

Kaum habe ich die Augen geschlossen, meldet sich der Herr zu meiner Rechten. „Wo genau liegt denn dieses Blackmoor?“, fragt er in einem so stark röchelnden Akzent, dass seine Herkunft aus dem deutschen Teil der Schweiz sogar in seinem Englisch leicht zu erkennen ist.

„Auf der Südinsel“, erwidert sie, japsend vor Glück, doch noch jemand gefunden zu haben, von dem sie glaubt, er interessiere sich für ihre göttliche Zugfahrt. „Der Zug verbindet die Ostküste mit der Westküste, er geht quer über die Alpen. So heißt diese Gebirgskette.“ Nachdem mein Sitznachbar nichts dazu sagt, nicht einmal „aha“, fügt sie hinzu: „Der Zug fährt in Dumbwick ab und geht nach Blackmoor auf die andere Seite der Berge. Eine traumhaft schöne Fahrt ist das, die schönste Zugfahrt der Welt, wie ich dem Herrn neben Ihnen schon sagte.“ Sie hält kurz inne, vielleicht weil sie von mir eine Bestätigung ihres Kommunikationstalents hören will, doch ich halte meine Augen geschlossen und rühre mich nicht. „Glauben Sie mir, die Fahrt ist grandios. Was Sie da sehen, ist eine paradiesisch schöne Landschaft.“

Ich versuche mir vorzustellen, welche Art von Landschaft eine Eisenbahnfanatikerin als „paradiesisch schön“ bezeichnen könnte. Vielleicht meint sie die schneebedeckte Bergkette unter dem makellos blauen Himmel, die in jedem der Bildbände, die ich letzten Monat angeschaut habe, abgebildet ist, fotografiert immer aus dem gleichen Blickwinkel, bei gleichem Wetter und in der gleichen Jahreszeit. Ein imposantes Bergmassiv, das stimmt, aber das ist so, als ob man auf Fotos von unseren Alpen nur die Dolomiten zeigen würde und der Rosengarten immer nur von der gleichen Seite und bei Sonnenuntergang aufgenommen würde. Oder vielleicht meint sie mit „paradiesisch schön“ die kahlen oder stellenweise mit braungelblichem Gestrüpp überzogenen Berghänge, die ebenfalls in einigen dieser Bildbände gezeigt werden und die der Landschaft in den schottischen Highlands bestechend ähnlich sehen. Für das Auge sicherlich nicht ganz uninteressant, aber ich würde eine gottverlassene, baumlose Gegend nicht unbedingt als Paradies bezeichnen. Paradies bedeutet für mich eher das, was die Katechetin uns Kindern im Religionsunterricht vorgaukelte: sattes Grünzeug und exotische Mammutbäume im Wechselspiel von Licht und Schatten, ein Traum von einem Wald, mit sonnendurchfluteten Lichtungen, und eine die Sinne betörende Stimmung, die, so meine kindliche Phantasievorstellung, ein freikörperkulturelles Herumhüpfen im Freien geradezu zur Pflicht macht.

Neuseeland hat nicht nur bergiges Gelände. Auch andere landschaftlich interessante Gegenden könnten bei manchen die Vorstellung eines Paradieses hervorrufen. Im Kopf blättere ich durch alle Bildbände, die wir zusammen angeschaut haben. Erinnerst du dich an die gestochen scharfen Aufnahmen von Fjorden, mit den fast senkrecht aus dem Wasser aufsteigenden, begrünten Hängen? Du sagtest, sie sähen den Fjorden in Norwegen sehr ähnlich, besonders dem Trollfjord. Ich sehe auch die Fotos einer hügeligen Wiesenlandschaft vor mir, wie wir sie vom Allgäu her kennen, sowie die Aufnahmen von mediterranen Pflanzenarten, die gleichen, die wir an der Amalfiküste bestaunt haben. Ich habe Bilder von einem Gletscher im Kopf, der mich ein bisschen an den Gletscher am Stilfserjoch erinnert, der wie eine riesige, gefurchte Zunge ganz oben am Hang klebt. Weite, perfekt flache Ebenen kennen wir auch von unserer Fahrt durch die Prärieprovinzen Kanadas. Und die Bilder von Sanddünen erinnern mich stark an die welligen Sandhügel an der Küste Oregons, und zum Teil auch an die Dünenlandschaft in Ostfriesland, wo wir es einmal einen ganzen Tag lang in einer Sandkuhle getrieben haben. Weißt du noch? Es war wie im Paradies, hast du gesagt. Ich denke, diese Dame ist noch nicht viel in der Welt herumgekommen.

„Können Sie sich überhaupt vorstellen, wie klar die Luft hoch oben in den Bergen ist?“, höre ich sie meinen Nachbarn fragen, einen Schweizer, der vom Hochgebirge wahrscheinlich so wenig Ahnung hat wie ein Maulwurf von einem Erdloch! „Wir haben ungemein viel Natur zu bieten, glauben Sie mir. Wenn Sie mit dem Zug nach Blackmoor fahren, sehen Sie, was ich meine.“ Der Schweizer antwortet mit Schweigen. Ich höre nur ein angestrengtes Röcheln. „Es gibt dort keine Häuser oder Straßen, die diese schöne Landschaft verschandeln würden“, sagt sie. „Sie haben das Gefühl, Sie sind Teil der Natur. Das reine Paradies, und Sie müssen nicht einmal aussteigen, Sie können das alles vom fahrenden Zug aus sehen.“

Die Frau ist jetzt in einer Bombenstimmung. „Und wenn Sie dann in Blackmoor aussteigen, sehen Sie sofort, warum dieser Ort jedes Jahr Tausende von Touristen aus aller Welt anzieht.“ Nun muss ich mir ihren, mit ätherischen Attributen angereicherten Monolog über Blackmoor ein zweites Mal anhören! Vorhin nannte sie den Ort „magisch“ und ein „Kleinod“, jetzt ist er auch noch „geschichtsträchtig“, „seelisch inspirierend“ und eine „Perle der Südsee“. Sie redet über den Ort, seine belebten Geschäfte, die urigen Kneipen, die bunt bemalten, schmucken Gebäude und die vielen begeisterten Touristen, als ob sie das Venedig Neuseelands beschreibt. Aber warum, frage ich mich, hat ein Städtchen, das sie „Perle der Südsee“ nennt, einen so düsteren Namen wie Blackmoor? Warum nicht ein Name, der Wärme und Geborgenheit ausstrahlt, vielleicht ein Name, der an einen Ort in Gauguins Südsee erinnert, oder ein Name mit einem mysteriösen Klang wie Strindbergs „Silbermoor“, oder ein Name, den man mit Charme und Beschaulichkeit in Verbindung bringen könnte, etwas italienisch Klingendes vielleicht, Romantica oder Riviera, etwas in der Art?

Ich schiele zu ihr hinüber. Sie zwitschert vor Erregung, als sie die Hand ihres Mannes ergreift und ihn anfleht: „Komm, wir gehen mal wieder nach Blackmoor. Wir waren schon ewig lange nicht mehr dort. Und bitte sag nicht, du willst nie, nie wieder in dieses Museum.“ So wie sie „neeeva eeeva geeen“ – was wohl „never ever again“ heißen soll – in die Länge zieht, klingt das wie ein schwere Anklage, die sie ihrem Mann nicht zum ersten Mal an den Kopf wirft. Bevor er ihr antworten kann, stellt der Schweizer ihr eine Frage, deren Sinn mir auf Anhieb nicht ganz einleuchten will: „Kommen Sie aus Neuseeland?“

Es ist eine Frage, die es ihr erlaubt, aus dem Vollen zu schöpfen. Sie nennt sich eine Kiwi, und was das ist, und warum es wichtig ist, das zu wissen, erklärt sie ausführlich und ohne dass der Schweizer an irgendeiner Stelle nachfragen muss. Der Kiwi sei der Nationalstolz der Neuseeländer, ein pummeliger, flauschiger, am Boden herumhüp fender Vogel, der so niedlich sei, dass man ihn am liebsten zu sich ins Bett nehmen möchte. Im Ernst, Brigitte, genau das hat sie gesagt, ihre Worte. Sie würde gern mit einem Vogel im Bett sein, weil er so flauschig warm und schnuckelig ist! Sie habe schon viele Touristen getroffen, sagt sie, die „ganz verrückt“ darauf seien, diesen seltenen Vogel einmal in seinem natürlichen Umfeld zu sehen, in dem einzigen Land der Welt, wo er in freier Natur lebt. Davon, dass dieser scheue Vogel sein kümmerliches Dasein in geschützten Gehegen fristet und aus lauter Angst sich nur nachts aus seiner Höhle traut, und auch dann nur im dichten Gestrüpp herumschleicht, sagt sie nichts.

Nachdem mein Schweizer Nachbar nun weiß, dass sie sich mit dem entzückenden Kiwi-Vogel so innig vereint fühlt, dass sie sich selbst eine Kiwi nennt, fragt er sie, ob es auf der Fahrt nach Blackmoor auch interessante Bauwerke zu sehen gibt, auf einem Abschnitt außerhalb der Gegend, die sie „freie Natur“ nennt. Zuerst habe ich das Gefühl, sie versteht die Frage nicht, denn sie zögert lange, doch dann redet sie wie ein Wasserfall von Dingen, die er unbedingt sehen muss. Sie gibt sich die größte Mühe, jedes noch so banale Bauwerk mit schmucken Zusatzwörtern zu versehen, damit aus gewöhnlichen Dingen Außergewöhnliches wird. Eine Kapelle ist für sie keine normale Kapelle mit einem Kerzenständer rechts und links neben dem Altar, sondern eine „historische“ Kapelle, in der sich einmal vor vielen Jahren, so sagt man, ein Engel blicken ließ. Eine Brücke aus Stein und Mörtel ist so „herrlich romantisch“, dass Frischvermählte Schlange stehen, um auf ihr für Hochzeitsbilder zu posieren. Ein ländliches Postamt ist „ungeheuer witzig“, weil der Holzrahmen am Eingang knallrot und die Fensterrahmen links vom Eingang himmelblau, und rechts vom Eingang grasgrün bemalt sind. Und eine Scheune ist „spektakulär“, weil es keine zweite Scheune dieser Art auf unserem Planeten gibt. Das seien alles Dinge, die einen Ausflug in diese Gegend „unvergesslich“ machen. Und wenn mein Schweizer Nachbar „cleeeva“ sei, womit sie meint, wenn er „schlau“ sei, würde er ein Auto mieten, um alle diese Bauwerke in einem einzigen Tag besichtigen zu können.

Ach ja, fast hätte sie es vergessen, mit dem Auto könne er auch das eine knappe Stunde außerhalb Dumbwicks gelegene „historische Gasthaus“ bequem erreichen. Es lohne sich auf jeden Fall, den kleinen Abstecher in eine Nebenstraße dort draußen zu machen, schon allein wegen der markanten Architektur des Hauptgebäudes, das an einen viktorianischen Bahnhof erinnere. Die Frage, ob es jemals Pläne gab, in dieser abgeschiedenen Gegend Gleise zu legen, habe schon etliche Forscher beschäftigt, was man verstehen könne, weil dort draußen bis vor wenigen Jahren überhaupt keine Menschen lebten. Die Erhebung dieses Gasthauses zu einem Forschungsprojekt habe dazu beigetragen, dass es zu einer vielleicht sogar weit über Neuseeland hinaus bekannten Sehenswürdigkeit geworden sei. Es sei vor zwei Jahren von neuen Besitzern übernommen worden, die die Bekanntheit des Gebäudes geschickt ausgenützt und im Erdgeschoß ein nettes Restaurant eingerichtet hätten, ausgestattet mit den Originalbänken und sogar den ursprünglichen Türklinken und Lampenfassungen. Und in der berühmten Moa-Schenke, ebenfalls im Erdgeschoß, könne man heute den besten Cappuccino der Welt bekommen. „Das nur so nebenbei“, sagt sie.

Ihr Mundwerk läuft wie ein Rädchen. Ich könnte sie vielleicht mit einem gespielten Hustenanfall abwürgen, aber dann stellt der Schweizer eine Frage, die auch ich ihr stellen würde, wenn ich nicht so erschöpft wäre. „Außer diesem weltberühmten Cappuccino, den Bahnhofsmöbeln und dem Wissenschaftlerstreit zur Bahnhofsfrage, gibt es da noch etwas, was dieses Gasthaus so einzigartig macht?“, sagt er in einem Ton, dem ich eine gehörige Portion Spott entnehme. „Gibt es dort vielleicht historisches Bier zu trinken?“

Sie lacht. „Historisches Bier, aber ja natürlich. In alten Gemäuern schmeckt Bier besonders gut.“

„Wieso soll Bier in einem alten Gebäude besser schmecken?“, will er wissen.

„Tradition, weil diese Schenke Tradition hat und weil das Bier in Dumbwick gebraut wird, das schon seit ewigen Zeiten. Sie werden das verstehen, wenn Sie mal dort sind.“

„Nun, ich bin in einem fast dreihundert Jahre alten Bauernhaus aufgewachsen und ich kann mich nicht erinnern, dass mir in diesem Haus irgendetwas besonders gut schmeckte. Aber das lag vielleicht auch an meinen Eltern, die an mir wegen allem herummeckerten. Ich habe das Haus vor einigen Jahren in allen Originaldetails komplett renovieren lassen, für viel Geld, doch es taucht in keinem Reiseführer oder Bildband auf. Wie alt ist denn dieses Gasthaus mit der berühmten Moa-Schenke?“

„Sehr alt, so ganz genau weiß ich das nicht. Es ist auf jeden Fall historisch.“

„Was meinen Sie mit historisch?“

Sie zögert. Nach einer Weile sagt sie: „Es ist sehenswert, schon allein die Architektur ist einmalig.“ Nachdem er nichts dazu sagt, ergänzt sie: „Glauben Sie mir, da steckt viel Geschichte drin.“

Jeder andere würde jetzt die Nerven verlieren, doch der Mann ist ein Engel. Er sagt mit ruhiger Stimme, so, wie man es sich bei einem Schweizer vorstellt, der in geordneten Gedankengängen argumentiert: „Ja, das kann ich mir denken, aber was ich gern wissen möchte, ist, um welche Art von Geschichte es sich bei diesem Gasthaus handelt. Worin steckt die historische Bedeutung? War das vielleicht einmal eine Stätte, in der berühmte Literaten, Entdecker oder Künstler einkehrten? Oder interessieren sich Historiker für dieses Gebäude, weil es in der wirtschaftlichen Entwicklung der Region einmal eine bedeutende Rolle spielte? Gibt es zu bestimmten Fragen vielleicht eine wissenschaftliche Debatte, womöglich einen Streit, einen Historikerstreit, wie man das nennt?“

Der Sarkasmus in seinen Fragen ist für mich unüberhörbar, aber sie scheint davon nichts mitzubekommen. „Keine Ahnung“, erwidert sie, „ich weiß nur, dass ich mich jedes Mal, wenn ich dort vorbeifahre, in eine andere Zeit zurückversetzt fühle. Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich an die Leute denke, die vor so vielen Jahren genau an der Theke saßen, die auch heute noch da drin ist.“

„Von welcher anderen Zeit reden Sie denn?“, bohrt er weiter.

„Ich glaube, das war so gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Soviel ich weiß, war das Gasthaus einmal eine Absteige für Reisende auf dem Weg nach Blackmoor, die nicht direkt an der Hauptstraße übernachten wollten.“

„Was waren das für Leute damals, was wollten die in Blackmoor?“

„Vielleicht dort ihre Verwandten besuchen, oder einfach mal raus aus der Stadt, das Land kennenlernen, so genau weiß ich das nicht. Ich weiß nur, dass das schon damals eine ungemein spannende Reise war.“

„Und woher wissen Sie das?“ Genau das hätte ich sie jetzt auch gefragt.

„Sir“, erwidert sie, jetzt etwas gereizt, „diese Landschaft ist atemberaubend, glauben Sie mir. Und wissen Sie auch warum? Hier kann man die Natur spüren, hier ist sie noch unberührt, so wie Gott sie geschaffen hat. Sie müssen wissen, wir Kiwis lieben die Natur, sie ist praktisch unsere Seele. Wenn Sie diese Zugfahrt machen, werden Sie das selbst erfahren. Da gibt es keine Hektik, keinen Stress, nur die Ruhe der Berge und der Täler.“

„Und den Zug!“ Er lacht herzhaft. Ich sehe ihn vor mir, wie er als kleiner Bub jedes Jahr in den Sommerferien im Zügli zu seiner Tante an den Vierwaldstädtersee fährt.

„Ja, der Zug“, antwortet sie, ebenfalls lachend, „aber der fällt in dieser herrlichen Landschaft gar nicht auf.“

„Weil die Berge so hoch sind, oder weil die Täler so tief sind?“

Das Stehvermögen dieser Frau ist erstaunlich, sie lässt sich auch von dieser doch ziemlich boshaften Bemerkung nicht aus dem Konzept bringen. „Weil die Berge so hoch sind“, erwidert sie schnell. „Wir haben die meisten Dreitausender auf der ganzen Welt. Wussten Sie das?“

„Nein, wusste ich nicht. Ich bin in einem kleinen Ort aufgewachsen und bin auch später nicht viel rausgekommen, aber Sie kommen bestimmt viel in der Welt herum.“

„Oh ja, das kann man wohl sagen. Scott und ich waren schon in England, und jetzt gerade in Irland, und in Kanada waren wir auch schon: in Toronto. In Deutschland waren wir noch nie. Haben Sie in Deutschland auch Berge?“

Oh, jetzt solltest du ihn hören! Er klingt richtig bissig, als er sie korrigiert: „Ich komme aus der Schweiz, nicht aus Deutschland.“ Und als ob er ahnt, dass sie ihn nun fragen wird, ob das denn ein Unterschied sei, fügt er schnell hinzu: „Wir sind ein eigenständiges Land, ein souveränes Volk, und ja, auch wir haben Berge.“

„Aber Sie sprechen doch Deutsch. Beim Umsteigen in Frankfurt haben wir Deutsch gehört, oder nicht?“

„Wahrscheinlich, aber ich spreche Schweizerdeutsch, nicht Deutsch. Ich bin kein Deutscher, ich bin Schweizer.“ Er sagt das so laut, dass er annehmen muss, ich bin an der Hitze seiner Reaktion jetzt hell wach geworden – wofür er sich entschuldigen sollte.

Sie denkt nach. Vielleicht hat sie mich während des Abendessens mit dem Schweizer reden hören und einen Unterschied in unserer Sprechweise festgestellt, und jetzt versucht sie, daraus eine Vorstellung kultureller Unterschiede abzuleiten, die ihr vielleicht erklären würden, warum mein Nachbar aus der Schweiz so heftig reagiert. Doch ich irre mich gewaltig, denn nach einer Weile sagt sie: „Deutsch, Dutch, Schweizerdeutsch, ich finde, das ist das Gleiche. Wir Kiwis machen da keinen Unterschied, bei uns sind alle herzlich willkommen.“

Ich hätte nun erwartet, dass mein höchst erregter Nachbar dieser gastfreundlichen Kiwi Dame einen Vortrag über das Wesen einer nationalen Identität hält, dass er ihr einige der Mechanismen erklärt, mit denen Identitäten geschaffen und verteidigt werden. Zumindest könnte er ihr ein paar ungebrochene historische Traditionen seines Landes nennen, oder wenigstens einige der Kategorien und Konstruktionsprinzipien erläutern, mit denen seine Landsleute sich von anderen Volksstämmen abgrenzen. Er könnte ihr vielleicht auch einige Beispiele sozialer Umgangsformen oder Rituale benennen, die die Kultur der Schweizer, und die ihrer regionalen Subkulturen, so einzigartig erscheinen lassen. Doch es passiert nichts. Außer einem krächzenden Gurgeln, das sich anhört, als würde man ihm die Kehle zuschnüren, gibt er keinen Laut von sich.

Vielleicht ist er so verärgert über ihre Weigerung, den für ihn gewaltigen Unterschied zwischen Schweizer-Deutsch und Nicht-Schweizer-Deutsch zur Kenntnis zu nehmen, dass er es für aussichtslos hält, sich mit ihr über noch viel kompliziertere Dinge wie Institutionen, soziale Verflechtungen und Wahrnehmungspositionen in Bezug auf soziale und persönliche Identitäten zu unterhalten. Sie bezeichnete sich als Kiwi, und sie tat es auf eine Art und Weise, die zeigt, dass sie alles damit verbindet, was für sie wichtig ist im Leben, ohne sich Gedanken darüber zu machen, woher diese Verbindung stammt und warum sie von ihren Überzeugungen nicht abzubringen ist. Sie braucht nur zu sagen, „Ich bin eine Kiwi“, und alles andere erübrigt sich: die Bedeutung ihrer Existenz, die Ordnung ihrer Welt, die Grenzen ihrer Wahrheit. Ihre Selbstdarstellung ist gründlich und mit Leidenschaft vorgetragen. Was sie sagt, klingt, als sei es selbstverständlich und unbestreitbar wahr, und damit vereinfacht sie alles, vor allem sich selbst. Sie definiert sich als genauso rein und eindimensional wie sie ihre Heimat darstellt, ausschließlich mit Bezug auf die Natur als Ansammlung glasklarer Seen, feiner Sandstrände und schneebedeckter Berggipfel, als gäbe es in diesem Land keine Gesellschaft, in der die Leute mit den gleichen Problemen kämpfen, wie man sie in anderen Gesellschaften in der einen oder anderen Form findet. Dass mein Nachbar aus der Schweiz großen Wert darauf legt, sie wissen zu lassen, dass er Schweizerdeutsch und nicht Deutsch spricht, dass er, was kulturelle Differenzierungen betrifft, äußerst empfindlich ist, scheint sie nicht zu berühren. Für sie ist er schlicht „jemand, der Deutsch spricht“. Ich glaube, das ist es, was ihm zu schaffen macht, und ich kann ihn in dieser Hinsicht gut verstehen. Wenn ich mich dieser Frau mit dem Namen Rosenzweig oder Mandelbaum vorstellen würde, hätte das für sie wahrscheinlich auch keine andere Bedeutung, als wenn ich Schmid oder Schütz hieße. Damit hätte ich dann auch meine Probleme.

Aber vielleicht ist ihre Bemerkung zum fehlenden Unterschied zwischen Deutsch, Dutch und Schweizerdeutsch nichts anderes als das Unvermögen, für fremde Ohren ähnlich Klingendes auseinander zu halten. Sie klingt völlig unbedarft, als sie zu Scott sagt: „Hast du gewusst, dass die Schweizer kein Deutsch sprechen?“

„Nein“, erwidert er, im gleichen unbekümmerten Ton, „ist auch nicht so wichtig. Ist doch völlig egal, wer welche Sprache spricht. Ich bin Scott“, ruft er fröhlich zu meinem Nachbarn herüber. „Shauna und ich wohnen in Victoria. Schon von Victoria gehört? Liegt nicht am Meer, wie Blackmoor, dafür aber an einem großen See, mitten in einer sagenhaft schönen Bergwelt, mit gigantischen Bergen, die direkt an den See reichen.“

„Dreitausender?“, fragt mein Nachbar sarkastisch.

„Einige, ja. Im Reiseführer dieses Herrn hier – wahrscheinlich deutet er auf mich – steht bestimmt etwas über die Gegend. Haben Sie schon einmal eine Bergtour gemacht?“, fragt er den Schweizer, der, statt die Frage zu beantworten, wieder dieses sonderbare Röcheln von sich gibt. „Wir haben einige sehr schöne Wandertouren zu bieten, einfache und schwierige, für jeden etwas. Die Leute kommen aus aller Welt zu uns: Amerikaner, Japaner, sogar Brasilianer, bei uns geht’s manchmal zu wie an der Copacabana.“ Scott sprudelt vor Begeisterung und Shauna erklärt, warum das so ist: „Sie müssen wissen, Scott ist Bergführer und leitet ein kleines Tour-Unternehmen. Bergsteigen ist seine Leidenschaft. Manchmal ist er von seinen Bergen gar nicht mehr runterzukriegen. Ich bin da eher eine Seejungfer.“

Wenn ich wüsste, ob diese Jungfer da drüben Spaß versteht, würde ich sie fragen, ob sie ihre Flossen im Handgepäck dabei hat. „Wir wohnen ganz nahe am See“, sagt sie, „ein See, der ist so traumhaft schön in die Landschaft eingebettet, dass man meinen könnte, Gott hätte sich selbst damit ein Geschenk gemacht. Sie sollten sehen, wie das glasklare Wasser glitzert, wenn die Sonne hinter den Wolken hervorkommt und die Wolkenschatten die Berghänge entlangkuschen. Wissen Sie, was das ist?“, fragt sie und liefert sofort die Antwort: „Theeeth’s the greatest show on öööth.“ Öööth, Brigitte, Öööth! „Ich könnte stundenlang auf unserer Terrasse sitzen und mir dieses Schauspiel der Natur anschauen. Stimmt doch, Scottie, heulen könnte ich, so schön ist das. Ich weiß nicht, ob Sie sich das vorstellen können: ein tiefblauer See zu Ihren Füßen, und auf der anderen Seite eine ganze Kette hoher Berge.“ Ich spüre, wie der Schweizer neben mir um Fassung ringt, ich höre ihn schwer atmen. „Sie können auf dem See auch einen Tagesausflug mit dem Dampfer machen“, fährt sie fort. „Das Schiff legt an zwei Stellen für längere Zeit an, für Leute, die einen Spaziergang machen wollen. Oder wenn Sie möchten, können Sie auch nicht weit von unserem Haus, direkt am Ufer, Golf spielen und dabei dem Plätschern des Sees lauschen. Oh wie ich das liebe, am Ufer stehen und die klare Luft in meine Brust hineinströmen lassen, spüren, wie sie alle Poren in meinem Körper füllt.“

Und ihren Seenixeschuppen zu neuem Glanz verhilft! Nicht zu fassen, was ein See an Gemütszuständen so alles hergibt! Doch das ist noch lange nicht alles. „Und wenn Sie sportlich sind“, sagt sie, „können Sie bei uns praktisch alles machen: Skydiving, Paragliding, Heli-Rafting, Bungeejumping, Highlining.“ Die weit weniger gefährlichen Sportarten wie Seilhüpfen, Radschlagen und Bockspringen erwähnt sie nicht. Oder Schwimmen? Jeden Morgen eine Runde schwimmen müsste für eine Seejungfer doch Routine sein. Aber nun kommt’s ganz dick. „Sie können sich auch mit dem Hubschrauber auf einen Berggipfel fliegen lassen und Picknick machen. Stellen Sie sich vor, im Hochsommer ganz oben im Tiefschnee sitzen und bei einer Flasche Merlot auf einen blauen See hinunterblicken. Wo sonst auf der Welt gibt es so etwas Spannendes?“ Ich warte auf ein paar Vorschläge des Schweizers, doch außer einem Stöhnen zu meiner Rechten höre ich nichts. Umso mehr redet sie. „Oder wenn Ihnen nicht nach einem Ausflug mit dem Hubschrauber oder Dampfer zumute ist, können Sie nicht weit von uns eine Spritztour in einem Jetboot machen. Wissen Sie, was das ist, ein Jetboot? Scott arbeitete einmal für ein Jetboot Unternehmen. Erzähl doch, Scottie.“

Scottie zögert keine Sekunde. „Stimmt, das war ein toller Job. Ich sage Ihnen, wenn Sie einmal etwas wirklich Aufregendes erleben wollen, kann ich das nur empfehlen. Das Boot donnert mit achtzig Stundenkilometer so nahe an den Felswänden vorbei, dass Sie sich die Nase wundreiben, wenn Sie nicht aufpassen. Glauben Sie mir, wenn Sie Stress abbauen wollen, setzen Sie sich in ein Jetboot.“ Hat er gesagt, Stress abbauen, bei achtzig Sachen fünf Zentimeter an einer Felswand vorbei? „Ein wahrhaft befreiendes Gefühl, im Jetboot – eine neuseeländische Erfindung übrigens – durch fünf Meter enge Schluchten den Fluss hinunter zu brettern.“ „Sag ihm, er soll nicht vergessen zu atmen!“, wirft Shauna ein, und kichert über ihren eigenen Witz. Scott lacht: „Kein Problem, Sir, atmen gehört zum Programm. Und abends sitzen Sie dann ganz entspannt mit ein paar Flaschen Wein bei uns auf der Terrasse und schauen sich die Videoaufnahmen von sich an, wie Sie bei einer scharfen Kehrtwendung in den Sitzgurt reinbeißen. Das Video können Sie natürlich auch kaufen, das perfekte Geschenk für Ihre Lieben zu Hause.“

Ich frage mich, was ist das für ein Stück, das ich mir hier anhören muss? Die Psychotragödie zweier Spinner, die von ihrem Heimweh nach hohen Bergen und tiefen Seen aufgefressen werden und glauben, den ausländischen Besucher mit Geschichten von Rennbootfahren und Picknick im Schnee von der Tiefe ihrer Empfindungen überzeugen zu müssen? Oder soll ich das als Luststück begreifen, als Farce, die man nicht so ernst nehmen sollte? Das sind zwei Menschen, die wie Hefeteig aufgehen, wenn sie von ihrer Landschaft zu Hause erzählen, wie lieblich sie ist, oder wie majestätisch, je nachdem, ob sie von kuscheligen Kiwi-Vögeln oder von einem gewaltigen Bergmassiv reden. Shauna spricht über ihren See, als hätten Adam und Eva persönlich darin geplantscht, und ihr Mann hört sich an wie jemand, der beim Landeanflug schon zwei Stunden, bevor er den ersten Dreitausender zu Gesicht bekommt, mit der Nase an der Fensterscheibe klebt. Die fanatische Vernarrtheit der beiden in ihr Heimatland erscheint mir so grotesk, dass man eigentlich nur lachen, beziehungsweise wie der Schweizer neben mir, nur röcheln kann.

Aber auch wenn das Ganze nur eine Farce ist, werde ich ihnen demnächst einen Schuh hinüberwerfen müssen. Normalerweise hätte ich nichts einzuwenden gegen ein paar nette Geschichten von Wanderausflügen um einen Dreitausender herum oder vom Füttern goldiger Entenküken am Ufer eines kristallklaren Sees. Ich bin selbst ein richtiger Naturbursche. In meinen jungen Jahren war ich sogar so etwas wie ein Ökofreak. Im Garten meiner Eltern besaß ich meine eigene Ecke zum Anbau von Gurken und Tomaten, und beim Fahrradfahren war ich immer sehr rücksichtsvoll gegenüber jedem Käfer, der vor mir über den Weg krabbelte. Im Bayerischen Wald kannte ich jeden Felsvorsprung und jede Höhle, und als wir letztes Jahr auf der höchsten Erhebung Madeiras waren, hatte ich nichts anderes im Kopf, als es mit dir im Farngestrüpp dort oben zu treiben, und dann auf der Rückfahrt noch einmal, auf einer sonnigen Lichtung im Lorbeerwald. Wenn das nicht Naturverbundenheit ist! Doch wenn mir jemand vom Golf spielen am Seeufer oder vom Rennbootfahren in einem Gebirgsfluss vorschwärmt, als sei das ein Naturerlebnis, bekomme ich einen Schreikrampf. Aber ich will nicht schreien, ich will schlafen, verdammt nochmal!

Ich versuche, das Geplapper dieser zwei Paradiesvögel wenigstens in meinem Hirn auszuschalten, indem ich die Papierserviette auf meiner Ablage in kleine Stücke zerreiße und mir ein paar davon in die Ohren stopfe. Im Bemühen, Ruhe in meinen Kopf zu bringen, achte ich darauf, ob das gelegentliche, kaum spürbare Rütteln des Flugzeugrumpfes von einer Veränderung im Motorengeräusch begleitet wird. Ich konzentriere mich auf die geringste Abweichung vom gleichmäßigen Rauschen der Maschine und zähle die Minuten und Sekunden bis zur nächsten Vibration des Kolosses, zehntausend Meter über der Wüste von Uzbekistan oder Turkmenistan, oder weiß der Geier, wo wir jetzt gerade sind. Es ist ein verzweifelter Versuch, mich in den Schlaf sinken zu lassen, was mir einfach nicht gelingen will, weil ich jetzt auch noch zuhören muss, wie Shauna diesen schrecklichen Singsang von sich gibt.

Das sind Töne, wie ich sie im Wartezimmer eines spiritualistisch angehauchten Heilpraktikers erwarten würde, Klänge, die sie mit vielen Oms und Hms ausschmückt, während sie sich in Gedanken mit ihrer kosmischen Integration beschäftigt. Aber sie sitzt nicht in einer Heilpraxis, sondern vor einer Berghütte auf einer aus einem mächtigen Baumstamm herausgeschnitzten Bank, und blickt im warmen Licht der aufgehenden Sonne auf einen Enten