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. und Olkowitz liegt doch am Meer. Schönheit ist des Teufels


. und Olkowitz liegt doch am Meer. Schönheit ist des Teufels

Die Autobiografie eines Dirigenten
1. Aufl.

von: Alois Springer

8,99 €

Verlag: Acabus
Format: PDF
Veröffentl.: 25.03.2011
ISBN/EAN: 9783862820139
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 412

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

Dies ist die wahre Geschichte eines großen Musikers und Dirigenten. Alois Springer erzählt seine eigene Geschichte wie eine Symphonie, jede Note benötigt die nächste. Der Dirigent geht mit seinem endlich wiedergefundenen Sohn auf die Suche nach den Ursachen seines dramatischen, zerrissenen, wahnsinnigen, umjubelten Lebens - auf den Grund des Meeres, seines Ursprungs. Er kehrt zurück an seinen Geburtsort Olkowitz, einem kleinen Dorf in Böhmen-Mähren, dem heutigen Oleksovice in Tschechien, aus dem er und seine Familie 1945 vertrieben wurden. Dabei durchlebt er noch einmal das Verlangen nach Schönheit, die Gewalten seines Meeres, die der Macht der Gefühle im Kampf mit der Vernunft gleichen: Qual und Lust der Liebe, Sucht nach Schönheit, höchste Höhen des Erfolgs, Überforderung, Absturz. Verlassenwerden, Verrücktheit, Abhängigkeit, Alkohol bis an den Rand des Todes, Gefängnis, psychiatrische Anstalten. Das Erkennen der Schönheit als "Teufelswerk", endlich die Begegnung mit Gott und sich selbst in der Musik und schließlich das Wunder seiner Auferstehung wie ein Phönix aus der Asche spiegelt sein Leben. Wenn du ganz unten bist, dann geh ins Nichts, geh ins Dunkel, aber geh, beweg dich - das ist das Geheimnis.
Ein Leben zwischen Ruhm und Wahn - höchste Höhen und höllische Abgründe: "Die Schönheit ist des Teufels." Der Dirigent Alois Springer hat seit seiner Geburt 1935 in Olkowitz in Böhmen-Mähren, im heutigen Tschechien gelegen, alles erlebt, was zwischen diesen beiden Polen liegt. Mit 21 Jahren war er gleichzeitig junger Familienvater von zwei Kindern und gefeierter Violinist und Diri-gent bis seine durch Überforderung und Trennung von Frau und Kindern entstandene Alkoholsucht ihn in einen Abgrund und in den Wahn stürzte. Was ihm blieb, war die Musik: Ob er als kleiner Junge mit einer böhmischen Zigeunerkapelle über’s Land zog, als Dirigent Weltruhm erlangte oder als alkoholkranker Unbekannter in der Oper Stühle rückte, sich im Delirium mit Beethoven, Mozart und Paganini traf, verrückt komponierte, schrieb und malte - immer machte er Musik und die Musik machte ihn. In seiner tiefsten Katastrophe, vom Bann seiner hochsensiblen, erup-tiven, künstlerischen Schaffenskraft und seiner Leidenschaft zu Schönheit angezogen, waren es nicht nur große Frauengestalten, die an ihn glaubten und durch ihre Liebe zu ihm und seiner Musik gro-ßen Einfluss nahmen. Der Jesuiten-Prediger Pater Leppich erkennt in ihm die Kraft, Menschen durch Musik zu Gott zu bewegen. "Du bist mit deiner Musik näher bei Gott als ich. Glaubst du?" Ist Schön-heit des Teufels? Ein Zwiespalt. Und eine Frage, die ihm später Leo-nard Bernstein ebenfalls stellt: "Do you believe?" In seiner schonungslos offenen Autobiografie begibt sich Alois Springer mit seinem Sohn auf Spurensuche. Er kehrt auf den tiefen Meeresgrund zurück - den Ursprung von Vertreibung, Aufstieg, Sturz und Erfolg - zurück an seinen Geburtstort und in seine Familiengeschichte, und forscht nach den Quellen der Zerrissenheit, die sein Leben bestimmte. Fazit seiner Reise auf den Grund seiner Vergangenheit ist das berauschende Glück der Heilung! Wie ein Phönix aus der Asche feiert Alois Springer - nach Jahrzehnten im Abseits - erneut als Dirigent Erfolge und wird für seine lebendigen und frischen Interpretationen von den Kritikern geliebt. Diese mitreißende Künstlerbiografie ist ein Wegweiser für unendliche viele Menschen in ähnlichen Gefahrenzonen.
[…] Ich klopfte an. Das ganze Dorf schien es zu hören. Welche Ungeheuerlichkeit war da im Gange? Es tat sich nichts. Dann hörte ich schlürfende Schritte. Die Tür öffnete sich. Eine missmutige Alte mit ängstlichem Ausdruck und geduckter Haltung stand vor uns.
"Einen schönen guten Tag, ich komme aus …", sagte ich. Weiter kam ich nicht. Die Alte schaute mich ungläubig an. Das auch für sie Unfassbare und doch zu lang Erwartete, Befürchtete, Unvermeidliche war nach 50 Jahren eingetreten. Als käme sie aus einem langen quälenden Alptraum, zeigte sie fassungslos mit ihrer Rechten auf den Boden, hielt inne, schaute mich an und deutete zweifelnd die Größe eines etwa neunjährigen Knaben an. Dann fragte sie zögernd: "Bist du der kleine Alois?"
Ich aber schaute über sie hinweg in den gekachelten, langen Flur und sah mich auf dem Flurboden spielen, draußen im geräumigen Hof herumtollen, hinübergehen zum Schweinestall mit meinen drei Schweinen und erinnerte mich an den beißenden Geruch. Nichts hatte sich verändert: der geschlossene Innenhof, vorne das Wohnhaus, auf der Rückseite die Ställe, mitten im Hof der Brunnen und hinten in die Ecke gedrückt, das Plumpsklo, und der Weg zur Küche und direkt in die Mühle.
Hier, in diese Küche trat ich nun ein. Die Alte machte mir fast untertänig, heuchlerisch Platz.
"Alles ist geblieben, wie es früher war …", beeilte sich Maria, die Alte, ohne Aufforderung zu erklären. "Alles! Sogar dieselben Möbel stehen noch am gleichen Platz - wie damals! Hier, siehst du, die Kredenz, den Ofen mit den Ringen!"
Wie in Trance streiften meine Blicke durch den Raum. Meine Kindheit kam langsam auf mich zu, wurde gegenwärtig. Die dramatischen Ereignisse kurz vor der Vertreibung.
"Wir mussten alles bezahlen, alles hier", redete die Alte auf mich ein. "An den Staat, an diesen Staat!" Sie meinte damit wohl, dass sie die Mühle, den Garten, die Felder nicht geraubt hätten, sondern erworben durch harte Arbeit und eigenes Geld.
Ein weißhaariger Alter, Marias Mann, kam vom Hof her in den Flur. Wir sahen uns an, abtastend. Dieses hasserfüllte Gesicht, jetzt faltig und zermürbt, hatte ich schon einmal über mir gesehen, ja, die Mordlust und der stumme Schrei in diesen Augen - "Kreuzigt sie!"
Je länger ich die beiden Ergrauten ansah, desto deutlicher trat die Erinnerung hervor. Waren es nicht dieselben Menschen, inzwischen voller Angst gealtert, von denen meine Familie aus der Mühle in den hintersten Schweinestall zu den Schweinen gesperrt wurde, in den Kot der Schweine, während sie vorne als Herren lachend einzogen?
"Wir sind bettelarm, Alois, schau dich um! So ist es uns ergangen. Inzwischen sind wir alt und schwach", jammerte der Weißhaarige.
"Unsere Rente reicht nicht einmal für das Grab." Und er fügte hinzu: "Wir mussten dem Staat alles bezahlen. Und ihr - ihr seid reich!"
Maria, die Alte, seine Frau, nickte. Sie stand an demselben Herd wie meine Mutter damals, schob ein Holzscheit in die Glut und rückte die Ringe auf der Herdplatte zurecht. Betroffen bemerkte ich, wie sich ihr Bild in mir veränderte und das besorgte Gesicht meiner Mutter auftauchte. Sie bot mir den Platz an, auf dem ich mit meinem größeren Bruder Hubert um die besten Happen auf dem Tisch gekämpft hatte - wie so oft in den glücklichen ahnungslosen Tagen meiner Kindheit zwischen dem Beginn des zweiten Weltkriegs 1939 und dem daraus folgenden lang anhaltenden Trauma der Vertreibung aus Olkowitz und Südmähren am 18. August 1945.

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