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WIE ÄNDERE ICH MEINEN MANN?

Haben Sie sich schon einmal so richtig über Ihren Partner geärgert? Und zwar zum wiederholten Male über genau die gleiche Sache: Den ignorierten vollen Müllbeutel? Das Gesimse am Esstisch? Das Gefühl, er interessiere sich nicht für Ihren Tag?

Und was haben Sie gemacht? Kräftig die Tür hinter sich zugeknallt und ihn anschließend ignoriert wie er den vollen Müllbeutel? Oder ihm deutlich gesagt, was Sie eigentlich so alles an ihm stört?

Wie hat er reagiert? Er hat sich sofort entschuldigt, geschworen, dass er sich ab jetzt ändern wird, und Sie gleich noch zum Essen ausgeführt? Nein? Vermutlich haben Sie sich gestritten und am nächsten Tag stand der Müll immer noch im Flur. Sie waren verletzt und haben sich nicht das erste Mal gefragt: »Wie ändere ich meinen Partner?«

Dann ist dieses Buch genau das richtige für Sie, denn mit dieser Frage sind Sie nicht allein. Hier erfahren Sie nicht nur, wie Sie Ihren Partner verändern können, sondern auch, warum es für eine glückliche Beziehung so zentral ist, dass Sie es versuchen.

Die allermeisten Frauen suchen heute nach einer Antwort auf die Frage, wie um alles in der Welt der Mann an ihrer Seite wohl zu ändern sei. Und – zugegeben – auch Männer fragen sich ab und an: »Wie ändere ich meine Frau?« Es handelt sich also gewissermaßen um eine der Grundfragen der modernen Partnerschaft.

Doch bei der Suche nach Antworten tappen die Beteiligten weitgehend im Dunkeln. Das hat Gründe: Viele Beziehungsexperten behaupten, den Partner zu verändern, das sei unmöglich. Auch wohlmeinende Freunde, Zeitschriften und Romane hauen in die gleiche Kerbe: Wer wirklich liebt, nimmt seinen Partner so, wie er ist. Dabei ist diese Ansicht grundfalsch. Christian Thiel beweist in diesem Buch, dass es nicht nur statthaft ist, den Partner verändern zu wollen, sondern sogar nötig, wenn Sie in einer dauerhaft glücklichen und stabilen Beziehung leben möchten. Denn gerade wenn Sie unzufrieden sind, gibt es nur einen Weg: Sie müssen dafür sorgen, dass Sie bekommen, was Sie brauchen.

CHRISTIAN THIEL, geboren 1961, hat Philosophie und Germanistik studiert und lange Jahre am »Institut für tiefenpsychologische Individualpsychologie« mitgearbeitet. Seit über fünfzehn Jahren berät er Singles und Paare in seiner eigenen Praxis – und ist damit der »dienstälteste« Singleberater im deutschsprachigen Raum. Er hält Vorträge rund um die Themen Partnersuche und Partnerschaft, leitet Workshops und bildet seit 2011 weitere Singleberater aus. Christian Thiel ist nicht nur ein gefragter Experte in den Medien (Spiegel, ZDF, SWR), sondern schreibt zudem für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Radiosender. Als Buchautor hat er schon zahlreiche erfolgreiche Ratgeber veröffentlicht, unter anderem »Was glückliche Paare richtig machen« und »Suche einen für immer und ewig«. Im Südwest Verlag ist von ihm »Wieso Frauen immer Sex wollen und Männer immer Kopfschmerzen haben« erschienen. Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Berlin.

ISBN 978-3-641-15982-5
V002

1. Auflage 2016

© 2016 by Südwest Verlag, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München

Hinweis: Das vorliegende Buch ist sorgfältig erarbeitet worden. Dennoch erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder Autor noch Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch gegebenen Hinweisen resultieren, eine Haftung übernehmen.

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Programmleitung: Silke Kirsch

Projektleitung: Esther Szolnoki

Lektorat: Ina Raki

Illustrationen: shutterstock /AkeSak

Umschlaggestaltung: zeichenpool, München, unter Verwendung einer Illustration von shutterstock /AkeSak

Layout und Satz: Nadine Thiel, kreativsatz, Baldham

Dieses Werk wurde vermittelt durch Aenne Glienke, Agentur für Autoren und Verlage, www.AenneGlienkeAgentur.de

eBook Produktion: EDV-Fotosatz Huber/Verlagsservice G. Pfeifer, Germering

www.suedwest-verlag.de

INHALT

VORWORT

KAPITEL EINS

DÜRFEN WIR UNSEREN PARTNER VERÄNDERN?

KAPITEL ZWEI

WIESO MEHR FRAUEN IHRE MÄNNER ÄNDERN WOLLEN ALS MÄNNER IHRE FRAUEN

KAPITEL DREI

WIESO WIR SCHEITERN, WENN WIR VERSUCHEN DEN PARTNER ZU ÄNDERN

KAPITEL VIER

WIESO BEZIEHUNGSGESPRÄCHE PARTNERSCHAFTEN RUINIEREN

KAPITEL FÜNF

WIESO KRITIK EINER PARTNERSCHAFT SCHADET

KAPITEL SECHS

WIESO WUTAUSBRÜCHE EINE LIEBE ZERSTÖREN

KAPITEL SIEBEN

NUTZEN SIE DIE POSITIVITÄT

KAPITEL ACHT

MACHEN SIE KLARE ANSAGEN

KAPITEL NEUN

ZEIGEN SIE SYMPATHIE

KAPITEL ZEHN

BELOHNEN SIE EINANDER

ALLE REGELN AUF EINEN BLICK

NACHWORT

DIE ZUKUNFT DER LIEBE

ANHANG

QUELLEN UND WEITERFÜHRENDE LITERATUR

»Ich möchte in diesem Buch die These belegen, dass es nicht nur statthaft ist, den Partner verändern zu wollen, sondern dass es sogar nötig ist, wenn wir in einer dauerhaft glücklichen und stabilen Beziehung leben wollen.«

»Also: Reden wir nicht nur von den Frauen, den Paaren, den  Männern … reden wir von Ihnen. Sie lesen dieses Buch. Sie sind möglicherweise unzufrieden mit Ihrer Beziehung.«

»Wollen Sie, dass Ihre Beziehung stabil und glücklich ist, dann müssen Sie dafür sorgen, dass Sie das bekommen, was Sie brauchen. Sie müssen Ihren Partner oder Ihre Partnerin ändern.«

KAPITEL EINS

DÜRFEN WIR UNSEREN PARTNER VERÄNDERN?

Birte fährt sich nervös durch die aschblonden, mittellangen Haare. Wann nur hat es angefangen, dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmt in ihrer Ehe? War es, als sie feststellte, dass sie sich zu der jungen Praktikantin hingezogen fühlte, die seit drei Monaten in ihrem Betrieb arbeitete? Die 58-Jährige trinkt vorsichtig einen Schluck von dem dampfenden Jasmintee und schaut auf ihre Stiefelspitzen.

»Nein«, sagt sie dann und zieht nachdenklich die Stirn in Falten. »Nein, es war früher.«

War es, als sie umziehen musste, weil ihr Mann Kurt in eine andere Stadt versetzt wurde, sieben Jahre nach der Hochzeit?

»Nein«, sagt Birte erneut, »es war noch früher.«

Sie greift noch einmal zur Teetasse und denkt wieder nach. Konzentriert schaut sie auf den roten Teppich, der zu ihren Füßen liegt. Schließlich lehnt sie sich ein wenig zurück. Sie ist offensichtlich zu einem Ergebnis gekommen.

»Es fing schon nach zwei Jahren an.«

Birte sieht traurig aus bei diesem Satz. Die Falten um die Augen und Mundwinkel wirken jetzt tiefer und sorgenvoller. Kurt erzählt nur selten von sich, das stört sie sehr. Wenn sie Beziehungsgespräche mit ihm führen will, dann bekommt er einen glasigen Blick und zieht sich in sich zurück. Das geht schon lange so, ohne dass sie es je ändern konnte. Sie ist jetzt seit 34 Jahren verheiratet – und schon seit 32 unzufrieden mit ihrem Mann. Welche Ewigkeit!

ÜBER VERÄNDERUNGEN – UND DEREN GRENZEN

»Wie ändere ich meinen Partner?«, das ist eine der wichtigsten Fragen unserer Zeit. Kein Scherz. Ich meine das ernst. Fragen Sie Ihre Freundinnen. Fragen Sie Ihre Freunde. Oder hören Sie einfach zu, wenn eine Frau wie Birte in die Paarberatung kommt. Das klare Ergebnis: Die allermeisten Frauen suchen heute nach einer Antwort auf diese Frage. Und – zugegeben – auch wir Männer fragen uns ab und an: »Wie ändere ich meine Frau?«

Es handelt sich also gewissermaßen um eine der Grundfragen einer jeden modernen Partnerschaft. Bei ihrer Suche nach Antworten tappen die Beteiligten bislang weitgehend im Dunkeln. Das hat Gründe. Viele Beziehungsexperten behaupten, den Partner zu verändern, das sei unmöglich. Auch wohlmeinende Freunde hauen in die gleiche Kerbe und bestätigen uns diese Ansicht. Dabei ist sie grundfalsch.

Auch Forschungsergebnisse widersprechen dieser These. Die Wissenschaft kommt genau zu dem gegenteiligen Ergebnis: In einer langfristig stabilen Partnerschaft verändern sich in der Regel beide Partner tiefgreifend. Der Grund: Die große Nähe in einer Beziehung bleibt nicht ohne Folgen. Jeder guckt sich beim anderen etwas ab. Und so werden sich die Partner über die Zeit immer ähnlicher – auch charakterlich. Solche Veränderungen haben allerdings erkennbare Grenzen. Der menschliche Charakter ist zwar formbar, aber nicht beliebig zu verändern. So wird aus einem Planungs-Fan zum Beispiel kein flippiger Spontaner. Und aus einer Chaotin wird keine Pedantin. Das Ausmaß der nötigen Veränderung ist in all diesen Fällen schlicht zu groß. Trotzdem versuchen Menschen in einer Partnerschaft ganz ohne Frage genau das immer wieder. Sie wollen den anderen unbedingt von der eigenen Sicht der Dinge überzeugen. So wie Rolf.

Rolf ist ein ausgesprochen ordnungsliebender Mann. Das Problem ist: Er hat sich ausgerechnet in eine bekennende Chaotin verliebt. Anfangs sieht er nur die Vorteile, die diese Wahl ihm verspricht. Die nette Chaotin ist spontan, gefühlvoll und impulsiv. Sie hat das, was ihm fehlt. Deshalb fühlt er sich zu ihr hingezogen. Doch sind die beiden erst einmal ein Paar, beginnt sein »Umerziehungsprogramm«. Rolf will seine Chaotin unbedingt verändern – und sie verweigert sich. Natürlich! Sie will keine Pedantin werden. Das passt nicht zu ihr. Sie ist glücklich mit ihrem Charakter – oder hat sich zumindest ganz gut daran gewöhnt, dass sie so ist, wie sie nun einmal ist. Und sie hat im Gegensatz zu Rolf kein Problem mit ihrem Chaos.

Rolfs »Umerziehungsprogramm« scheitert am Ende kläglich, die Beziehung zerbricht. Und ihr unrühmlicher Schluss liefert allen Beteiligten gute Argumente dafür, dass sich ein Partner nun mal nicht verändern lässt.

Der wichtigste Grund für das absehbare Ende der Beziehung: Die dauernde Kritik von Rolf (»Musst du deinen Rucksack immer im Flur liegen lassen?«) untergräbt die Gefühle füreinander ebenso wie die bald einsetzende Gegenkritik seiner Partnerin (»Du nervst«). Menschen sind nicht in einer Partnerschaft, um sich kritisieren zu lassen. Sie wollen Anerkennung, Wertschätzung und Respekt. Und sie möchten verstanden werden.

Verhalten ist veränderbar

Aber ist es überhaupt nötig, den Charakter des Partners zu verändern, um glücklich und zufrieden zu sein? Gute Frage. Die Antwort lautet: Nicht unbedingt. Weit flexibler als unser Charakter ist ein ganz anderer Teil von uns, der auf eine Partnerschaft einen großen Einfluss hat – unser Verhalten. Auf das konkrete Verhalten Ihres Partners haben Sie weitaus mehr Einfluss als auf seinen Charakter. Und sein Verhalten ist auch erheblich einfacher zu verändern. Ein Beispiel? Gern!

Paul und Lena sind vor einigen Wochen zusammengezogen. Die beiden sind zwar erst seit neun Monaten ein Paar, trotzdem konnten sie es kaum erwarten, endlich, endlich ein gemeinsames Zuhause zu haben. Leider haben sich dadurch auch Probleme ergeben. Noch vor ein paar Wochen hat Paul Lena überschwänglich begrüßt, wann immer sie sich trafen. Kein Wunder, immerhin sind die beiden noch nicht lange zusammen. Bisher wurden die beiden schon beim bloßen Gedanken an den anderen in einen seelischen Ausnahmezustand versetzt. Was sich durch das Zusammenziehen wohl kaum verändert haben dürfte.

Und doch hat sich plötzlich etwas verändert: Pauls Verhalten. Er begrüßt Lena jetzt nicht mehr voller Freude – um es vorsichtig auszudrücken. Vor ein paar Tagen blieb er sogar einfach vor dem Fernseher sitzen, als Lena nach einem langen Arbeitstag nach Hause kam.

Eine Weile stand sie ratlos und mit hängenden Schultern im Flur und schaute zu Paul hinüber. Sie mag seinen trockenen Humor und seine dunklen, lockigen Haare, durch die sie gern mit ihren Fingern fährt. »Mein Wuschel« nennt sie ihn dann und fühlt sich ihm ganz nahe. Doch nun saß ihr »Wuschel« auf dem dunkelblauen Sofa, das sie zum Einzug von Freunden geschenkt bekommen hatten, und schaute in den Fernseher, den Lena sich von ihrem ersten Gehalt geleistet hatte. Er machte keine Anstalten, sie durch seine Haare wuscheln zu lassen.

Ist das wirklich der gleiche Mann, der bis vor Kurzem die Finger nicht von ihr lassen konnte, wenn sie sich sahen? Lena macht sich Sorgen – zu Recht. Ihr Vertrauen in seine Verlässlichkeit ist in Gefahr. Sie ist enttäuscht von dieser rasanten Veränderung seines Verhaltens. Von einer leidenschaftlichen Begrüßung mit Umarmung und einem richtigen Kuss hin zu einem belanglosen »Hallo, Schatz« in gerade einmal vier Wochen – was für ein atemberaubendes Tempo!

»Der Alltag holt die beiden eben ein«, mit diesen Worten könnten Sie Pauls Verhalten jetzt erklären. Das ist richtig. Es fragt sich aber schon, ob Lena mit Pauls Verhalten glücklich und zufrieden ist. Sie ahnen es sicher: Lena ist überhaupt nicht damit einverstanden, dass der gleiche Mann, der sie noch vor vier Wochen zur Begrüßung stürmisch umarmt und geküsst hat, jetzt gebannt vor dem Fernseher sitzen bleibt und nur noch ein liebloses »Hallo, Schatz« murmelt.

Und sie hat alles Recht dieser Welt, sich ein anderes Verhalten von Paul zu wünschen. Die Frage ist doch ganz einfach: Was ist wichtiger, der Fernseher oder Lena? Pauls Antwort ist wohl, dass angesichts der Tatsache, dass sie jetzt zusammen wohnen, der Fernseher wichtiger ist. Davon ist Lena nicht begeistert. Sie ist vielmehr irritiert und enttäuscht. Und ein wenig sauer ist sie auch. Höchste Zeit, etwas zu unternehmen.

Lena sollte Pauls Verhalten nicht einfach so hinnehmen. Sie sollte für sich und ihr Bedürfnis nach einer richtigen Begrüßung einstehen. Und dafür, dass sie sich auch nach dem Zusammenziehen eine Umarmung und einen Kuss zur Begrüßung wünscht. Und möglicherweise mehr als nur wünscht. Vielleicht braucht sie Umarmung und Kuss, um dauerhaft glücklich mit Paul zu bleiben. Wenn Lena das alles braucht, dann ist es in meinen Augen nur recht und billig, dass Paul von ihren Bedürfnissen erfährt. Was sonst sollte ihn dazu bewegen, Lena wieder so zu begrüßen wie zuvor?

Lena sollte Paul meiner Meinung nach also verändern. Braucht Paul dazu einen anderen Charakter, eine Generalüberholung? Das klingt nicht sehr wahrscheinlich. Immerhin hat sein Charakter es noch vor wenigen Wochen zugelassen, dass er bei der Begrüßung zugewandt und hingebungsvoll war. Lena muss nicht Pauls Wesen ändern – sondern sein Verhalten.

Dass das sinnvoll ist, bestätigt auch eine der größten repräsentativen Paarstudien der Welt. Hierfür hat die Psychologin und Soziologin Terri Orbuch das Verhalten junger Paare in den ersten Jahren ihrer Beziehung untersucht. Das spannende Ergebnis: Wenn Partner sich ernsthaft bemühen, den anderen zu verändern, sind sie einige Jahre später mit einer größeren Wahrscheinlichkeit noch immer zusammen, als die Paare, die einander einfach so lassen, wie sie sind – und sich nicht auseinandersetzen. Ganz nach dem Motto: Ich nehme ihn so, wie er ist.

Wer es unterlässt, den Partner zu verändern, der geht einen gefährlichen Weg. Er setzt sich schlicht zu wenig für sich und seine Bedürfnisse ein. Das macht auf Dauer unzufrieden und schädigt eine Partnerschaft grundlegend. Akzeptiert Lena also, dass sich Paul zur Begrüßung nicht einmal mehr erhebt und ihm der Fernseher wichtiger ist als ihr Heimkommen, dann gefährdet das ihre Partnerschaft womöglich. Lena und Paul wären nicht das erste Paar, das schon bald nach dem Zusammenziehen feststellt, dass ein zu liebloser Umgang miteinander die Liebe innerhalb von einigen Monaten zermürben kann. Denn Verliebtheitshormone sind nur ein Grund für die tollen Gefühle, die die Anfangszeit einer Liebe so besonders machen. Der andere: Wir verhalten uns oft und gern zugewandt. Wir sind füreinander da. Und das fühlt sich sehr gut an – auch nach dem Ende der Verliebtheit.

Ist es unromantisch, den Partner verändern zu wollen?

Den Partner verändern zu wollen, das erscheint vielen auch deshalb »falsch«, weil uns allen das romantische Liebesideal als Maßstab für gut und richtig dient – und das führt uns leider oft in die Irre. Das romantische Liebesideal fordert, den Partner oder die Partnerin ganz umstandslos zu lieben, so wie er oder sie eben ist. Und sich keine auch noch so kleine Änderung zu wünschen. Der andere ist perfekt. Veränderungen? Nicht nötig!

Das ist, mit Verlaub, grober Unfug. Der Vorsatz, den Partner so zu nehmen, wie er ist, und ihn nicht zu verändern, übersteht kaum jemals die ersten zwölf Monate, die spannende Zeit der Verliebtheit also. Nur in diese Zeit passt er wirklich hinein.

Romantik ist eine feine Sache. Romantik ist für eine Beziehung gut und wichtig, wenn es dabei um romantische Handlungen geht wie ein sommerliches Überraschungspicknick oder Blumengeschenke ohne jeden Anlass. Kein Problem. Wenn Romantik bedeutet, dass ein Mann seine Frau zur Begrüßung voller Freude küsst und umarmt – auch kein Problem. Ganz anders sieht es aber aus, wenn wir uns die Wirkung von romantischen Liebesklischees anschauen. Diese Klischees können einer Liebe großen Schaden zufügen. Etwa wenn einer der Partner der Überzeugung ist, dass in einer Partnerschaft allein die Gefühle zählen und er nichts tun muss für den Bestand seiner Beziehung. Oder aber wenn wir der festen Überzeugung sind, dass wir jede noch so abseitige Verhaltensweise des Partners liebevoll tolerieren müssen, wenn wir ihn wirklich lieben.

Doch das stimmt nicht. Wir müssen versuchen, den Partner zu verändern. Es wäre gut, wenn uns allen diese Erkenntnis schon beim Schwelgen in der anfänglichen Harmonie der Verliebtheit bewusst wäre. Realismus tut not. Das gilt auch für viele Beziehungsexperten. Auch sie ignorieren die Fakten weitgehend. Sie sind nicht dafür, den Partner zu verändern, und plädieren stattdessen für Akzeptieren und für Toleranz. Ich habe nichts gegen Akzeptieren und auch nichts gegen Toleranz. Jede Partnerschaft braucht eine Menge von beidem. Legt der Partner aber mit seinem Verhalten die Axt an die Wurzeln der Beziehung, dann hilft es nicht, das zu akzeptieren oder zu tolerieren.

VERÄNDERUNG BRAUCHT MUT UND GEFÜHL

Auch Lena sollte Pauls Verhalten nicht akzeptieren. Was ihre Partnerschaft braucht, das ist das klare Bewusstsein von der Notwendigkeit, den Partner zu verändern. Sie braucht den Mut, die Dinge anzusprechen. Und sie braucht das Wissen um geeignete Mittel und Wege, um das Ziel auch zu erreichen. Und dann braucht sie noch einmal Mut – um entsprechend zu handeln.

Das gilt nicht nur für Verhaltensweisen des Partners, mit denen wir überhaupt nicht zurechtkommen. Auch wenn wir uns nur einfach wohler fühlen würden, wenn der Partner das eine oder andere an seinem Verhalten ändert, steht es uns zu, uns genau das nicht nur still und heimlich zu wünschen oder zu erhoffen. Wir dürfen und wir sollen uns vielmehr auch aktiv dafür einsetzen, dass aus unseren Wünschen Realität wird. Das gilt nicht nur für Lena – es gilt auch für Sie. Für Sie und Ihr Leben. Für Ihre Partnerschaft. Wie sieht es aus mit Ihnen und Ihren Bedürfnissen? Dieser Frage werden wir nachgehen im Verlauf dieses Buches. Es geht darum, was Sie in Ihrer Beziehung verändern wollen. Und darum, wie Sie dieses Ziel auch erreichen können.

Und wie sieht es umgekehrt aus? Darf Ihr Partner auch versuchen, das eine oder andere an Ihnen zu ändern? Ja. Ich bin froh über jeden Mann, der sich ernsthaft fragt, was er in seiner Partnerschaft ändern möchte, und der dann nach geeigneten Mitteln und Wegen sucht, sein Ziel auch zu erreichen.

Allzu oft überlassen Männer die wichtige Arbeit, für eine zufriedenstellende und stabile Partnerschaft zu sorgen, ihren Frauen. Ist ja toll, dass viele Männer glauben, die Frau an ihrer Seite werde »das Kind schon schaukeln«. Ein wenig mehr Engagement von Männern wäre trotzdem nicht schlecht. Ein Mann, der nicht weiß, womit er in seiner Beziehung unzufrieden ist und was er an seiner Partnerin ändern möchte, kann für eine Frau eine echte Belastung sein. Er ist spürbar frustriert – gibt das aber nicht zu. Er hat häufig schlechte Laune – sagt aber nie, was ihm auf der Seele liegt. Und dann steht er eines Tages vor ihr, zuckt hilflos mit den Schultern und bekennt, dass er schon seit einer ganzen Weile nicht mehr weiß, ob er sie noch liebt. Und schon befinden beide sich mitten in einer schweren Beziehungskrise.

Ein Mann, der weiß, was er an seiner Frau ändern will, der ist vielleicht nicht immer sehr bequem. Aber er ist verlässlicher. Er sagt, was er will. Und sorgt so für eine glückliche und stabile Partnerschaft. Wenn Sie also keine Leserin, sondern ein Leser sind, dann freut es mich sehr, dass Sie sich für die spannende Frage interessieren »Wie ändere ich meine Frau?«. Danke, dass Sie sich die Mühe machen, herauszufinden, wie Sie in Zukunft in Ihrer Partnerschaft glücklicher und zufriedener sein können.

Soll eine Liebe Bestand haben, dann ist es hilfreich, wenn zumindest einer der beiden Partner eine durchdachte Agenda hat. Eine Agenda besteht nicht aus utopischen Wünschen und allgemein formulierten Zielen. Eine Agenda enthält vielmehr konkrete Ziele und klare Wünsche zur Veränderung. Je konkreter die Wünsche und je klarer die Ziele, desto positiver wirkt sich eine Agenda auf eine Partnerschaft aus. Konkrete Wünsche beziehen sich in der Regel auf das Verhalten des anderen. Allgemeine Veränderungsfantasien gehen dagegen allzu oft mit dem Wunsch einher, der andere möge seinen Charakter grundsätzlich ändern – dann sei endlich alles gut.

Nutzen Sie die Macht der positiven Gefühle

Konkrete Veränderungswünsche sind das eine – höfliche Formen des Umgangs miteinander das andere. Es ist nicht einerlei, wie wir versuchen, den Partner oder die Partnerin in die gewünschte Form zu bringen. Unhöfliche Versuche mit einem Übermaß an Kritik und Vorwürfen haben wenig Aussicht auf Erfolg. Das lehrt nicht nur die Erfahrung – es ist auch wissenschaftlich belegt.

Unhöflichkeit – das ist wahrscheinlich der entscheidende Grund, warum viele Menschen glauben: »Den Partner verändern – das geht nicht!« Denn sie haben es versucht. Einmal. Zweimal. Immer wieder. Oft über Jahrzehnte. Sie haben ihren Partner kritisiert. Ohne Ergebnis. Sie haben Beziehungsgespräche mit ihm geführt. Erfolglos. Sie haben gemeckert und genörgelt. Das Ergebnis: Die Stimmung in der Partnerschaft wurde schlechter, die Probleme aber blieben. Das hat einen entscheidenden Grund. Sie haben es immer und immer wieder mit negativen Strategien versucht, kurz: mit Negativität. Und darauf reagieren Menschen nicht wie gewünscht. Sie stellen sich stur. Sie gehen zum Gegenangriff über. Aber sie ändern sich nicht.

Wir alle, Männer wie Frauen, wollen in einer Partnerschaft geliebt werden. Fühlen wir uns geliebt, dann sind wir zu Veränderungen bereit. Die Antwort auf die Frage »Wie ändere ich meinen Partner?« lautet deshalb: mit Positivität. Positive Strategien führen deutlich häufiger und deutlich leichter zum gewünschten Ergebnis.

In diesem Buch geht es also nicht nur um das Verändern-Wollen des Partners und um die Vorteile, die das für eine Partnerschaft hat. Es geht auch um die große Macht der positiven Gefühle, um die Kraft, die positive Worte und positive Handlungen in einer Partnerschaft entfalten. Ich will belegen, dass nicht Beziehungsgespräche und Paardiskussionen den dauerhaften Erhalt einer Liebe gewährleisten, sondern einzig und allein unsere Fähigkeit zu dem, was allen zwischenmenschlichen Beziehungen Halt und Stabilität gibt: Positivität.

Ich will Ihnen in diesem Buch die Vorteile und die vielfältigen Möglichkeiten von positiven Vorgehensweisen zeigen. Positivität ist der entscheidende Schlüssel zu einer glücklichen Partnerschaft.

Lena ist noch immer hin- und hergerissen angesichts der Frage, ob sie Paul sagen soll und kann, dass sie sich ein anderes Verhalten von ihm wünscht. Darf sie das? Auch Birte ist sich nach 34 Jahren Ehe nicht im Klaren darüber, ob es legitim ist, Kurt ihre Wünsche zu kommunizieren. Sie hadert mit seinem Schweigen, wenn er von der Arbeit kommt. Sie hadert damit, dass er sich oft nur wenig für sie und ihr Leben interessiert. Sie möchte erzählen, wie ihr Arbeitstag war. Kurt dagegen will auf der Terrasse sitzen, die Sonne genießen – und schweigen. Birte ist damit erkennbar unglücklich. Lange 32 Jahre schon. Trotzdem: Ihre eigenen Bedürfnisse zu respektieren und deshalb den Partner zu verändern, das ist auch für sie eine ungewohnte Vorstellung.

Die Antwort auf die Frage, ob wir unseren Partner verändern dürfen oder sollen, ist in meinen Augen ganz einfach: Natürlich dürfen wir. Und möglicherweise mehr als das. Wir müssen unseren Partner verändern, weil wir sonst nicht glücklich werden. Birte ist seit nunmehr 32 Jahren eine unglückliche Ehefrau, Lena droht genau das gleich Los – oder eine Trennung.

Übrigens: Auch Männer wollen in vielen Fällen Veränderungen in ihrer Partnerschaft (oft wollen sie mehr Sex). Deutlich häufiger als Männer sind allerdings Frauen unzufrieden mit ihrer Partnerschaft. Die Liste ihrer Wünsche ist meist lang. Sie enthält wichtige Punkte, die für den Bestand einer Partnerschaft ebenso entscheidend sind wie für die Zufriedenheit beider Partner mit der Beziehung. Einige Beispiele, die sich oft auf diesen Listen finden:

Frauen wünschen sich mehr Intimität im Gespräch.

Frauen wünschen sich mehr Zärtlichkeit im Alltag. Umarmungen. Küsse.

Frauen wünschen sich mehr Unterstützung im Haushalt und in der Kindererziehung.

Frauen wünschen sich ein offenes Ohr für ihre Gedanken und Gefühle – ohne einen Ratschlag zu bekommen, wie sie es anders machen könnten.

Frauen wünschen sich mehr Sex, weil die körperliche Zuwendung in ihrer Partnerschaft seltener ist, als ihnen lieb ist.

Frauen wollen deutlich häufiger als Männer den Partner verändern. Woher kommt dieses Ungleichgewicht? Noch eine gute Frage! Starten wir doch genau mit diesem Punkt: Wie ändere ich meinen Mann? Starten wir mit Kristin, einer resolut wirkenden Frau, die es ein Leben lang unterlassen hat, den Mann an ihrer Seite zu ändern – und die dafür einen hohen Preis zahlen muss.