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Ulrich Offenberg

DER 30-JÄHRIGE KRIEG

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Geschichts-Daten

1559:

Geburt von Johann t’Serclaes

Graf von Tilly

9. Juli 1578:

Geburt von Ferdinand II.

1580:

Geburt von Graf Peter Ernst II.

von Mansfeld

Geburt von Bethlen Gabor

24 September 1583:

Geburt von Albrecht von Waldstein

(Wallenstein)

5. September 1585:

Geburt von Armand-Jean I. du Plessis

de Richelieu (der spätere Kardinal

Richelieu)

9. Dezember 1594:

Geburt von Gustav II. Adolf

20. September 1599:

Geburt von Herzog Christian von

Braunschweig

13. Juli 1608:

Geburt von Ferdinand III.

1609:

Kaiser Rudolf versucht den Protes-

tanten die Duldung zu entziehen

1617:

Madrid akzeptiert Ferdinand II. als

Kandidaten für den Kaiserthron

16. Juni 1617:

Ferdinand II. wird zum böhmischen

König gewählt

Böhmisch-pfälzischer Krieg (1618–1623)

21. Mai 1618:

Protestversammlung der

Protestanten in Prag

23. Mai 1618:

Prager Fenstersturz,

Beginn des 30-jährigen Kriegs

20. Juli 1618:

Verhaftung von Kardinal Khlesl

durch Ferdinand II.

28. August 1618:

Das kaiserliche Heer verlässt Wien

21. November 1618:

Eroberung von Pilsen durch Mansfeld

20. März 1619:

Tod von Kaiser Matthias

27. März 1619:

Angebot der Straflosigkeit für die

böhmischen Aufständischen

10. Juni 1619:

Schlacht von Sablat

20. August 1619:

Angriffs- & Verteidigungsbündnis

Böhmens mit Bethlen Gabor

27. August 1619:

Wahl von Friedrich V. von der Pfalz

zum böhmischen König

28. August 1619:

Wahl von Ferdinand II. zum

deutschen Kaiser

28. September 1619:

Friedrich V. nimmt die Wahl

als böhmischer König an

8. Oktober 1619:

Maximilian unterzeichnet

Abkommen mit Ferdinand II.

März 1620:

Versammlung der

katholischen Fürsten

30. April 1620:

Kaiserliches Mandat fordert Friedrich V.

auf, Böhmen zu verlassen

23. Juni 1620:

Spinola erhält von Ferdiand und der

spanischen Regierung den Marsch-

befehl in die Pfalz einzumarschieren

23. Juli 1620:

Maximilian von Bayern überschreitet

mit dem Heer der katholischen Liga

die österreichische Grenze

31. Juli 1620:

Vertrag von Ulm: Neutralität der pro-

testantischen Staaten wird respektiert

19. August 1620:

Eroberung von Mainz durch Spinola

26. September 1620:

Tilly überschreitet mit dem kaiser-

lichen Heer die Grenze Böhmens

7. November 1620:

Schlacht am Weißen Berg,

Niederlage Friedrichs V.

29. Januar 1621:

Verhängung der Reichsacht

über Friedrich V.

29. Februar 1621:

Verhaftung der Rädelsführer

des Aufstands in Prag

9. April 1621:

Ende des Waffenstillstandes

mit Spanien

27. April 1621:

Vertrag Friedrichs mit Holland

zur Rückeroberung seiner Länder

am Rhein

21. Juni 1621:

Hinrichtung der Aufständischen

in Prag

23. September 1621:

Eroberung von Cham

durch Maximilian

27. April 1622:

Gefecht zwischen Mansfeld und

Tilly bei Mingoldsheim

13. Juli 1622:

Mansfeld und Christian von

Braunschweig werden aus den

Diensten Friedrichs V. entlassen

19. September 1622:

Eroberung Heidelbergs durch Tilly

Dänisch-niedersächsischer Krieg (1623–1629)

10. Januar 1623:

Kurfürstenversammlung

in Regensburg

23. Februar 1623:

Friedrich V. wird abgesetzt

25. Februar 1623:

Maximilian wird zum

Kurfürsten ernannt

13. Juli 1623:

Einmarsch von Tilly in

niedersächsische Kreise

27. Juli 1623:

Christian von Braunschweig

überschreitet die Weser

6. August 1623:

Sieg Tillys über Christian

3. September 1623:

Wallenstein wird in den

Fürstenstand erhoben

24. April 1624:

Mansfeld besucht London

10. Juni 1624:

Frankreich und die Niederlande

unterzeichnen in Compiège einen

Freundschaftsvertrag

9. Juli 1624:

Schweden und Dänemark vereinbaren

einen Freundschaftsvertrag

11. Juli 1624:

Frankreich, Savoyen und Venedig

vereinbaren ein gemeinsames

Einschreiten im Veltlin

23. Oktober 1624:

Brandenburg und die Vereinten

Niederlande werden Verbündete

10. November 1624:

Henriette von Frankreich heiratet

den Prinzen von Wales

Frühjahr 1625:

Savoyen fällt in Italien ein

und belagert Genua

Aufstand der Hugenotten in

Frankreich

5. Juni 1625:

Breda kapituliert nach sechsmonatiger

Belagerung durch die Spanier

Spätsommer 1625:

Wallenstein marschiert mit seinem

Heer nach Norden, um sich mit

Tilly zu vereinigen

Dezember 1625:

Bündnisvertrag zwischen Dänemark,

England und den Vereinigten

Niederlanden

25. April 1626:

Wallenstein schlägt Mansfeld in der

Schlacht an den Dessauer Elbbrücken

16. Juni 1626:

Tod von Herzog Christian von

Braunschweig

27. August 1626:

Niederlage von Christian von

Dänemark gegen Tilly

30. November 1626:

Tod von Mansfeld

Frühjahr 1627:

Wallenstein besetzt Brandenburg

August 1627:

Mansfelds Heer ergibt sich in

Bernstein

11. März 1628:

Der Kaiser überträgt alle mecklen-

burgischen Herzogtümer auf

Wallenstein

3. Juli 1628:

Stralsund unterschreibt Freundschafts-

vertrag mit Schweden

6. Juli 1628:

Wallenstein belagert Stralsund

18. Oktober 1628:

Wallenstein besiegt die Dänen

15. November 1629:

Tod von Bethlen Gabor

Schwedischer Krieg (1630–1635)

4. Juli 1630:

Die Flotte des Königs von Schweden

wirft Anker vor Usedom

20. Juli 1630:

Der Schwedische König Gustav Adolf

erobert Stettin

23. Januar 1631:

Gustav Adolf unterzeichnet in

Bärwalde einen Bündnisvertrag

mit Frankreich

28. März 1631:

Erklärung des Leipziger Konvents

3. April 1631:

Gustav Adolf erobert Frankfurt an

der Oder

20. Mai 1631:

Eroberung Magdeburgs durch Tilly

11. September 1631:

Kurfürst Johann Gregor von Sachsen

unterschreibt Bündnisvertrag mit

Gustav Adolf

14. September 1631:

Tilly erobert die Feste

Pleißenberg (Leipzig)

18. September 1631:

Gustav Adolf siegt in der Schlacht in

Breitenfeld über das kaiserliche Heer

18. Oktober 1631:

Die Schweden nehmen Würzburg ein

15. November 1631:

Die Sachsen besetzen Prag

27. November 1631:

Die Schweden ziehen in

Frankfurt am Main ein

31. Dezember 1631:

Wallenstein verspricht für Ferdinand

ein neues Heer aufzustellen

24. April 1632:

Gustav Adolf zieht in Augsburg ein

30. April 1632:

Tod von Tilly

Mai 1632:

München ergibt sich Gustav Adolf

25. Mai 1632:

Wallenstein besetzt Prag

16. November 1632:

Schlacht bei Lützen

Verwundung und Tod von

Gustav Adolf

29. November 1632:

Friedrich V. stirbt

24. Januar 1634:

Der Kaiser entlässt Wallenstein und

versucht seiner habhaft zu werden

25. Februar 1634:

Wallenstein wird von einem

Kommando ermordet

2. Mai 1634:

Ferdinand III., der Sohn von Fer-

dinand II., wird König von Ungarn

und Böhmen und Generalissimus

6. September 1634:

Schlacht bei Nördlingen,

Ferdinand III. siegt gegen das

protestantisch-schwedische Heer

Februar 1635:

Ferdinand III. unterzeichnet

Waffenstillstand mit Sachsen

Schwedisch-Französischer Krieg (1635–1648)

21. Mai 1635:

Kriegserklärung des französischen

Königs Ludwig VIII. an Spanien

(Philipp IV.)

22. Dezember 1636:

Ferdinand III. wird zum

deutschen Kaiser gewählt

30. Mai 1635:

Frieden von Prag

15. Februar 1637:

Tod Ferdinand II.

4. Dezember 1642:

Tod von Kardinal Richelieu

24. Oktober 1648:

Westfälischer Frieden,

Ende des 30-jährigen Krieges

Mai 1654:

Die letzten schwedischen

Besatzungstruppen ziehen ab

2. April 1657:

Tod von Ferdinand III.

Inhaltsverzeichnis

Prag, 23. Mai 1618. Ein großer Menschenauflauf vor der Prager Burg. Unter der Führung von Heinrich Matthias von Thurn stürmen die protestantischen Stände Böhmens den Regierungssitz. Man hört empört Rufe und böse Forderungen: „Hängt sie auf!“ „Schlagt sie tot!“ „Nieder mit dem Kaiser!“ „Auf den Scheiterhaufen mit den Pfaffenknechten!“

Den beiden Statthaltern des katholischen Kaisers Matthias, die dem Pöbel bei ihrem Aufstand in die Hände gefallen waren, wurde kurzerhand der Prozess gemacht. Man verurteilt sie nach einer Blitz-Verhandlung dazu, aus dem Fenster gestürzt zu werden. Zu der damaligen Zeit war das eine Art „sanftes“ Todesurteil. Schließlich könnte die Güte Gottes die Verurteilten den Sturz aus 17 Metern Höhe aufs harte Pflaster überleben lassen…

Der Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618 war für sich genommen eine kuriose Episode in einer Provinz des riesigen Habsburgerreiches. Aber er hatte eine weltgeschichtliche Dimension. Er war der Auslöser für einen 30 Jahre langen Krieg. So furchtbar wie ihn der europäische Kontinent zuvor noch nie erlebt hatte. Er kostete Millionen von Menschenleben. Als schließlich Frieden geschlossen wurde, lag Mittel-europa verwüstet und ausgeplündert am Boden. Um Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte waren Wirtschaft und Fortschritt zurückgeworfen. Es dauerte Generationen, bis sich der Kontinent von diesem ungeheuren Aderlass erholt hatte. Über Jahrhunderte blieb in den Köpfen der Menschen die Furcht vor solch einem Krieg und dessen grausamen Folgen.

Wie kam es zu den dramatischen Ereignissen? Das Königreich Böhmen war zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein kleines, dafür aber reiches Land. Hier reiften frühzeitig Bestrebungen nach religiöser Unabhängigkeit, nationaler Geschlossenheit und politischer Freiheit, wie sie in Europa immer mehr Mode wurden.