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Wessen Moral? Eine Autobiografie zum Thema: Erwachsene Kinder suchtkranker Eltern


Wessen Moral? Eine Autobiografie zum Thema: Erwachsene Kinder suchtkranker Eltern


Originalausgabe

von: Cécile Koch

9,99 €

Verlag: Acabus
Format: PDF
Veröffentl.: 17.05.2010
ISBN/EAN: 9783941404380
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 264

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

"Wessen Moral?" ist ein autobiografischer Roman über eine junge Frau, die retrospektiv das Verhältnis zu ihrer suchtkranken Mutter beleuchtet und zu verstehen versucht. Zunächst noch mit den Augen eines Kindes beobachtet die Autorin wie ihre Mutter Stück für Stück an Stärke und Lebenswillen verliert. Ihre einst attraktive, charmante und geistreiche Mutter verliert mit der Zeit die Kontrolle über ihr eigenes Leben und dasjenige ihrer Familie. Mit ausschlaggebend dafür ist die Hochzeit mit einem manisch-depressiven, medikamentenabhängigen Alkoholiker. Mehr und mehr lässt sich die Mutter von ihren eigenen Süchten leiten, bis sie schließlich an ihnen zerbricht. Cécile Koch versuchte lange, sich ihre verstörende Welt mit kindlicher Fantasie zurechtzurücken. Als Außenseiterin in der Nachbarschaft und Schule erfindet sie sich Freunde und erschafft sich eine eigene Realität. Mit zunehmendem Alter reift in ihr jedoch die Einsicht, dass sie der Welt, wie sie ist, nicht durch Träumereien entfliehen kann. Mehrmals reißt sie aus. Mit vierzehn Jahren reist sie sechs Wochen mit einem kleinen Wanderzirkus mit und bezahlt dafür mit dem einzigen, was sie hat - mit sich selbst. Nach ihrer unfreiwilligen Rückkehr bricht ihr der Boden unter den Füßen weg. Mit Gewalt versucht sie ihrem Leben Sinn einzuflößen, klammert sich an sinnlose Beziehungen, fängt selbst an zu trinken und zu kiffen und versucht mehrmals, sich das Leben zu nehmen. Parallel dazu setzt bei ihrer Mutter eine Leberzirrhose ein. Im Alter von fünfundvierzig Jahren stirbt die Mutter. Für die zu diesem Zeitpunkt neunzehn Jahre alte Autorin bedeutet der Tod der Mutter einen Wendepunkt. Sie fühlt, wie sehr sie leben möchte und macht sich auf, gesund zu werden. Mit einfachen, nüchternen Worten betrachtet die Autorin rückblickend ihr Leben ohne geborgene Kindheit und ihren Versuch, aus eigener Kraft erwachsen zu werden. Nicht die nachträgliche Betroffenheit steht im Vordergrund ihrer Schilderungen. Vielmehr geht es um den Mut und auch die Probleme, das eigene Leben anzunehmen und selbstbestimmt zu führen. Der Titel "Wessen Moral?" steht stellvertretend für alle Fragen nach den Gründen und der Gerechtigkeit der Welt, welche Cécile Koch beschäftigen.
Cécile Koch wurde vor 30 Jahren in Göttingen geboren. Bis zu ihrem 25. Lebensjahr lebte sie in der niedersächsischen Universitätsstadt, bevor sie unter anderem nach Hamburg und München umzog. Gegenwärtig lebt und schreibt sie in einer kleinen Stadt in Bayern. Hier arbeitet sie als selbstständige Fotografin. Cécile Koch ist seit 2006 verheiratet. Seit 1996 stellt sie sich mit ihrem Geschriebenen der Kritik der Öffentlichkeit: So hat sie bis 2004 in ihrer Heimatstadt Göttingen halbjährlich, gemeinsam mit anderen jungen Schriftstellern, Lesungen ihrer eigenen Texte gehalten. Dieser Tradition blieb sie auch in ihre nächsten Wohnorten Hildesheim, Hamburg und Pinneberg treu. Ihre Gedichte sind mehrfach im "Jahrbuch für das neue Gedicht", Brentano Verlag, veröffentlicht. Das Thema "Erwachsene Kinder von suchtkranken Eltern" ist für Cécile Koch mehr als selbst erlebte Geschichte. Sie sieht es als ihre Aufgabe an, aus den eigenen Erlebnissen Kraft zu schöpfen und ihre Erfahrungen an ihre Mitmenschen weiter zu geben. Seit Anfang 2008 arbeitet sie ehrenamtlich in dem Münchner "Club 29", einer Einrichtung zur Rehabilitation von Suchtkranken. Basierend auf sowohl hauptamtlich professioneller als auch ehrenamtlich ausgebildeter Arbeit wird Suchtkranken und deren Angehörigen hier so genannte "niederschwellige Hilfe" in der Alltagsbewältigung angeboten. Cécile Koch leitet seit Anfang 2008 eine Selbsthilfegruppe für erwachsene Kinder von suchtkranken Eltern. Außerdem führt sie Präventionsprojekte an Schulen durch. Der Anspruch nach einem verantwortlichen Umgang mit der eigenen Geschichte und den damit verbundenen Erfahrungen schlägt sich deutlich in "Wessen Moral?" nieder. Die Lektüre soll jungen Menschen Mut machen und Verständnis- sowie Verarbeitungsprozesse anregen. Eines kommt dabei nicht zu kurz: die Unterhaltung.
Aus Kapitel 1:

Als ich am nächsten Tag zur Schule ging, wusste ich, dass meine Mutter gemeinsam mit meiner Schwester und meinem neuen Stiefva-ter weg sein würde. Ich spielte auf dem Heimweg mit einem Jungen, und wir beschlossen, nachmittags weiter zu spielen. Zu Hause waren noch letzte Reste von den Festen. Ungespülte Teller stapelten sich im Waschbecken, vollgerauchte Aschenbecher standen in eingetrockne-ten Weinflecken auf den Tischen, die Katzen schliefen satt und glück-lich zusammengerollt inmitten des Drecks. Anscheinend hatten sie die Teller ein bisschen vorgespült und sich die leckersten Reste von ihnen geklaut. Die Styroporkisten vom Partyservice stapelten sich in der Küche. Mir war ihr Wert nicht bekannt. Als der Junge nachmittags zum Spielen kam, spielten wir Zoo. Wir nahmen die Kisten als Käfi-ge, hauten Löcher hinein, damit die Tiere atmen konnten, und reihten sie alle hübsch säuberlich auf. Den ganzen Tag spielten wir. Als er ging, ging ich ins Bett, die anderen waren noch nicht zurück und ich hatte nicht zu Abend gegessen.
Ich wurde wach, vom hysterischen Schimpfen meiner Mutter: "Dieses Kind ..." Es ist komisch, aber in meiner Erinnerung war ich immer "dieses Kind", irgendetwas Nicht-Zugehöriges, was zufällig mal da war. Meine Schwester war immer "meine Tochter". Sie war ihre ganze Kindheit lang ein Traumkind, so ruhig, so unauffällig, dass sie an meinem Leben irgendwie total vorbeigegangen ist.
Es gab nie etwas gemeinsames, etwas, das uns verbunden hätte. Als kleine Einzelkämpferinnen buhlten wir, eine jede auf ihre Art, um die Liebe unserer Mutter und fanden dabei nicht zueinander.
So still wie sie war, so laut war ich. Ich war immer weg, in mir tobte es, ich fand mein Leben ungerecht, und das habe ich immer lautstark von mir gegeben. Heute weine ich leise.

Ich hatte Angst, als die Tür aufging, denn ich wusste, dass mich niemand fragen würde, wie mein Tag war, ob ich was gegessen hatte, ob es mir gut ging. Ich wurde von einer rauen, starken Hand am Nacken gepackt und an den Haaren aus dem Bett gezogen. Mein Stiefvater schleifte mich ins Wohnzimmer.
Meine Schwester saß still auf ihrem Stuhl und träumte sich in eine andere Welt. Ich weiß nicht, ob sie je auch nur ein bisschen von meiner Art zu leben verstanden hat. Definitiv hat sie immer verstan-den, dass ich schwierig bin, und dass ich unserer Mutter viele Sorgen bereitete. Manchmal frage ich mich sogar, ob so mancher böser Gedanke durch ihren Kopf geht, wenn sie über den frühen Tod unserer Mutter nachdenkt.
Meine Mutter stand erst mit dem Rücken zu mir. Sie drehte sich schwer atmend um. Ein leicht alkoholischer Geruch strömte von ihr und meinem Stiefvater auf mich ein. Sie rauchte. Ihre Mimik war einer Theatermaske gleich zwanzig Jahre gealtert, ihre Figur war eine absonderliche Mischung aus graziler Dame und zerschlagener Frau. Sie sprach mit schwerer Stimme, sie schrie nicht, sie weinte schwer-mütig und hielt mir eine Predigt, die nicht enden wollte, und die - wie immer - allumfassend war. Die Wut über meinen Vater tauchte darin auf, über mein generelles Ich und überhaupt alles an mir. Immer wieder schaute sie meine Schwester und meinen Stiefvater bedeu-tungsschwanger an, als ob sie dem noch schwerwiegendere Aspekte hinzufügen wollte. Sie beendete ihren Vortrag mit dem Satz: "Aber nun haben wir ja wieder einen Mann im Haus", sie nickte meinem Stiefvater zu.
Er schob mich zurück in unser Kinderzimmer und legte mich über einen Stuhl. Ich weiß nicht mehr, ob es seine Hand oder sein Gürtel war, es erschien mir auf jeden Fall unendlich, und die Schmerzen zogen durch den ganzen Körper. Ich konnte so laut gar nicht schreien und weinen. Und ich weiß auch nicht mehr, was mehr wehtat, die Schläge oder dieses Gefühl des Alleinseins.
[…]

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